Welt Tag des Kusses: Andere Länder, andere Küsse

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Welt / CAROLINE BOCK, DPA 03.07.2018
Drei Wangenküsse, gleich beim ersten Date - oder lieber gar nicht? Beim Lippenkontakt gilt: Andere Länder, andere Küsse. Zum "Tag des Kusses" am 6. Juli hier eine Übersicht über Bräuche und Gepflogenheiten weltweit.

Der Wangenkuss zur Begrüßung ist Amerikanern ein Graus. Allein die Vorstellung, die Lippen von Freunden, Bekannten oder gar Fremden auf der Haut zu spüren, löst ein entschlossenes Ausweichmanöver aus. Der Liebeskuss dagegen ist nicht nur das Markenzeichen von Hollywood-Filmen, sondern gang und gäbe. Kuss-Bräuche rund um den Globus zum „Tag des Kusses“ am 6.Juli:

Brasilien

Im WM-Land sind die Bräuche unterschiedlich. In Rio de Janeiro werden die Damen zur Begrüßung gleich zweimal (linke Wange, rechte Wange) geküsst. In São Paulo dagegen nur einmal. Zur Verabschiedung am Telefon sagt man gerne "Beijo" oder "Beijinho" (Küsschen), was der Gesprächspartner dann mit "Dois" (also: zwei zurück) verdoppelt. Frischverliebte werden auf Parkbänken, am Strand oder vor dem Haus der Angebeteten leidenschaftlich knutschend angetroffen, was Passanten gerne mit dem wohlwollenden Kommentar begleiten: „Lasst noch was übrig für morgen!“

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China

Küssen in der Öffentlichkeit konnte Paaren noch in den 70er und 80er Jahren Probleme mit der Polizei einbringen. Wer erwischt wurde, konnte für „unmoralisches Verhalten“ zu Erziehungskursen verdonnert oder sogar zu Haftstrafen verurteilt werden. Erst 1997 schaffte China das entsprechende Gesetz ab. Mit dem rasanten Wirtschaftswachstum änderte sich viel: In Metropolen wie Peking und Shanghai sind küssende Paare normal.

Thailand

In dem Urlaubsland mit seinen Lady-Boy-Shows geht alles, meinen Besucher. Aber die Gesellschaft ist konservativ. Bei der Begrüßung ist Anfassen tabu, erst recht Wangenküsschen. Thailänder verneigen sich mit einem „Wai“. Das ist der buddhistische Gruß, mit den Händen vor der Brust, den immer mehr Hollywood-Größen schätzen.

Indien

Im Land des Kamasutra werden öffentlich keine Küsse ausgetauscht. Sogar in der Bollywood-Filmwelt waren sie bis vor wenigen Jahren so ungewöhnlich, dass Schauspieler wegen eines Leinwandkusses wochenlang in den Schlagzeilen blieben. Oft wurden die Liebenden ganz kurz, ehe sich die Lippen berührten, durch einen Schirm verdeckt. Oder die Kamera drehte ab und filmte zwei sich zuneigende Blumen. Wenn sich junge Menschen küssen wollen, fehlt ihnen oft der Ort dazu: Sie leben meist bis zur Heirat in der Familie. Hotels fordern einen Heiratsnachweis. Bleiben nur die Parks.

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Neuseeland

Die Maoris, die Ureinwohner, pressen zur Begrüßung Stirn und Nase zusammen. „Hongi“ heißt der Gruß und ist recht intim: Die Idee ist, den Atem auszutauschen, damit sich die Seelen treffen. Tipp für Unbedarfte: Zähneputzen und Mundwasser - „für sympathischen Atem“.

Afrikanische Länder

Anders als in den meisten afrikanischen Ländern küssen sich die Äthiopier zur Begrüßung mindestens dreimal auf die Wangen. Je nachdem, wie innig die Beziehung ist, können es auch zehn oder mehr Küsschen werden. Küsse auf den Mund sind in der Öffentlichkeit eher verpönt. Jedoch haben die Äthiopier bei Ausländern kein Problem damit. Ähnliches gilt für Kenia, Ghana oder Uganda, wo Zärtlichkeiten sonst nicht gern gesehen sind.

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Afghanistan/Pakistan/Iran

In den streng islamischen Staaten ist öffentliches Küssen völlig ausgeschlossen. Männer umarmen sich häufig gegenseitig zur Begrüßung und Verabschiedung, Männer und Frauen schütteln sich dagegen meist nicht einmal die Hand, von Küssen ganz zu schweigen.

Russland

Vom ausdauernden Liebeskuss auf der Straße bis zum slawischen oder sozialistischen Bruderkuss, der auch nach dem Tod von DDR-Staatschef Erich Honecker und Kremlchef Leonid Breschnew nicht ausgestorben ist, gibt es die ganze Bandbreite. Unter Freunden beliebt sind zur Begrüßung dreifache Wangenküsse. Viele russische Männer hauchen Frauen auch einen Kuss auf den Handrücken. In besonders ausgelassenen Runden nach Wodkagelagen sind zum Abschied auch Schmatzer auf den Mund üblich

Skandinavien

Küsschen auf die Wange zur Begrüßung verteilen die Nordeuropäer im Gegensatz zu den Südeuropäern eher zögerlich - sie wissen nicht so richtig, wie sie es anstellen sollen. Das Wangenküsschen wird zumindest in Schweden gerade üblicher.

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Österreich

Ist berühmt für den formvollendeten Handkuss. Noch heute ist er gebräuchlich, besonders während der Wiener Ballsaison. Bei der korrekten Ausführung hebt der Herr die Hand der Dame leicht an, beugt sich darüber und berührt den Handrücken vorsichtig mit den Lippen.

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Deutschland

Knutschen in der U-Bahn oder im Kino, das dürfen junge Paare und Verliebte nach Herzenslust, wobei das nicht alle Augenzeugen gerne sehen. Bei Begrüßungsbussis ist Deutschland eher zaghaft. Wangenküsse sind zwar üblich, man ist ja südländisch locker. Aber es gibt kaum Etiketten. Wie oft? Wohin genau? Die Folge: Der Küsser bleibt in der Luft hängen, wenn der Empfänger bereits mit der Begrüßung abgeschlossen hat.

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„Energiespritze“ für den Körper

Gesundheit Das Küssen ist Wissenschaftlern zufolge wie eine „Energiespritze“, die das Immunsystem stärkt und Stress abbaut. Die Atemfrequenz steigt, der Pulsschlag wird erhöht, der Kreislauf und der Stoffwechsel kommen in Schwung. Auch beim Thema Falten haben eifrige Küsser einen Vorteil: Denn sie trainieren im Gegensatz zu Kuss-Muffeln die mehr als 30 Gesichtsmuskeln zugleich und straffen damit ihre Haut - die Durchblutung wird angeregt. Immer wieder wird auch darauf hingewiesen, dass Menschen beim - allerdings nur intensiven - Küssen angeblich ein paar zusätzliche Kalorien verbrennen.

Hygiene Manche Mediziner warnen, dass beim Küssen mit dem Speichel Viren und Bakterien übertragen werden können. Ein britisch-amerikanisches Forscherteam hat aber herausgearbeitet, dass der Handkontakt bei der Übertragung von Erregern die größte Rolle spielt - noch mehr als das Küssen.

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