Tanken
: Wann sinken die Spritpreise?

Die Ölpreise geben nach der Waffenruhe im Nahen Osten spürbar nach. An den Tankstellen kommt davon bislang wenig an.
Von
Katrin Jokic
Berlin
Jetzt in der App anhören
Spritpreise: ARCHIV - 18.03.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Graal-Müritz: An einer Zapfsäule an einer Tankstelle hängen die Tankschläuche der Kraftstoffe Superbenzin (l-r), Super E10 und Diesel. (zu dpa: «Spritpreise auf Rekordjagd: Neue 12 Uhr-Regel verpufft») Foto: Philip Dulian/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

An einer Zapfsäule an einer Tankstelle hängen die Tankschläuche der Kraftstoffe Superbenzin (l-r), Super E10 und Diesel.

Philip Dulian/dpa

Die Entwicklung am Ölmarkt sorgt zunächst für Hoffnung: Nach der vereinbarten Feuerpause zwischen den USA und dem Iran sind die Preise für Rohöl deutlich gesunken. Teilweise ging es um rund 15 Prozent nach unten, ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet wieder weniger als 100 Dollar. Damit wäre die zentrale Voraussetzung für sinkende Spritpreise eigentlich gegeben.

Doch eine unmittelbare Entlastung für Autofahrer ist nicht zu erwarten.

Warum die Preise an der Tankstelle träge reagieren

Der Weg vom Rohöl bis zur Zapfsäule ist lang. Zwischen Förderung und Verkauf liegen mehrere Stufen – vom Einkauf über die Verarbeitung in Raffinerien bis hin zum Großhandel und den Tankstellen. Preisbewegungen werden entlang dieser Kette nicht gleichzeitig weitergegeben.

Ein weiterer Faktor ist ein bekanntes Phänomen am Kraftstoffmarkt: der „Rakete-und-Feder-Effekt“.

  • Steigende Kosten schlagen schnell auf die Preise durch.
  • Sinkende Kosten werden hingegen nur langsam weitergegeben.

Diese Asymmetrie zeigt sich auch jetzt: Während die Preise zu Beginn des Konflikts sehr schnell anzogen, dürfte der Rückgang deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Wann könnten die Preise sinken?

Ein konkreter Zeitpunkt lässt sich nicht seriös benennen. Stattdessen lassen sich nur mögliche Entwicklungen skizzieren:

Kurzfristig (in den nächsten Tagen): Leichte Preisanpassungen sind möglich, wenn Tankstellen schnell auf die gesunkenen Ölpreise reagieren.

Mittelfristig (innerhalb von ein bis zwei Wochen): Sollte sich das niedrigere Preisniveau am Ölmarkt stabilisieren, könnten Autofahrer spürbarer entlastet werden.

Unsicheres Szenario: Hält die Waffenruhe nicht oder eskaliert die Lage erneut, könnte sich der Trend schnell wieder umkehren.

Die Unsicherheit bleibt hoch, weil die Vereinbarung zunächst zeitlich begrenzt ist und weitere Gespräche noch ausstehen.

Welche Faktoren jetzt entscheidend sind

Ob die Preise tatsächlich sinken, hängt von mehreren Einflussgrößen ab:

  • Dauerhafte Stabilität im Nahen Osten
  • Freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus
  • Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses
  • Preisgestaltung im Großhandel
  • Wettbewerb zwischen Tankstellenbetreibern

Erst wenn mehrere dieser Faktoren zusammenwirken, wird sich das auch deutlich an der Zapfsäule bemerkbar machen.

Fazit

Der Rückgang der Ölpreise ist ein positives Signal, reicht allein aber nicht aus, um kurzfristig für günstigere Spritpreise zu sorgen.

Wenn sich die Lage weiter entspannt, sind in den kommenden Tagen oder Wochen moderate Preisrückgänge möglich. Eine schnelle und deutliche Entlastung ist jedoch eher nicht zu erwarten.

Der Trend zeigt nach unten, aber wie so oft beim Tanken erfolgt dieser Prozess deutlich langsamer als der vorherige Preisanstieg.