Threads von Meta: Warum es die neue App des Facebook-Konzerns noch nicht in Deutschland gibt

Aus dem Hause Meta gibt es jetzt eine neue Kommunikations-App. Der Name: Threads. Diese soll vor allem Twitter Konkurrenz machen. Wann erscheint sie in Deutschland?
Rafael Henrique/dpaUnd noch eine App, die uns allen die Kommunikation erleichtern soll. Meta, der Konzern von Multimilliardär Mark Zuckerberg, bringt nach Facebook und Instagram eine weitere Kommunikations-App auf den Markt. Der Name: Threads. Diese soll vor allem Twitter, das seit ein paar Monaten Elon Musk gehört, Konkurrenz machen. Die Veröffentlichung in Deutschland und der EU lässt aber noch auf sich warten.
Threads - Was kann die neue Meta-App?
„Threads ist der Ort, um zusammenkommen und über alles zu diskutieren, von Themen, die Sie interessieren, bis hin zu den Trends von morgen“, heißt es in der Beschreibung. Nach Informationen der spezialisierten Website „Platformer“ soll die Anwendung so konzipiert sein, dass sie mit anderen Netzwerken desselben Typs interoperabel ist. Dies wäre ein Bruch mit der bisherigen Strategie der großen Online-Konzerne, die stets auf geschlossene Umgebungen mit eigenen Nutzungsregeln setzten.
Die Wahl der Interoperabilität grenzt Threads auch von Twitter ab. Dessen Chef Elon Musk hatte im Dezember klargemacht, dass er von Schnittstellen mit anderen Plattformen nicht viel hält: Kurzzeitig ließ er sogar Konten sperren, die Links zu anderen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Mastodon geteilt hatten.
Wann ist Start von Threads?
Threads wird seit Montag, 3. Juli 2023, in den App-Stores für iPhones und Android-Smartphones aufgeführt und soll laut Medienberichten ab Donnerstag heruntergeladen werden können, aber nicht in Deutschland und der EU.
Warum gibt es Threads noch nicht in Deutschland?
Threads ist seit 6. Juli in den USA sowie über 100 weiteren Ländern verfügbar - aber nicht in der Europäischen Union. Der Konzern verweist auf offene Fragen bei der Regulierung. Instagram-Chef Adam Mosseri deutete in Interviews an, dass vor allem das im kommenden Jahr greifende neue EU-Regelwerk mit dem Digital Markets Act und dem Digital Services Act eine Hürde gewesen sei. Die Gesetze enthalten strikte Anforderungen an große Online-Plattformen. Mosseri verteidigte im Branchenblog „Platformer“ die Entscheidung, ohne Nutzer in Deutschland und anderen EU-Ländern zu starten. Man habe vor der Wahl gestanden, sie außen vor zu lassen oder „den Start um viele, viele, viele Monate zu verzögern“, sagte er. „Und ich war besorgt, dass sich das Fenster für uns schließt.“ Wann Threads auch hierzulande starten soll, sagte Mosseri nicht.
In Europa gibt es viel Kritik am Meta-Konzern, was die Entwicklung von Threads bremsen könnte. Im Fokus steht vor allem dessen Umgang mit persönlichen Daten. Erst diese Woche hatte der Europäische Gerichtshof dem Bundeskartellamt grünes Licht dafür gegeben, Meta wegen der Zusammenführung von Nutzerdaten seiner Dienste Facebook, Instagram und Whatsapp zu belangen.
Nach Informationen aus Insiderkreisen steht der noch ausstehende Start von Threads in Europa damit in Verbindung: Meta will sich demnach erst versichern, mit der Verknüpfung von Threads mit Instagram kein EU-Recht zu brechen.
Wieviele Nutzer hat Threads schon?
Die Twitter-Kopie des Facebook-Konzerns Meta kommt schon nach kurzer Zeit auf mehr als zehn Millionen Nutzer. Die App Threads habe die Marke sieben Stunden nach dem Start geknackt, schrieb Meta-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag.
Instagram-Nutzer können für Threads einfach ihr Profil bei der Foto-App übernehmen. Text-Beiträge bei Threads können bis zu 500 Zeichen lang sein und Links, Fotos sowie bis zu fünf Minuten lange Videos enthalten. Beim 2006 gestarteten Twitter lag die Text-Grenze ursprünglich bei 140 Zeichen und wurde später auf 280 Zeichen verdoppelt.
Elon Musk droht mit Klage gegen Threads
Twitter-Besitzer Elon Musk hat dem Facebook-Mutterkonzern Meta wegen dessen neuer Plattform Threads eine Klage angedroht. In einem am Donnerstag von der Website „Semafor“ veröffentlichten Brief schreibt Musk-Anwalt Alex Spiro an Meta-Chef Mark Zuckerberg, Meta habe „rechtswidrig Betriebsgeheimnisse und anderes geistiges Eigentum“ von Twitter veruntreut.
So habe Meta zahlreiche frühere Twitter-Mitarbeiter eingestellt, die nach wie vor Zugang zu „Betriebsgeheimnissen und anderen höchst vertraulichen Informationen“ von Twitter gehabt hätten. Diese Mitarbeiter seien gezielt eingesetzt worden, um binnen Monaten in Konkurrenz zu Twitter eine Nachahme-App zu erstellen. Spiro droht, Musks Unternehmen behalte sich alle Rechte zum Schutz seines geistigen Eigentums vor, einschließlich juristischer Mittel.
(mit Material von dpa und AFP)
