Nachbarschaftsgesetze in BW
: Wie hoch darf eine Hecke wachsen?

Wie hoch darf eine Hecke sein und was ist darunter überhaupt zu verstehen? Das hat der Bundesgerichtshof geklärt.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Wie hoch darf eine Hecke auf dem Nachbargrundstück werden? Der Bundesgerichtshof hat dazu eine wegweisende Richtung vorgegeben. (Symbolbild)

Wie hoch darf eine Hecke auf dem Nachbargrundstück werden? Der Bundesgerichtshof hat dazu eine wegweisende Richtung vorgegeben, der auch Menschen in BW betrifft.

Jens Büttner/dpa

Im Streit um eine bis zu sieben Meter hohe Bambushecke in Hessen hat der Bundesgerichtshof (BGH) eine eindeutige Richtung vorgegeben, die auch Hauseigentümer in Baden-Württemberg betrifft. Was der BGH zum Thema Heckenhöhe zu sagen hat und wann eine Hecke auch wirklich als solche gilt.

Höhe einer Hecke: Das sagt der BGH

Ein Grundstückseigentümer in Hessen hatte gegen eine sechs bis sieben Meter hohe Bambushecke seines Nachbarn geklagt. Das Nachbargrundstück war tiefer gelegen, die Hecke stand auf einer Aufschüttung. Der BGH hob das vorinstanzliche Urteil auf und verwies den Fall zurück. Entscheidend ist: Für Hecken existiert keine generelle gesetzliche Höhenbegrenzung, die über das jeweilige Landesnachbarrecht hinausgeht.

Dem vorausgegangen war ein Rechtsstreit unter Nachbarn in Hessen. Seit den 1960er-Jahren gibt es auf dem Grundstück der Beklagten eine aufgeschüttete Fläche entlang der Grundstücksgrenze, gestützt von einer 28 Meter langen Betonmauer. 2018 pflanzte die beklagte Partei dort Bambus und setzte eine Rhizomsperre zum Nachbargrundstück. Inzwischen ist der Bambus sechs bis sieben Meter hoch. Der Nachbar hatte mit seiner Klage einen Rückschnitt des Bambus erreichen wollen. Wunschhöhe: drei Meter, gemessen vom Bodenniveau des eigenen Grundstücks.

Nachbarrechtsgesetze der Länder gelten

Maßgeblich sind die Nachbarrechtsgesetze der Länder, nicht die Gerichte, sagt der BGH. In Hessen, wo Kläger und Beklagte wohnen, ist die maximale Heckenhöhe beispielsweise an den zu berücksichtigen Abstand gekoppelt: So darf eine maximal 1,2 Meter hohe Hecke bis zu 25 cm an die Grundstücksgrenze gepflanzt werden, während eine über 2 Meter hohe Hecke mindestens einen Abstand von 75 cm haben muss.

Entscheidend sei zudem der Messpunkt: Steht die Hecke auf höherem Gelände, zählt die Höhe ab dem Punkt, an dem die Pflanzen aus dem Boden treten. Wurde der Boden künstlich aufgeschüttet, gilt das ursprüngliche Geländeniveau. So verhindert das Gericht, dass Eigentümer durch Aufschüttung zusätzliche Höhe gewinnen.

Hecke in Baden-Württemberg: Das sagt das Nachbarrecht

Auch in Baden-Württemberg hängt die erlaubte Höhe der Hecke davon ab, wie nah sie an der Grundstücksgrenze steht. Diese Regeln gelten laut Nachbarrecht in BW:

  • Direkt an der Grenze (0,5 Meter Abstand): Die Hecke darf maximal 1,80 Meter hoch sein.
  • Weiter weg von der Grenze: Für jeden zusätzlichen halben Meter Abstand darf sie etwa 50 Zentimeter höher wachsen. Beispiel: Bei 1 Meter Abstand sind bis 2,30 Meter Höhe erlaubt.
  • Innerhalb geschlossener Ortschaften (Innerortslage): Eine Hecke bis 1,80 Meter Höhe darf direkt an der Grenze stehen.
  • Wichtig: Hecken müssen regelmäßig geschnitten werden, mindestens bis zur Hälfte des vorgeschriebenen Abstands (§ 12 Abs. 2 NRG).
  • Spaliere (z. B. Rankgitter mit Pflanzen): Werden rechtlich wie Hecken behandelt. In Innerortslage dürfen sie bis 1,80 Meter hoch ohne Abstand stehen, darüber hinaus gilt ebenfalls: Mehrhöhe = mehr Abstand.