Streit oder Spiel?
: So deuten Sie das Verhalten Ihrer Katzen richtig

Nicht jedes Fauchen oder Raufen bedeutet gleich Streit. Entscheidend ist, ob beide Katzen freiwillig mitmachen und die Situation jederzeit verlassen können.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Fauchen allein ist noch kein sicheres Zeichen für einen Kampf. Es gibt mehr zu beachten. (Symbolbild)

Fauchen allein ist noch kein sicheres Zeichen für einen Kampf. Es gibt mehr zu beachten. (Symbolbild)

picture alliance/dpa/dpa-tmn | Christin Klose

Wenn Katzen durch die Wohnung jagen, raufen, sich anspringen oder spielerisch beißen, kann das schnell nach Kampf aussehen. Gerade junge Katzen tragen ihr Spiel jedoch oft sehr körperlich aus. Dabei testen sie Grenzen, Reaktionen und ihre eigenen Fähigkeiten.

Entscheidend ist daher weniger, wie wild die Situation wirkt, sondern ob beide Katzen freiwillig mitmachen und sich jederzeit zurückziehen können.

Woran erkennt man spielerisches Kämpfen?

Beim Spielen wirken Katzen meist locker und beweglich. Sie springen einander an, rollen über den Boden oder verfolgen sich durch die Wohnung. Typisch ist, dass die Rollenverteilung wechselt: Mal jagt die eine Katze, kurz darauf die andere.

Auch kurze Pausen sind ein gutes Zeichen. Die Tiere unterbrechen das Raufen ohne dass ein Mensch dazwischengehen muss, sie orientieren sich neu und setzen das Spiel anschließend freiwillig fort. In der Regel bleiben die Krallen eingezogen, und Bisse werden kontrolliert eingesetzt.

Ein kurzes Fauchen oder Quieken muss noch kein Warnsignal sein. Es kann bedeuten, dass eine Katze eine Grenze setzt. Entscheidend ist, ob die andere darauf reagiert und die Situation kurz unterbricht.

Nach einem normalen Spiel verhalten sich beide Katzen meist unauffällig. Sie bleiben im selben Raum, putzen sich, ruhen sich aus oder gehen entspannt auseinander.

Diese Anzeichen sprechen eher für einen echten Konflikt

Problematisch wird das Verhalten, wenn eine Katze dauerhaft die Kontrolle übernimmt und die andere nicht ausweichen kann.

Warnzeichen sind unter anderem:

  • Eine Katze versucht zu fliehen, wird aber weiter gejagt.
  • Eine Katze verfolgt oder bedrängt immer dieselbe andere Katze.
  • Ohren sind angelegt, das Fell ist gesträubt oder der Schwanz schlägt heftig.
  • Die Körperhaltung wirkt steif und angespannt.
  • Es entstehen Verletzungen, Fellbüschel oder Kratzspuren.
  • Es kommt zu anhaltendem Knurren, Schreien, Jaulen oder Fauchen.
  • Eine Katze wird in eine Ecke gedrängt oder an einer Tür blockiert.

Ein Konflikt muss nicht immer laut sein. Manche Katzen setzen andere Tiere sehr still unter Druck. Dazu gehören langes Anstarren, das Blockieren von Wegen oder das Besetzen wichtiger Plätze.

Besonders problematisch ist es, wenn eine Katze nicht mehr ungestört zu Futter, Wasser, Toilette oder Schlafplätzen gelangt.

Beobachten Sie auch das Verhalten danach

Oft zeigt sich erst nach der Situation, ob es sich um Spiel oder Streit gehandelt hat.

Achten Sie darauf, ob eine Katze anschließend:

  • bestimmte Räume meidet,
  • sich häufiger versteckt,
  • schlechter frisst,
  • außerhalb der Katzentoilette uriniert,
  • ungewöhnlich schreckhaft wirkt,
  • sich weniger bewegt oder zurückzieht,
  • auffällig viel putzt.

