Sturm Deutschland aktuell
: Bahn stellt Zug-Verkehr in Norddeutschland ein – hunderte Feuerwehr-Einsätze

Am Wochenende ist es in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 30.01.22, stürmisch zugegangen. Der Orkan „Nadia“ führte zu Schäden und Zugausfällen. Was ist passiert?
Von
Laura Mensch
Offenbach
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Sturmtief „Nadia“ in Hamburg: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt immer noch vor Stürmen am Wochenende.

Daniel Bockwoldt/dpa
  • In Deutschland und vielen Teilen Europas geht es stürmisch zu
  • Grund ist ein Sturm, der aktuell durch Norddeutschland fegt
  • In Dänemark werden erste Schäden berichtet
  • In Schottland sind mindestens zwei Personen gestorben, darunter ein Kind
  • Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr in den nördlichen Bundesländern ein
  • Am Abend wurde die Sturmflut-Warnung für die Nordsee verschärft
  • Alle Updates zum Sturm in Deutschland hier

Die Bahn hat den Fernverkehr in den nördlichen Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen für etwa 50 Minuten eingestellt, mittlerweile sei er aber wieder angelaufen, sagte ein Bahnsprecher am Samstagabend in Berlin. Als Grund nannte er Sturmschäden. Betroffen sind den Angaben zufolge insbesondere die ICE-Strecken zwischen Hamburg und Bremen sowie zwischen Hamburg und Berlin. Dort komme es auch weiterhin zu großen Beeinträchtigungen, sagte der Sprecher weiter.

Im Regionalverkehr gibt es der Bahn zufolge ebenfalls Zugausfälle und Verspätungen. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt über die Webseite, die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt.

Der Sturm im Norden Deutschlands hat bereits zu den ersten Einsätzen der Feuerwehr geführt. In Schleswig-Holstein waren die ersten Folgen des Sturmtiefs bereits am Samstagmittag spürbar. Das Sturmtief über der Nordsee beschert auch der Feuerwehr in Niedersachsen und Bremen seit Samstagnachmittag viele Einsätze. Im Kreis Aurich in Ostfriesland wurde die Feuerwehr bereits 16 Mal zu Hilfe gerufen, weil Bäume oder Bauzäune umgestürzt seien. Das sagte ein Sprecher in Aurich. Personen seien nicht zu Schaden gekommen.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag (30.01.22) soll es besonders ungemütlich werden. Der Orkan könnte laut Experten Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreichen. „Der Höhepunkt des Sturms wird in der kommenden Nacht zum Sonntag erwartet“, sagte ein DWD-Meteorologe der Deutschen Presseagentur.

Hunderte Sturm-Einsätze in Brandenburg – ein Mann tödlich verletzt

 Sturmtief „Nadja“ zieht über Brandenburg und hält die Feuerwehren im ganzen Land auf Trab. In Beelitz wird ein Fußgänger von einem umstürzenden Wahlplakat tödlich getroffen: Mit teils orkanartigen Böen ist der Sturm in der Nacht zum Sonntag auch über Brandenburg gezogen. Die Leitstellen der Feuerwehren berichteten von Hunderten Einsätzen vor allem wegen umgestürzter Bäume oder abgedeckter Hausdächer. In Beelitz (Potsdam-Mittelmark) wurde ein Fußgänger durch ein umstürzendes Wahlplakat tödlich verletzt.

Der Mann sei wenig später gestorben, sagte ein Sprecher des Polizei-Lagedienstes am Sonntag. Das Plakat sei am Samstagabend kurz nach 22.00 Uhr nach einer starken Windböe auf den Mann gefallen, berichtete der Lagedienst. Weitere Verletzte habe es aber nicht gegeben. Die „B.Z.“ (Online) hatte zuerst über den tödlichen Unfall berichtet.

Sturm in Norddeutschland: Sturmflut-Warnung verschärft

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat seine Sturmflut-Warnung verschärft. Für die deutsche Nordseeküste bestehe nun die Gefahr einer schweren Sturmflut, teilte das BSH am Samstagabend mit. Die Wasserstände im Hamburger Elbgebiet könnten 2,5 bis 3 Meter höher sein als das mittlere Hochwasser. Der Scheitelpunkt soll am Sonntagmorgen gegen 1.50 Uhr erreicht werden. Auch für Ost- und Nordfriesland bestehe den Angaben nach eine Warnung vor einer schweren Sturmflut.

