Steuerhinterziehung bei Influencern
: Thüringen meldet erste Fälle - hohe Nachzahlungen fällig

Thüringer Finanzbehörden haben Influencer im Visier – erste Fälle von Steuerhinterziehung aufgedeckt, Nachzahlungen von Tausenden Euro drohen.
Von
Judith Müller
Berlin
Jetzt in der App anhören
Soziale Medien: ARCHIV - 24.10.2024, Niedersachsen, Hannover: Eine Frau hält ein Smartphone, auf dessen Display verschiedene Social Media Apps angezeigt werden.  (zu dpa: «Knigge-Rat feiert Jubiläum – Schüler beraten bei Netzkultur») Foto: Alicia Windzio/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Influencer im Visier der Finanzbehörden: Wer Einnahmen verschweigt, muss mit hohen Nachzahlungen rechnen. (Symbolbild)

Alicia Windzio/dpa

Influencer stehen seit Monaten im Fokus der Steuerfahndung. Nun zeigen erste Ergebnisse der Ermittlungen: Die Finanzbehörden in Thüringen haben die ersten Social-Media-Stars identifiziert, die ihre Einnahmen nicht ordnungsgemäß beim Finanzamt angegeben haben.

Erste Fälle in Thüringen abgeschlossen

Wie das Thüringer Finanzministerium mitteilte, laufen derzeit 22 Ermittlungsverfahren gegen Influencer. Zehn Fälle wurden bereits abgeschlossen. In zwei dieser Fälle wurden die Betroffenen aufgefordert, Steuern nachzuzahlen – insgesamt rund 30.000 Euro. In den übrigen acht Verfahren konnten die Influencer ihre Einnahmen korrekt nachweisen, sodass keine weiteren Maßnahmen notwendig waren.

Im Vergleich dazu hatten Meldungen aus Nordrhein-Westfalen im Sommer für Aufsehen gesorgt. Dort schätzten die Behörden, dass Influencer möglicherweise rund 300 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben könnten – ein Vielfaches dessen, was in Thüringen bisher festgestellt wurde.

Warum Influencer Steuern hinterziehen

Laut Thüringer Finanzministerium könnten die Motive vielfältig sein: Eine Mischung aus finanziellem Anreiz, dem vermeintlich geringen Entdeckungsrisiko und teils fehlender Kenntnis über die Steuerpflicht von Social-Media-Einnahmen spiele eine Rolle. Besonders bei Sachleistungen wie kostenlosen Produkten, Reisen oder Hotelaufenthalten sei vielen Influencern nicht bewusst, dass diese steuerpflichtig sind.

Bundesweite Kontrollen intensivieren sich

Thüringen ist dabei nur ein Beispiel. Auch in anderen Bundesländern werden die Kontrollen verschärft: Niedersachsen hat bereits 19 Prüfungen abgeschlossen und Nachzahlungen in Höhe von 110.000 Euro eingetrieben. Bayern wertete im Rahmen sogenannter Gruppenauskunftsersuchen rund 60.000 Datensätze von Social-Media-Plattformen aus. Bundesweit wird das Umsatzvolumen von Influencern und Content Creators auf etwa 1,4 Milliarden Euro geschätzt.

In Nordrhein-Westfalen laufen aktuell über 200 Ermittlungsverfahren, während Hamburg bis Anfang 2026 rund 140 Fälle abschließen möchte.

Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt

Die aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich: Wer Einnahmen aus Social-Media-Kanälen verschweigt – ob Geld oder Sachleistungen – riskiert hohe Nachzahlungen und strafrechtliche Konsequenzen. Die Behörden werten systematisch Daten von Plattformen aus, verfolgen Hinweise konsequent nach und setzen auf Transparenz. Influencer sollten daher frühzeitig ihre Steuerpflichten prüfen und gegebenenfalls professionellen Rat einholen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Quellen: BILD, Focus.de