Den Ansturm bei der Super Bowl Opening Night meisterte Katie Sowers mit bemerkenswerter Lässigkeit. Massenhaft scharten sich Reporter um die Attraktion, die beim NFL-Spektakel in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr MEZ/ProSieben und DAZN) Historisches vollbringt.

In einer Machowelt, in der Frauen ewig nur leicht bekleidet als Cheerleader oder Halbzeit-Showact ihr Geld verdienten, zieht die 33-Jährige als erste Trainerin im Super Bowl mit die Fäden. Noch dazu ist die Assistenztrainerin der Offensive der San Francisco 49ers offen homosexuell - ebenfalls ein Novum in der NFL-Historie.

Sie weiß das, und sie kann hervorragend damit umgehen. "Ich wollte schon immer etwas schaffen, was zuvor noch niemandem gelungen ist, und wirklich eine Wegbereiterin sein", diktierte Sowers den Football-Reportern vor dem großen Finale gegen die Kansas City Chiefs in Miami in die Blöcke.

Katie Sowers: Testimonial in Microsofts Super-Bowl-Werbespot

Das hat sie geschafft - und avancierte in den USA sogar zum Testimonial für Microsoft. "Es braucht nur eine, und es öffnet sich die Tür für so viele", sagt die Frau mit dem markanten Undercut in dem Clip. Und "die eine" bringt ihre Kollegen geradezu ins Schwärmen.

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"Sie hat einen verdammt guten Job gemacht", lobte etwa 49ers-Headcoach Kyle Shanahan, der Sowers 2017 mit von den Atlanta Falcons nach San Francisco brachte. "Sie macht den Jungs ordentlich Dampf", befindet Niners-Quarterback Jimmy Garoppolo. Und: "Sie ist lässig, das brauchen wir. Gerade in diesem chaotischen, stressigen Business", sagte Receiver Emmanuel Sanders.

Katie Sowers steiniger Weg in den Super Bowl

Der Weg in dieses Business allerdings war steinig. In der Kleinstadt Hesston im Bundesstaat Kansas spielte der Fan der Dallas Cowboys in jungen Jahren mit Zwillingsschwester Liz selbst Football, mit den Jungs natürlich. In der schulischen Laufbahn entwickelte sie sich mangels Football-Chancen für Mädchen zum sportlichen Multitalent, machte Leichtathletik, spielte Fußball, Softball, Volleyball, Basketball.

Doch als sie nach ihrem Abschluss am mennonitischen Goshen College unbezahlt im Basketball-Trainerstab anfangen wollte, um ihre Coaching-Karriere zu starten, brach ihr ihr Ex-Coach das Herz. Denn eine Lesbe, so die Absage, könne nicht im Staff anheuern, das ginge den Eltern schlichtweg zu weit.

Katie Sowers hatte einen steinigen Weg zurückzulegen, bis sie als Coach in der NFL ankam und nun mit San Francisco im Super Bowl steht.
Katie Sowers hatte einen steinigen Weg zurückzulegen, bis sie als Coach in der NFL ankam und nun mit San Francisco im Super Bowl steht.
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Katie Sowers ist inspiriert von NBA-Coach Becky Hammon

Im Rückblick mutet es beinahe ironisch an, dass dieser schlimme Moment vielleicht das Beste war, das Sowers passieren konnte. Sie fand zurück zum Football, spielte selbst in der Women's Football Alliance und dem US-Nationalteam, coachte nebenher ein Mädchen-Basketball-Team. Einer der Väter: Scott Pioli, damals in der NFL Manager der Chiefs auf dem Sprung zu den Atlanta Falcons.

Er öffnete 2016 mithilfe eines Diversity-Stipendiums die Tür, und Sowers marschierte durch - inspiriert von Becky Hammon, die 2014 als erste hauptamtliche Co-Trainerin in der NBA für Schlagzeilen gesorgt hatte. Auch Sowers nimmt die Rolle als Vorbild für junge Mädchen und Frauen an - und strebt nach mehr: Sie möchte Cheftrainerin werden, dann eine Position im Management übernehmen.

Und nebenbei die Welt verändern. "Die Publicity als erste Frau ist wichtig für die Sichtbarkeit", sagte Sowers. "Aber am wichtigsten ist, dass ich nicht die Letzte bin."