Sprachwettbewerb
: Das ist das Wort des Jahres 2025

Worüber spricht Deutschland? Und welche neuen Begriffe bilden die wichtigsten Debatten ab? Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat jetzt ihre Worte des Jahres bekannt gegeben: zu KI, Krieg und Klima.
Von
dpa
Wiesbaden
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„Wort des Jahres“ 2025: PRODUKTION - 04.12.2025, Sachsen, Dresden: ILLUSTRATION - Das Wort "KI-Ära" ist auf einem Smartphone zu sehen. Das Wort des Jahres ist «KI-Ära», wie die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bekannt gegeben hat. Eine Expertenjury wählt jährlich eine Liste von Wörtern, die den sprachlichen Nerv eines Jahres in besonderer Weise getroffen haben. Foto: Robert Michael/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Wort des Jahres ist „KI-Ära“, wie die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bekannt gegeben hat.

Robert Michael/dpa
  • „KI-Ära“ ist das Wort des Jahres 2025 – Bezug auf den Einfluss künstlicher Intelligenz.
  • Platz 2: „Deal“ – Kritik an egoistischen Interessen in der Politik.
  • Platz 3: „Land gegen Frieden“ – Kapitulationsfrieden durch Gebietsabtritte der Ukraine.
  • Weitere Begriffe: „Wehrdienst-Lotto“, „Drohnisierung“, „Wohlstandsverlust“, „klimamüde“.
  • „Vertiktokung“ auf Platz 10 – Hinweis auf den Erfolg sozialer Medien wie Tiktok.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Siegeszug von Künstlicher Intelligenz (KI), Donald Trumps America-First-Politik und der Ukraine-Krieg: Beim Sprachwettbewerb um das Wort des Jahres 2025 landen Begriffe auf dem Podium, die für drei der aktuell größten Umbrüche in Politik und Gesellschaft stehen.

Als Wort des Jahres 2025 kürte die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache am Freitag in Wiesbaden den Begriff „KI-Ära“. Künstliche Intelligenz erfasse nahezu alle Lebensbereiche, der Boom halte unverändert an, daher habe mit der neuen Technik eine neue Ära begonnen, begründete die Jury die Entscheidung.

Die Sprachexperten- und -expertinnen sehen in KI große Chancen – zugleich aber auch Risiken des Missbrauchs. KI berge die Gefahr, dass eigenständiges, kritisches Denken und Sprechen verloren gingen. KI werde sich auch auf die weitere Entwicklung von Sprache selbst auswirken, zeigten sich die Wissenschaftler überzeugt.

Ego-Deal statt fairem Ausgleich

Auf Platz 2 landete der Begriff „Deal“ (also Geschäft, Abkommen). Der inzwischen vielfach statt Kompromiss oder Vertrag benutzte Begriff drücke aus, dass Politik zu einem von egoistischen Interessen geleiteten Geschäft zu werden drohe, so die Jury. Deal stehe für eine Politik, die „sich ungeschönt dazu bekennt, eigene wirtschaftliche Interessen an die erste Stelle zu setzen“. Die Belange anderer, etwa der Sicherheit des eigenen Staatsgebiets, der kulturellen Selbstbestimmung oder der Entwicklung von Wohlstand, würden dabei ignoriert.

Einen Bezug zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine enthält Platz 3 der Wörter-des-Jahres-Liste: „Land gegen Frieden“. Gemeint ist damit die Forderung, wonach die Ukraine von Russland besetzte Gebiete abtreten müsse, um einen Frieden zu erreichen. Letztlich, so die Gesellschaft für deutsche Sprache, stehe die Formulierung „Land gegen Frieden“ für einen Kapitulationsfrieden und Erpressung.

Passend zur Bundestagsdebatte: Wehrdienst-Lotto

Auf die weiteren Plätze der zehn prägnantesten Wörter des Jahres setzte die Sprachaktion die Begriffe „Sondervermögen“ und - passend zur zeitgleichen Bundestagsdebatte über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz - den Begriff „Wehrdienst-Lotto“. Gefolgt von „Drohnisierung“: Das Wort beschreibt halbironisch die aktuelle Aufrüstung von Deutschland und Nato mit Kampfdrohnen. Ebenfalls auf die Liste schafften es die Begriffe „Strafzölle“ (Platz 7) und „Wohlstandsverlust“ (Platz 8).

Weil aus Sicht der Jury „inzwischen immer weniger Deutsche“ den Klimaschutz als politische Hauptaufgabe einforderten, hoben die Sprachexperten das Adjektiv „klimamüde“ auf Platz 9. Der Begriff „Vertiktokung“ komplettiert die Liste. Die Wortneuschöpfung spielt auf den Siegeszug der sozialen Medien und insbesondere der Video-Plattform Tiktok an.

KI-Ära folgt auf Ampel-Aus und Zeitenwende

Vor einem Jahr wurde „Ampel-Aus“ zum Wort des Jahres; davor waren es „Krisenmodus“ und „Zeitenwende“. Die Sprachaktion, bei der Experten und -expertinnen eingesandte Vorschläge und Belege aus verschiedenen Medien für eine Rangliste besonderer Begriffe des Jahres auswerten, gibt es bereits seit den 1970er Jahren. Im Januar folgt dann das Unwort des Jahres, das auf besondere sprachliche Missstände aufmerksam machen will.