Zuvor hatten die BSH-Experten an der Elbe in Hamburg mit Wasserständen von 2 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser gerechnet. An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen.

Wetter Warnung DWD: Sturm am Wochenende des 29./30. Januar

Der für das Wochenende vorhergesagte Sturm trifft nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) voraussichtlich in der Nacht zum Sonntag auf Deutschland. Vor allem an der Nord- und Ostsee sowie auf den Gipfeln der nördlichen Mittelgebirge kann er Orkanstärke mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde erreichen. „Das wird das große Thema in den nächsten Tagen“, sagte ein DWD-Meteorologe am Freitag in Offenbach.

Wo wird es am Wochenende stürmisch?

Demnach ziehen die ersten Vorboten des Sturmtiefs bereits im Laufe des Samstags über die Küste hinweg südostwärts. Zunächst könnte es an der Nord- und Ostsee sowie auf den Gipfeln der nördlichen Mittelgebirge extrem windig werden. Entsprechend nimmt der Wind bis weit ins Binnenland hinein stetig zu. Dort erwartet der DWD Windstärke 11 mit Geschwindigkeiten von 80 bis 110 Kilometern pro Stunde. Über den rund 1140 Meter hohen Brocken im Harz fegt der Orkan den Angaben zufolge sogar mit 130 bis 140 Kilometern pro Stunde.

Wie der DWD mitteilte, verstärken sich die Winde vielerorts in Niedersachsen im Laufe des Abends und können an den Küsten Geschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometer pro Stunde erreichen. Vereinzelt seien in Schleswig-Holstein und an exponierten Abschnitten der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern auch Orkanböen der Windstärke zwölf mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde nicht ausgeschlossen.

Züge fallen aus: Ausfälle bei der Bahn bereits am Freitag in Brocken

Auch auf dem Brocken im Harz rechnet der DWD mit schweren Sturmböen bis 100 Stundenkilometer - bis Sonntagnachmittag sind auf dem 1141 hohen Gipfel auch Orkanböen möglich. Für die Brockenbahn ist daher am Bahnhof Schierke Endstation. Die Züge fahren nicht bis zum Brockenbahnhof weiter, teilten die Harzer Schmalspurbahnen am Samstag mit. Auch für Sonntag werden Störungen erwartet. Der DWD gab auch eine Unwetterwarnung für den Erzgebirgskreis in Sachsen heraus. Auf dem 1215 Meter hohen Fichtelberg könnte es in der Nacht zum Sonntag Orkanböen geben.

DWD-Sturmwarnung am 29./30.01.22 auch für Berlin und Brandenburg – mit Regen und Schnee

Die Berliner und Brandenburger müssen sich ebenfalls auf ein stürmisches Wochenende einstellen. Am Samstagnachmittag und Abend sollte es vermehrt zu stürmischen Böen, in der Uckermark sogar vereinzelt zu orkanartigen Böen kommen. In der Nacht zum Sonntag sei mit schweren Sturmböen zu rechnen, warnte der DWD. Auch in Nordrhein-Westfalen erwarten die Menschen Regen, Schneeschauer und teils stürmische Böen.

Laut DWD lässt der Wind am Sonntag im Tagesverlauf nach, der Tag verlaufe dann überwiegend recht freundlich – bei Höchsttemperaturen zwischen vier und acht Grad. „In der Nacht zum Montag und am Montag droht dann neues Ungemach“, so der Meteorologe. Ein Tief sorge für Regen und Schnee oberhalb von 200 bis 400 Metern im ganzen Land. Dazu wehe vor allem im Westen und Südwesten stürmischer Wind. Das wechselhafte und sehr windige Wetter ändere sich auch in den kommenden Tagen nicht.

