Am Mittwoch, den 25.1.2023, werden aufgrund eines Warnstreiks keine Passagierflüge vom Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg abheben oder landen. Einen Warnstreik mit solch großen Auswirkungen hat es in Deutschland seit Jahren nicht gegeben.
Wegen eines Verdi-Streiks steht der Berliner Flughafen seit Mittwochmorgen still. Es seien den ganzen Tag lang keine Passagierflüge möglich, erklärte die Flughafengesellschaft auf der Airport-Website. Betroffene Passagiere sollten sich bei ihrer Fluggesellschaft über Umbuchungen und alternative Reisemöglichkeiten informieren. Vom Streik betroffen seien die Bodenverkehrsdienste, die Flughafengesellschaft und auch die Luftsicherheit, teilte die Gewerkschaft Verdi mit.

Warnstreik am BER: Wie lange wird gestreikt?

Der Streik findet am Mittwoch, den 25. Januar 2023 ganztägig statt. Er beginnt mit der Frühschicht und endet am späten Abend.
Am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) haben sich nach dpa-Angaben am frühen Mittwochmorgen bereits zahlreiche Teilnehmer des Warnstreiks versammelt. Auf der Kundgebung um 10.00 Uhr haben Verdi-Funktionäre mit weiteren Streiktagen gedroht, sollten die Arbeitgeber nicht einlenken, wie der Tagesspiegel berichtet. „Wir warten auf ein gutes Angebot, sonst machen wir hier weiter dicht“, sagte Susanne Feldkötter, stellvertretende Verdi-Bezirksleiterin auf dem Willy-Brandt-Platz am Terminal 1.
Die Stimmung sei zuletzt sehr frustrierend gewesen, sagt Dirk Litschke, der am BER in der Gepäckabfertigung arbeitet. Der Krankenstand sei hoch, mit Rücken oder Hüfte hätten viele Kollegen ihre Probleme. Auf der Kundgebung heißt es, das Einstiegsgehalt bei den Bodenverkehrsdiensten liege aktuell bei 14,25 Euro die Stunde.
Nach dpa-Angaben hatten sich 1500 Menschen am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zur Warnstreik-Kundgebung der Gewerkschaft Verdi versammelt. „Wir stehen zusammen als BER-Familie in dieser Tarifauseinandersetzung“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler.
Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Enrico Rümker haben sich mehr als 1800 Streikende in die ausgelegten Listen eingetragen. Nach der Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz zogen die Streikteilnehmer in einem langen Zug fahnenschwenkend und pfeifend über die Straßen rund um den Flughafen und einmal quer durchs Terminal.
25.01.2023, Brandenburg, Schönefeld: Teilnehmer einer Demonstration zum Warnstreik am Flughafen Berlin-Brandenburg BER haben sich vor dem Flughafen auf dem Willy-Brandt-Platz versammelt.
25.01.2023, Brandenburg, Schönefeld: Teilnehmer einer Demonstration zum Warnstreik am Flughafen Berlin-Brandenburg BER haben sich vor dem Flughafen auf dem Willy-Brandt-Platz versammelt.
© Foto: Christoph Soeder/dpa

Warnstreik: Gibt es Auswirkungen auf die nächsten Tage?

Laut Verdi soll der Streik am Mittwochabend um 23:59 Uhr beendet werden. Gewerkschaftssekretär Rümker betonte, dass der Zeitpunkt für die Arbeitsniederlegung behutsam ausgewählt worden sei. „Wir können schon sagen: In den Winterferien von Berlin und Brandenburg (30. Januar bis 3. Februar) wird es keinen weiteren Streik geben“, sagte er der dpa.
Am Donnerstag, den 26.01. sollte der Flughafenbetrieb dann wie gewohnt weitergehen. Nach Angaben des Flughafens werden von Freitag, 27. Januar, bis Sonntag, 5. Februar, rund 450 000 Passagiere am BER erwartet - an den Freitagen jeweils knapp 55 000.

