Stromausfall soll Tage dauern: Zehntausende in Berlin ohne Strom und Heizung

«Aufgrund von Stromausfall geschlossen» steht auf einem Schild vor einem Supermarkt. Nach dem Brand einer Kabelbrücke ist im Südwesten Berlins für 50.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe der Strom ausgefallen.
Michael Kappeler/dpa- Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal führt zu Stromausfall im Südwesten Berlins.
- 50.000 Haushalte und 2.200 Betriebe ohne Strom, Heizung, Internet und Mobilfunk.
- Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung, Einsatz von Drohnentechnik geplant.
- Feuerwehr warnt vor gasbetriebenen Heizgeräten, Bewohner in Pflegeheimen werden verlegt.
- Stromausfall könnte laut Betreiber Stromnetz Berlin Tage andauern, Reparaturen laufen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kein Strom, keine Heizung, kein Internet, kein Mobilfunk – und dann zu allem Übel auch nichts zu Essen zu Hause: Eine Passantin steht am Samstagmorgen (03.01.2026) ratlos vor einem geschlossenen Aldi-Markt in Berlin-Lichterfelde. Seit dem frühen Morgen ist für gut 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe im Südwesten der Hauptstadt wegen des Brands an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal der Strom ausgefallen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung. Und wieder zeigt sich: Ohne Elektrizität läuft im Alltag wenig.
Der Stromausfall könnte nach Einschätzung von Stromnetz Berlin für viele der Zehntausenden Betroffenen bis nächsten Donnerstag dauern. Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen.
Die Ampeln sind ausgefallen, die Supermärkte geschlossen - nicht nur der Aldi am S-Bahnhof Sundgauer Straße, sondern auch die Märkte der Konkurrenz nebenan. Die Polizei ist mit Lautsprecherwagen unterwegs und informiert die Anwohner mit Ansagen. Ausgerechnet an diesem Morgen fällt Schnee in Berlin.
Alles dunkel
Am frühen Morgen fällt zunächst auf, wie dunkel es ohne Beleuchtung in Häusern und Straßen sein kann. Bei Tageslicht sieht dann alles fast idyllisch aus. Einige Passanten in Lichterfelde vertreiben sich die Zeit mit einer Schneeballschlacht. Aber für die meisten Betroffenen ist das alles kein Spaß.

Das Logo am Hauptsitz der Stromnetz Berlin GmbH. Nach dem Engpass im Stromnetz der Stadt Oranienburg hat Stromnetz Berlin eine solche Situation für die Hauptstadt ausgeschlossen.
Christoph Soeder/dpa„Aufgrund des Stromausfalls kann es auch zu Heizungsausfällen kommen“, schreibt die Polizei auf der Plattform X. „Prüfen Sie daher, ob Sie die Möglichkeit haben, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen. Nutzen Sie Mobiltelefone sparsam. Denken Sie an ältere oder hilfsbedürftige Personen und bieten Sie Hilfe an. Halten Sie für die Abendstunden Taschenlampen oder batteriebetriebene Leuchten bereit.“
Bewohner von Pflegeheimen ziehen um
Feuerwehr-Sprecher Vinzenz Kasch sagt, die Lage sei auch deswegen herausfordernd, weil mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser in dem Gebiet mit dem Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf lägen. Die Feuerwehr habe bereits Bewohner und Patienten von zwei Heimen in andere Heime verlegt. Nun werde geprüft, was noch nötig sei. Die ganze Lage sei sehr dynamisch.

Martin Stralau (l), Polizeisprecher der Berliner Polizei, gibt an der Brandstelle am Teltowkanal ein Pressestatement. Nach dem Brand einer Kabelbrücke ist im Südwesten Berlins für 50.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe der Strom ausgefallen.
Michael Ukas/dpaDie Feuerwehr warnt davor, nun gasbetriebene Heizgeräte in Innenräumen zu benutzen. Sollte das Telefonnetz gestört sein, könne man sich in einem Notfall um Hilfe an die nächste Feuerwache oder Polizeiwache wenden. Auch bei Busfahrern könne ein Notruf abgesetzt werden. Berliner in anderen Stadtteilen sollten überlegen, ob Verwandte in den betroffenen Gegenden leben und möglicherweise Hilfe bräuchten.
Wie lange dauert die Reparatur?
Wann genau der Strom in den betroffenen Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde wieder fließt, kann auch der Betreiber Stromnetz Berlin zunächst nicht sagen. Teams seien dabei, die Versorgung so schnell wie möglich schrittweise wieder herzustellen, sagt Sprecher Henrik Beuster.
Was den Schaden angerichtet hat, ist schnell klar: Der Brand der Kabelbrücke über den Kanal hin zum Kraftwerk Lichterfelde am äußerten südwestlichen Stadtrand. Aber was steckt dahinter? Nach Angaben der Feuerwehr brannte zunächst ein Baucontainer unter der Kabeltrasse, die über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde führt.

Autos fahren bei Stromausfall in Lichterfelde. Nach einem Stromausfall blieb die Osdorfer Straße in Lichterfelde ohne Beleuchtung.
Michael Ukas/dpaPolizei prüft Verdacht
Die Polizei teilt schnell mit, dass sie wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Einsatzkräfte seien gegen 6.45 Uhr von einem Zeugen zu dem Brand alarmiert worden. Die Kriminalpolizei übernehme die Ermittlungen, sagt ein Sprecher vor Ort. Je nach den Ergebnissen werde womöglich auch der Staatsschutz eingeschaltet, der für politische Straftaten zuständig ist.
Die Frage nach einem möglichen politischen Hintergrund bleibt aber zunächst offen. „Wir sind ganz am Anfang der Ermittlungen“, sagt der Sprecher. „Es geht jetzt hier am Ort darum, die Erkenntnisse zu verdichten. Eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes wird jetzt hier zum Einsatz kommen und wir werden dabei auch Drohnentechnik einsetzen.“
Ähnlicher Fall im September war Brandanschlag
Von der Dimension ist dieser Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins. Auch dort ging es um etwa 50.000 Kunden. Der Stromausfall zog sich über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.

Ein Polizeibeamter steht an der Brandstelle am Teltowkanal. Nach dem Brand einer Kabelbrücke ist im Südwesten Berlins für 50.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe der Strom ausgefallen.
Michael Ukas/dpa