Orkan in Dänemark: Pflegebedürftige werden verlegt

Dänemark bereitet sich auf Sturm „Malik“ vor. In Frederikssund wurden 20 Menschen, die auf tägliche Pflege angewiesen sind, vorsichtshalber an sichere Orte gebracht, berichtete der Sender TV2 am Samstag. Falls es zu Überflutungen komme, könne eine Versorgung dieser Menschen nicht sichergestellt werden, hieß es zur Begründung. Auf der Insel Seeland, auf der auch die Hauptstadt Kopenhagen liegt, wurde nach Angaben des Senders DR fast der gesamte regionale Zugverkehr vorsorglich eingestellt. Landesweit stünden 10 000 Rettungskräfte bereit, meldete die Agentur Ritzau.

„Malik“ wurde am Samstag in Dänemark erwartet. Auch in anderen Gegenden Europas wurde vor Sturmfolgen gewarnt. An der schottischen Ostküste bei Aberdeen wurden Windgeschwindigkeiten von fast 140 Kilometern pro Stunde gemessen. Der Wetterdienst taufte den Sturm hier „Corrie“. Sicherheitshalber wurden zwei Erstliga-Fußballspiele abgesagt.

Sturm Malik in Schottland: Zwei Todesopfer

In Großbritannien sind mindestens zwei Menschen durch Sturm „Malik“ ums Leben gekommen. Ein neunjähriger Junge wurde am Samstag im mittelenglischen Dorf Winnothdale getötet, als ein Baum auf ihn stürzte. Ein Mann, der mit ihm unterwegs war, wurde schwer verletzt. In der ostschottischen Küstenstadt Aberdeen wurde eine 60-jährige Frau von einem herabstürzenden Baum erschlagen, wie die Polizei in dem britischen Landesteil am Samstag mitteilte. In der Gegend wurden Windgeschwindigkeiten von fast 140 Kilometern pro Stunde gemessen. Landesweit waren vorübergehend mehr als 130 000 Wohnungen und Geschäfte ohne Strom, weil Leitungen gekappt wurden.

Schäden und Ausfälle durch Sturmtief „Nadia“

Verspätete Züge, umgestürzte Bäume, umherfliegende Gegenstände und eingestellte Fährverbindungen: Das Sturmtief „Nadia“ hat am Samstag und in der Nacht zum Sonntag zum Teil orkanartige Böen und eine Sturmflut nach Norddeutschland gebracht. Feuerwehren und die Polizei mussten Hunderte Male ausrücken. Eine Verschnaufpause gibt es nicht: Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge soll der Sturm noch bis Sonntagvormittag andauern. Und das Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt bereits vor der nächste Sturmflut.

Allein in Hamburg habe es bislang rund 300 Unwetter-Einsätze gegeben, sagte ein Polizeisprecher am frühen Sonntagmorgen. Zuvor hatte eine schwere Sturmflut den Fischmarkt im Stadtteil St. Pauli unter Wasser gesetzt. Der Scheitel wurde nach BSH-Angaben gegen 0.17 Uhr erreicht. Der Wasserstand lag 2,84 Metern über dem mittleren Hochwasser, wie eine Sprecherin mitteilte. Das BSH hatte in Hamburg mit Wasserständen von bis zu 3 Metern über dem mittleren Hochwasser gerechnet. Wie ein dpa-Fotograf berichtete, zog es Hunderte Schaulustige zum Fischmarkt. Durch die Überflutungen wurden demnach mehrere Autos beschädigt.

In der Nacht zum Sonntag gab es nach Angaben des BSH auch an anderen Küstenabschnitten eine Sturmflut. „Zwar nicht überall eine schwere Sturmflut wie in Hamburg“, sagte die Sprecherin. Es sei aber die gesamte deutsche Nordseeküste betroffen gewesen. In Bremerhaven habe der Scheitelwert beispielsweise bei 2,14 Metern über dem mittleren Hochwasser gelegen.

In Hamburg und auf der Nordsee kam es außerdem zu zwei Vorfällen mit Schiffen: Im Hamburger Hafen fuhr sich ein Binnenschiff unter einer Brücke fest. Das Schiff sei beim Durchfahren mit dem Steuerhaus an der Freihafenelbbrücke hängengeblieben und habe sich verklemmt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es ersten Erkenntnissen zufolge nicht. An Bord des Schiffes befanden sich demnach zwei Menschen. Die Unfallursache war zunächst unklar. Es sei möglich, dass sich der Kapitän wegen des steigenden Wasserstandes der Elbe verschätzt habe.

