Streit um Böllerverbot
: Umwelthilfe warnt vor „Horrornacht“ an Silvester

Kurz vor dem Verkaufsstart für Silvester-Feuerwerk sind die Rufe nach einem Böllerverbot lauter geworden.
Von
afp
Berlin
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Böllerverbot

Alle Jahre wieder gibt es zu Silvester eine Diskussion um ein mögliches Böllerverbot.

Moritz Frankenberg/dpa
  • Diskussion um ein Böllerverbot zu Silvester: Ärzte und Umwelthilfe fordern ein Ende privater Feuerwerke.
  • Kritik an Verletzungsrisiken, voller Notaufnahmen und Umweltauswirkungen durch Feuerwerkskörper.
  • Pyrotechnikverband betont Sicherheitsstandards bei legalem Feuerwerk, fordert Maßnahmen gegen illegales Feuerwerk.
  • Umwelthilfe warnt vor Eskalation, da 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper importiert wurden – deutlicher Anstieg.
  • Evangelische Aktion „Brot statt Böller“ ruft dazu auf, Geld für Bedürftige statt für Feuerwerk auszugeben.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte ein Verbot von Feuerwerk für Privatleute und verwies dabei auf schwere Verletzungen und volle Notaufnahmen. Auch die Deutsche Umwelthilfe forderte ein Verbot. Der Bundesverband Pyrotechnik wies dies zurück und verlangte von der Politik ein strikteres Vorgehen gegen illegal erworbenes Feuerwerk.

Die Innenminister von Bund und Ländern müssten „endlich handeln und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen“, sagte Reinhardt den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). „Die ungeregelte Knallerei führt immer wieder zu schweren Verletzungen auch bei Unbeteiligten, sie ängstigt viele Menschen, ist schlecht für das Klima und verursacht enormen Müll.“

„Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden“, forderte der Mediziner. Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Augenverletzungen und Verbrennungen. „Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen.“

Schwere Unfälle „ausschließlich durch illegales Feuerwerk“

Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) kritisierte Reinhardts Äußerungen als „sachfern“. Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich „praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk“, erklärte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl auf AFP-Anfrage. Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen „streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert“.

Notaufnahmen seien an Silvester auch „nicht wegen Feuerwerkskörpern voll“, fuhr Kröpl fort. Nach Studien seien diese „zum Jahreswechsel insbesondere wegen des bundesweit intensiven Alkoholkonsums überfüllt“. Kröpl forderte die Politik auf, bei illegalem Feuerwerk „für den Vollzug der bestehenden Gesetze sorgen“. Denn hier sei der Zugang „so leicht wie nie zuvor“.

Beispiellose „Eskalation in der Silvesternacht“

Die Deutsche Umwelthilfe warnte „vor einer beispiellosen Eskalation in der Silvesternacht“. Sie verwies dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts, wonach in den ersten neun Monaten des Jahres bereits 42.400 Tonnen Feuerwerkskörper nach Deutschland eingeführt wurden und damit über 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, der Jahreswechsel drohe damit „zur Horrornacht von beispiellosem Ausmaß zu werden“.

Rekordumsatz mit Feuerwerk

Der Verkauf von Feuerwerk wie Silvesterraketen ist in Deutschland nur an den letzten drei verkaufsoffenen Tagen des Jahres erlaubt. Dieses Jahr startet der Verkauf am Montag. Nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) machte die Branche zum Jahreswechsel 2024/2025 mit rund 197 Millionen Euro einen Rekordumsatz. Dieses Jahr könnte dies nochmals überschritten werden.

Die Umwelthilfe forderte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, ein bundesweites Böllerverbot auf den Weg zu bringen. Vor allem Dobrindt trage „die Verantwortung für die schweren Verletzungen, die Angriffe auf Einsatzkräfte, das millionenfache Tierleid und die extremen Feinstaubspitzen“ durch Feuerwerk an Silvester, erklärte Resch. Laut Umwelthilfe haben bereits mehr als 800.000 Menschen einen offenen Brief an Dobrindt unterzeichnet, der ein Verbot für privates Feuerwerk fordert.

Die evangelische Hilfsorganisation Brot für die Welt rief im Rahmen ihrer traditionellen Aktion „Brot statt Böller“ auf, statt Feuerwerk zu kaufen das Geld für Bedürftige zu spenden. „Die Erfahrung zeigt, dass Spenden für die weltweite Projektarbeit nachhaltig wirken und damit länger strahlen als jeder Funke am Himmel“, erklärte Präsidentin Dagmar Pruin.