Solche Veränderungen können auf anhaltenden sozialen Stress hinweisen.

Eine einfache Faustregel

Solange beide Katzen freiwillig beteiligt sind, sich die Rollen abwechseln und jederzeit Rückzug möglich ist, handelt es sich meist um Spiel.

Kann eine Katze nicht aussteigen oder wird sie immer wieder gegen ihren Willen verfolgt, ist die Situation problematisch.

Wann sollte man eingreifen?

Bei panischer Flucht, anhaltendem Schreien, Verletzungen oder offensichtlichem Festhalten sollten die Katzen getrennt werden.

Greifen Sie dabei niemals mit bloßen Händen zwischen kämpfende Katzen. Auch vertraute Tiere können in hoher Erregung stark zubeißen oder kratzen.

Nutzen Sie stattdessen eine Sichtbarriere, zum Beispiel ein großes Kissen, ein Stück Pappe, eine Decke oder eine geschlossene Tür.

Bringen Sie die Katzen anschließend vorübergehend in getrennten Räumen unter. Beide Räume sollten Wasser, Futter, eine Katzentoilette und einen sicheren Rückzugsort bieten.

Wichtig: Bestrafen, Anschreien oder Anspritzen verschärft die Situation häufig. Die Katzen verknüpfen die zusätzliche Angst möglicherweise miteinander, wodurch der Konflikt weiter zunimmt.

Nicht immer läuft es in Mehrkatzenhaushalten harmonisch ab.

Nicht immer läuft es in Mehrkatzenhaushalten harmonisch ab.

picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Was hilft bei wiederkehrenden Spannungen?

In einem Mehrkatzenhaushalt sollten wichtige Ressourcen mehrfach vorhanden sein. Dazu gehören Katzentoiletten, Futterplätze, Wasserschalen, Kratzmöglichkeiten, erhöhte Liegeplätze und Verstecke.

Als Orientierung gilt häufig: Für jede Katze sollte mindestens eine Toilette vorhanden sein, ergänzt um eine weitere. Bei zwei Katzen wären das beispielsweise drei Toiletten.

Die Ressourcen sollten nicht alle nebeneinanderstehen. Verteilen Sie diese so, dass eine Katze nicht sämtliche Wege gleichzeitig kontrollieren kann.

Auch gemeinsames Spiel mit dem Menschen kann Spannungen reduzieren. Jede Katze sollte jedoch zusätzlich eigene Aufmerksamkeit und Rückzugsmöglichkeiten erhalten.

Wann ist tierärztliche Hilfe nötig?

Eine plötzliche Verhaltensänderung sollte immer ernst genommen werden. Schmerzen, Verletzungen oder andere Erkrankungen können dazu führen, dass eine Katze reizbarer oder aggressiver reagiert.

Besonders bei Katzen, die zuvor problemlos zusammengelebt haben, ist eine tierärztliche Untersuchung sinnvoll.

Bisswunden sollten ebenfalls kontrolliert werden. Selbst kleine Verletzungen können sich unter der Haut entzünden und Abszesse verursachen.

Wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen sind und die Konflikte bestehen bleiben, kann eine auf Katzen spezialisierte Verhaltensberatung helfen.

Fazit

Wildes Jagen und Raufen gehört bei vielen Katzen zum normalen Sozial- und Spielverhalten. Problematisch wird es, wenn die Beteiligung nicht mehr freiwillig ist, die Rollen dauerhaft ungleich verteilt sind oder eine Katze unter der Situation leidet.

Beobachten Sie deshalb nicht nur den einzelnen Kampf, sondern das gesamte Verhalten: Wer beginnt? Wechseln die Rollen? Kann jede Katze ausweichen? Und wie verhalten sich die Tiere danach?

Diese Fragen liefern meist die zuverlässigsten Hinweise darauf, ob die Katzen spielen oder tatsächlich miteinander kämpfen.