Der zweite Vorfall ereignete sich 16 Seemeilen (ca. 30 Kilometer) vor der ostfriesischen Küste. Dort trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die 190 Meter lange „Vienna“ hatte wegen des Sturms erkennbar Probleme zu manövrieren, wie ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven am Sonntagmorgen mitteilte. Die Maschine sei zu schwach gewesen, um das Schiff gegen Wind und Wellen zu halten. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Der Frachter sei nach etwa sechs Stunden gesichert worden.

Zu weiteren Einsätzen kam es etwa auch in Schleswig-Holsteins. Allein im Norden des Landes mussten die Feuerwehren etwa 120 Mal ausrücken. Das sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle, die unter anderem für Flensburg, Schleswig und Husum zuständig ist.

Die Feuerwehr in Bremen war nach Angaben eines Sprechers in der Nacht mehr als 40 Mal im Einsatz. Im Kreis Aurich in Ostfriesland wurde die Feuerwehr rund 25 Mal zu Hilfe gerufen.

Der Sturm bescherte auch Feuerwehr und Polizei in Mecklenburg- Vorpommern viele Einsätze. In Schwerin und Umgebung sei man knapp 200 Mal ausgerückt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch in Stralsund berichtete das Lagezentrum, dass man alle Hände voll zu tun habe.

Züge und Bahnen: Ausfälle durch Sturm am Wochenende

Wegen Sturmschäden kam es in Norddeutschland außerdem zu massiven Problemen im Bahnverkehr. Am frühen Samstagabend stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen für etwa 50 Minuten ein. Betroffen waren insbesondere die ICE-Strecken zwischen Hamburg und Bremen sowie zwischen Hamburg und Berlin. Dort komme es auch weiterhin zu großen Beeinträchtigungen, wie ein Sprecher sagte

Im Regionalverkehr gibt es laut Bahn ebenfalls Zugausfälle und Verspätungen. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt über die Webseite, die App oder telefonisch informieren, ob ihr Zug wie geplant fährt. Wann die Züge wieder wie geplant fahren, hänge vom weiteren Verlauf des Sturms ab, sagte der Bahnsprecher.

Wegen der Unwetterwarnungen wurden auch zahlreiche Fährverbindungen am Wochenende gestrichen. An der Nordsee fielen alle Verbindungen der Hallig-Linie am Wochenende aus, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) mitteilte. Auch Verbindungen ab Föhr, Amrum und Dagebüll waren betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde der Fährverkehr auf der Ostsee zwischen Rostock und Gedser auf der dänischen Insel Falster eingeschränkt. Nach Angaben der Reederei Scandlines fielen mehrere Verbindungen von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen aus. Der reguläre Fahrplan solle am Sonntag wieder aufgenommen werden.

Sturm am Sonntag, 30.01. – Warnung des DWD dauert an

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Samstag vor Sturm bis hin zu Orkanböen gewarnt. Am Kieler Leuchtturm seien Windgeschwindigkeiten von bis zu 122,8, in Greifswald von bis zu 118,1 Stundenkilometern gemessen worden, sagte eine DWD-Sprecherin in der Nacht zum Sonntag. Die Warnlage im Norden soll noch bis Sonntagvormittag andauern. Es seien auch weiterhin einzelne Orkanböen möglich.

Nach BSH-Angaben droht den norddeutschen Ländern zudem bereits die nächste Sturmflut: Am Sonntag werden das Vormittag- beziehungsweise Nachmittag-Hochwasser an der deutschen Nordseeküste 1,5 bis 2 Meter und im Weser- und Elbgebiet 2 bis 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten. Für die Ostseeküste sei bis Sonntagmorgen noch die Niedrigwasserwarnung in Kraft. Die Experten erwarten aber, dass die Wasserstände im Verlauf des Tages bis zu 130 Zentimeter über den mittleren Wasserstand steigen.