Steinwall in der Ostsee
: In 21 Metern Tiefe - 10.000 Jahre alte Anlage gibt Forschern Rätsel auf

Ein riesiger Steinwall auf dem Grund der Ostsee sorgt bei Forschern für Rätselraten. Wofür wurde die fast einen Kilometer lange Anlage gebaut? Und wer hat sie errichtet?
Von
Daniel Steiger
Rerik
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Dieses vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine grafische Rekonstruktion des Steinwalls auf dem Grund der Ostsee.

Micha· Grabowski/Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde/dpa

In der Ostsee vor der deutschen Küste ist eine riesige Steinanlage entdeckt worden, die mehrere Tausend Jahre alt ist und den Forschern Rätsel aufgibt.

Steinwall auf dem Grund der Ostsee entdeckt

In der Mecklenburger Bucht haben Forschende auf dem Grund der Ostsee diesen fast einen Kilometer langen steinernen Wall entdeckt. Er wurde vermutlich vor mehr als 10.000 Jahren von Jägern und Sammlern angelegt. Damals war das Gelände noch nicht überflutet, wie die Gruppe um Jacob Geersen vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und Marcel Bradtmöller von der Universität Rostock in einer Veröffentlichung schreibt. Der sogenannte Blinkerwall könnte den Menschen geholfen haben, Rentiere zu erbeuten, vermutet das Forschungsteam im Fachmagazin „PNAS“.

Der Wall liegt rund zehn Kilometer nordwestlich der Stadt Rerik in etwa 21 Metern Tiefe. Er besteht aus fast 1700 Steinen, ist 971 Meter lang, bis zu zwei Meter breit und meist unter einem Meter hoch. Die Struktur wurde vor etwa 8500 Jahren von der Ostsee überflutet. Etwas Vergleichbares gebe es in Europa nicht, schreibt die Gruppe.

Blinkerwall wurde durch Zufall entdeckt

Entdeckt wurde der Blinkerwall zufällig im September 2021 bei Kartierungen. Die 1673 Steine des Walls haben ein Volumen von fast 53 Kubikmetern und wiegen zusammen mehr als 142 Tonnen. Die meisten sind deutlich unter 100 Kilogramm schwer.

Natürliche Ursachen für die Anlage - etwa einen Tsunami, sich zurückziehende Gletscher oder Strömungen unter Wasser - hält das Team für äußerst unwahrscheinlich. Auch andere menschliche Eingriffe als Ursache seien unplausibel.

Das Team glaubt, dass Wildbeuter-Gruppen die Anlage zur Jagd nach Rentieren nutzten. Direkt datiert wurde die Struktur nicht, aber ab vor 9800 Jahren war die Region bewaldet und Rentiere zogen seltener vorbei - da hätte eine solche Anlage keinen Sinn mehr ergeben.

(mit Material von dpa)