Test deckt auf
: So gefährlich sind Produkte von Shein und Temu

Von unsicherem Spielzeug über zu heiße Ladegeräte bis hin zu Schwer­metallen im Schmuck. Stiftung Warentest hat 162 Produkte von Temu und Shein getestet. 110 erfüllten nicht die EU-Stan­dards.
Von
Theresa Thiem
Berlin
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Die Apps der Internethändler Temu und Shein auf einem Smartphone: ILLUSTRATION - Zwei Drittel der getesteten Produkte von Temu und Shein erfüllen laut Stiftung Warentest keine EU-Sicherheitsstandards: Ein Viertel gilt sogar als potenziell gefährlich. (zu dpa: «Stiftung Warentest: Gefährliche Produkte bei Shein und Temu») Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Zwei Drittel der getesteten Produkte von Temu und Shein erfüllen laut Stiftung Warentest nicht die EU-Sicherheitsstandards.

Oliver Berg/dpa

Bei einem von Stiftung Warentest durchgeführten Test wurden 162 Produkte von Temu und Shein genauer untersucht. Dabei erfüllten 110 dieser Produkte nicht die EU-Standards.

Temu und Shein um Test: Über zwei Drittel der Produkte fallen durch

Über zwei Drittel der getesteten Temu- und Shein-Produkte entsprechen nicht den Sicherheitsanforderungen der Europäischen Union. Im Test waren 54 Halsketten, 54 USB-Ladegeräte sowie 54 Kinderspielzeuge für Kinder unter drei Jahren. Ungefähr ein Viertel aller getesteten Produkte wurde von Stiftung Warentest als potenziell gefährlich eingestuft. Die anonymen Einkäufer von Stiftung Warentest bestellten bei Temu und Shein jeweils 27 Halsketten, 27 Spielzeuge und 27 USB-Ladegeräte und prüften die Artikel anschließend im Labor auf Schadstoffe, korrekte Kennzeichnungen und elektrische sowie mechanische Sicherheit.

Getesteter Schmuck von Temu und Shein: Giftiges Schwermetall

49 der 54 getesteten Halsketten bestanden den Schadstofftest. Fünf der Halsketten fielen jedoch durch, und zwar mit jeweils sehr hohen Schadstoffanteilen. Alle Kettenbestandteile aus Metall wiesen die giftigen Schwermetalle Cadmium und Blei auf. Auch die Nickellässigkeit, wobei getestet wird, wie viel Nickel bei längerem Hautkontakt freigesetzt wird, wurde geprüft. Während der Bleigehalt in allen fünf schadstoffbelasteten Ketten unbedenklich war, wiesen zwei Ketten eine zu hohe Nickellässigkeit auf und drei Ketten von Shein enthielten eine gefährliche Menge an Cadmium. Der Schadstoff steckte bei allen drei Halsketten im Anhänger.

Cadmium kann zum einen Knochen- sowie Nierenschäden verursachen und gilt zum anderen als krebserzeugend. Der in der EU zulässige Cadmium-Grenzwert in Schmuck liegt bei 0,01 Prozent des Gewichts des Schmuckstücks. In zwei der drei Ketten von Shein mit zu hohem Cadmium-Gehalt lag der Anteil jedoch bei über 85 Prozent des Kettengewichts und sprengt damit den Grenzwert um das 8500-Fache. Die dritte Kette enthielt laut Stiftung Warentest nicht ganz so viel Cadmium, überschritt den Grenzwert aber dennoch mit einem Wert von zehnmal so viel Cadmium wie in der EU erlaubt. Besonders gefährlich ist Cadmium dann, wenn man es in den Mund nimmt, daran lutscht oder es verschluckt.

Getestetes Baby-Spielzeug von Temu und Shein: Zu viel Form­aldehyd

Bei manchen getesteten Spielzeugen für Kinder unter drei Jahren fehlte beispielsweise nur das CE-Zeichen, andere bestanden aus Kleinteilen und hatten Aufkleber, die leicht abgingen und sich deshalb leicht verschlucken lassen. Bei einem Bälle-Set von Shein waren vier Quietschbälle mit 115 Dezibel zu laut, da maximal 110 Dezibel erlaubt sind. Zum Vergleich: Eine dicht befahrene Hauptverkehrsstraße lärmt mit 85 Dezibel.

Eine Spielzeug-Tücherbox von Temu enthielt zu viel Formaldehyd - das ist eine Chemikalie, die Textilien zugesetzt wird, damit der Stoff weniger knittert. Formaldehyd ist zwar in geringer Konzentration erlaubt, kann bei erhöhtem Gehalt aber zu Kontaktallergien führen. Der EU-Grenzwert für Kinder unter drei Jahren liegt bei 30 Milligramm je Kilogramm des Materialgewichts. In den Tüchern fand Stiftung Warentest jedoch 143 Milligramm Form­aldehyd je Kilogramm Materialgewicht.

Getestete Ladegeräte von Temu und Shein: Zu heiß

Bei den getesteten Ladegeräten ist die größte Anzahl durchgefallen. Hier entsprachen 52 der 54 getesteten Netzteile nicht den EU-Standards. Bei den Ladegeräten von Shein gibt es insbesondere mit der elektrischen Sicherheit Probleme. Zehn der 27 Shein-Geräte und vier der 27 Temu-Geräte wurden beim normalen Aufladen mit einer Temperatur von bis zu 88 Grad Celsius zu heiß. Der EU-Grenzwert liegt bei maximal 77 Grad. Im schlimmsten Fall können zu hohe Temperaturen eines Ladegeräts zum Brand führen. Hinzu kommt, dass der Falltest 30 Ladegeräte so beschädigte, dass sie danach nicht mehr in eine Steckdose passten.

Temu und Shein: Reaktion auf Testergebnisse

Stiftung Warentest schreibt im Bericht, dass Temu und Shein mit den gefährlichsten Produkten konfrontiert wurden, woraufhin sich beide Anbieter bei ihnen meldeten. Jegliche kritische Artikel wurden daraufhin in nur wenigen Tagen von den Plattformen genommen. Zudem schrieb Shein Käufern und Käuferinnen der problematischen Halsketten, Kinderspielzeuge sowie USB-Ladegeräte per E-Mail, dass es sich um illegale Produkte handelt, die nicht verwendet werden sollten.