Streik am Flughafen in Berlin: Welche Rechte haben Passagiere?

Die Gewerkschaft hatte die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste, der Flughafengesellschaft und der Luftsicherheit zum Warnstreik aufgerufen, das sind am BER gut 6000 Menschen. In der Folge musste der Flughafen den gesamten Passagierverkehr für Mittwoch absagen. Ursprünglich waren 300 Starts und Landungen mit etwa 35 000 Passagieren geplant.
Der Passagierverkehr am BER stand derweil still, die Hallen waren leer. Vor allem internationale Reisende sind am BER gestrandet. Aber auch für viele Deutsche kommt der Streik ungelegen.
Wenn ein Flug durch einen Streik gestrichen wird, dann muss die Airline ihre Passagiere auf einen passenden Flug umbuchen. Möglich ist auch eine Umbuchung auf eine Bahnverbindung. In jedem Fall ist die Umbuchung kostenlos.
Martin und Karoline aus Polen sitzen während eines Warnstreiks am Flughafen Berlin-Brandenburg BER. Sie wollten über Singapur nach Phuket in Thailand in den Urlaub fliegen.
Martin und Karoline aus Polen sitzen während eines Warnstreiks am Flughafen Berlin-Brandenburg BER. Sie wollten über Singapur nach Phuket in Thailand in den Urlaub fliegen.
© Foto: Christoph Soeder/dpa

Warnstreik am BER: Was fordert Verdi?

Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite vor den nächsten Verhandlungen am 30. Januar (Bodenverkehrsdienste) und am 8. Februar (Flughafengesellschaft) erhöhen.
Die Gewerkschaft fordert in beiden Verhandlungen 500 Euro mehr im Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten. Die Arbeitgeberseite fordert laut Verdi sowohl bei den Bodenverkehrsdiensten als auch der Flughafengesellschaft vor allem längere Vertragslaufzeiten. Für die Beschäftigten der Flughafengesellschaft wurde eine Einmalzahlung bis zu 2000 Euro angeboten. Verdi setzt aber auf Erhöhungen, die sich auch langfristig in den Tabellen wiederfinden.
Bei der Flughafengesellschaft angestellt sind neben der Verwaltung auch Feuerwehrleute, die Flughafensicherheit und die Verkehrsleitung. Laut Verdi sind 6000 Beschäftigte von den Tarifverhandlungen betroffen.
Für die Beschäftigten der Luftsicherheit wird der Gewerkschaft zufolge bundesweit verhandelt, in sieben Verhandlungsrunden habe es „faktisch keinerlei Fortschritt“ gegeben. „Hier gibt es bis heute kein Signal der Arbeitgeber, überhaupt eine Lösung finden zu wollen“, teilte die Gewerkschaft mit. Verhandelt wird demnach über eine „Erhöhung der Zeitzuschläge für Nacht-, Sonntags-, Feiertags- und Samstagsarbeit sowie eine bessere tarifliche Regelung zur Entlohnung von Mehrarbeit“.

Gehalt im Bodenverkehrsdienst oder in der Luftsicherheit 2023 aktuell

Personen, die in den Bereichen Bodenverkehrsdienst oder Luftsicherheit arbeiten, arbeiten beispielsweise als Fluglotsen, Flugzeugabfertiger oder als Luftsicherheitsassistenten.
Nach Angaben des Bundesverbands der Luftsicherheitsunternehmen verdienen Mitarbeiter im Bereich Luftsicherheit je nach Tarifgruppe zwischen 2400 und 3200 Euro im Monat (brutto). Hinzu kommen noch Zuschläge für Nacht- Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Wer in der Flugzeugabfertigung arbeitet verdient nach Angaben von Stepstone im Schnitt 4000 Euro/Monat. Allerdings gilt das eher für Mitarbeiter mit viel Berufserfahrung. Die Spanne der Gehälter reicht in der Abfertigung zwischen 2800 und 4800 Euro/Monat.