TikTok in der EU: Kommission sieht drastische Verstöße bei Werbung

Tiktok: Laut einer EU-Kommission ist fehlende Transparenz bei der Werbung auf der Plattform ein großes Problem. Es gibt aber noch mehr Mängel.
LIONEL BONAVENTURE/AFPDie EU-Kommission wirft der Online-Plattform Tiktok Verstöße gegen europäische Vorgaben zur Online-Werbung vor. Das Unternehmen habe bislang keine ausreichend detaillierte Datenbank zu Werbeanzeigen eingerichtet, wie sie durch das EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) vorgeschrieben ist, teilte die Kommission am Donnerstag (15. Mai 2025) mit. Die veröffentlichten Informationen seien unvollständig.
Werbung auf Tiktok: EU bemängelt fehlende Transparenz
Konkret kritisiert Brüssel, dass die Plattform keine Angaben darüber macht, welche Nutzergruppen personalisierte Werbung erhalten. Ebenso fehlt eine klare Kennzeichnung der Geldgeber hinter einzelnen Anzeigen. Die Suchfunktion des Anzeigenarchivs sei zudem unzureichend, was den praktischen Nutzen einschränke.
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen betonte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) das Informationsrecht der Bürgerinnen und Bürger: „Sie müssen wissen, wer hinter den Botschaften steht, die ihnen angezeigt werden.“ Eine transparente Datenbank sei auch für Forschung und Öffentlichkeit essenziell, etwa um Falschinformationen oder manipulierte Inhalte zu erkennen – insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen.
EU ermittelt auch wegen Wahlwerbung und Jugendschutz gegen TikTok
Bereits 2023 hatte die Kommission Ermittlungen gegen TikTok aufgenommen. Anlass war die Präsidentschaftswahl in Rumänien, bei der Videos des rechtsextremen Kandidaten Calin Georgescu nicht als Wahlwerbung gekennzeichnet worden sein sollen. Ein Gericht erklärte die Wahl später wegen möglicher Einflussnahme aus Russland für ungültig. Bei der Wiederholung kandidiert George Simion, ebenfalls rechtsextrem und auf TikTok populär, gegen den pro-europäischen Kandidaten Nicosur Dan.
Neben dem aktuellen Verfahren laufen weitere Prüfungen gegen TikTok, unter anderem wegen möglicher Verstöße beim Schutz Minderjähriger. Sollte die Plattform gegen geltende EU-Vorgaben verstoßen haben, drohen empfindliche Bußgelder.
