Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa-Tochter Eurowings für Donnerstag zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Der Streik soll um Mitternacht beginnen und 23.59 Uhr enden. VC begründete den Aufruf zum Arbeitskampf am Dienstagabend mit "gescheiterten" Verhandlungen über den Manteltarifvertrag bei Eurowings. Insgesamt zehn Verhandlungsrunden hätten "zu keiner nennenswerten Annäherung geführt".

Erste Eurowings-Flüge fallen nach Streikankündigung aus

Nach der Streikankündigung der Pilotinnen und Piloten der Fluggesellschaft Eurowings sind am Donnerstag erste Flüge des Unternehmens ausgefallen. So wurde eine Verbindung am frühen Morgen vom Flughafen Köln/Bonn zur griechischen Insel Rhodos annulliert, wie aus der Internetseite des Flughafens hervorging. Auch im weiteren Verlauf des Tages müssen sich Fluggäste von Eurowings auf Ausfälle und Verspätungen ihrer Flüge einstellen.
Wegen des ganztägigen Streiks der Pilotinnen und Piloten bei der Lufthansa-Tochter soll noch bis zum Ende des Donnerstags fast die Hälfte der geplanten gut 500 Flüge ausfallen.

Eurowings Streik: Was will die Gewerkschaft?

Laut VC haben die Tarifverhandlungen bei Eurowings zu keinem Ergebnis geführt. Bei den Gesprächen über die Arbeitsbedingungen der Crews seien kaum Fortschritte erzielt worden. Der Arbeitgeber habe auch kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Der starke Anstieg des Flugverkehrs seit Frühjahr sei auf eine ausgedünnte Personaldecke getroffen, was die Kolleginnen und Kollegen stark belaste.

Pilotenstreik 2022: Wie lange wird gestreikt?

Zunächst streiken die Piloten 24 Stunden lang. Im August haben die Piloten allerdings bei einer Urabstimmung für unbefristete Streiks gestimmt. Das bedeutet, dass grundsätzlich die Gewerkschaft zu noch mehr Arbeitskämpfen, die noch länger andauern, aufrufen könnte. Der unbefristete Streik ist die schärfste Waffe einer Gewerkschaft.
Der Streik wird ebenfalls mittels der Urabstimmung beendet: Das heißt, 25 Prozent der Mitglieder müssen mit dem dann vorgelegten Angebot zufrieden sein.

Verhandlungen über Manteltarifvertrag "gescheitert"

Der Manteltarifvertrag bestehe seit 2015 "ohne Anpassungen". Seitdem sei die Arbeitsbelastung "erheblich gestiegen", argumentierte VC. Die Gewerkschaft fordert eine Entlastung der Beschäftigten - etwa durch die Reduzierung der maximalen Flugdienstzeiten und die Erhöhung der Ruhezeiten. Dem Eurowings-Management warf die Gewerkschaft "mangelndes Entgegenkommen" und fehlenden Lösungswillen vor, daher bleibe keine andere Wahl als der Streikaufruf. "Wir bedauern die Einschränkungen für die Fluggäste", erklärte die Gewerkschaft.

Das sagt Eurowings zu den Forderungen der Gewerkschaft

Eurowings-Personalchef Kai Duve sagte, die Gewerkschaft fordere trotz zweier in den kommenden vier Monaten anstehender Gehaltserhöhungen von deutlich mehr als zehn Prozent 14 zusätzliche freie Tage im Jahr sowie eine Senkung der maximalen Wochenarbeitszeit um fünf Stunden. „Das ist in Zeiten, in denen sich Millionen Menschen vor einem kalten Winter und der nächsten Heizkostenrechnung fürchten, nicht nur maßlos. Die Forderungen würden auch 20 Prozent unserer Flüge unmöglich machen und damit die Zukunftsfähigkeit des Flugbetriebs und seiner Mitarbeitenden gefährden“, stellte der Manager fest.

Lufthansa: Streik Anfang September noch abgewendet

Anfang September 2022 hatte bereits ein Pilotenstreik beim Mutterkonzern den Flugbetrieb der Lufthansa fast vollständig lahmgelegt. Dabei ging es um Lohnforderungen der VC. Flüge von Eurowings waren damals nicht betroffen.