Spiele-Legende aus Neu-Ulm schreibt Geschichte
: Reiner Knizia schafft einzigartiges „Spiel des Jahres“-Triple

Mit mehr als 800 veröffentlichten Spielen gehört Dr. Reiner Knizia zu den erfolgreichsten Spieleautoren der Welt. Der aus Illertissen bei Neu-Ulm stammende Mathematiker hat nun Geschichte geschrieben.
Von
Judith Müller
Illertissen (Neu-Ulm)
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Reiner Knizia, Gewinner der Kategorie „Kennerspiel des Jahres 2026“ mit dem Spiel „Rebirth“ jubelt während der Verleihung des „Spiel des Jahres“ im nhow Hotel Berlin. Ausgezeichnet werden das Spiel des Jahres, das Kennerspiel des Jahres und das Kinderspiel des Jahres. Bewertet werden dabei Spielidee, Regelgestaltung, Layout und Design.

Reiner Knizia, Gewinner der Kategorie „Kennerspiel des Jahres 2026“ mit dem Spiel „Rebirth“ jubelt während der Verleihung des „Spiel des Jahres“ im nhow Hotel Berlin. Ausgezeichnet werden das Spiel des Jahres, das Kennerspiel des Jahres und das Kinderspiel des Jahres. Bewertet werden dabei Spielidee, Regelgestaltung, Layout und Design.

picture alliance/dpa, Carsten Koall

Dr. Reiner Knizia aus Illertissen im Landkreis Neu-Ulm hat einen Meilenstein erreicht, den vor ihm noch niemand geschafft hat. Mit seinem aktuellen Erfolg beim „Kennerspiel des Jahres“ für „Rebirth“ ist der international gefeierte Spieleautor der erste Mensch, der alle drei wichtigsten Auszeichnungen der renommierten „Spiel des Jahres“-Jury gewonnen hat: ein Kinderspiel, ein Familienspiel und nun auch ein Kennerspiel des Jahres.

Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen zeigt sich Knizia stolz auf diesen besonderen Erfolg. „Das hat noch keiner geschafft: ein Kinderspiel, ein Familienspiel und ein Kennerspiel des Jahres zu machen. Das ist schon was, was mich sehr stolz macht“, sagt der 67-Jährige.

Über 800 Spiele – und jedes ist wie ein eigenes Kind

Mehr als 800 Spiele hat Knizia inzwischen entwickelt und weltweit veröffentlicht. Sich für ein Lieblingsspiel zu entscheiden, fällt ihm deshalb schwer. Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen vergleicht er seine Werke mit einer großen Familie.

„Sie sind für mich wie Kinder“, erklärt der Spieleautor. „Jetzt habe ich über 800 Spiele entwickelt und Sie sagen mir, ich soll ein Kind als Lieblingskind identifizieren. Das ist wirklich schwer.“

Stattdessen versucht er, jede Spielidee individuell weiterzuentwickeln. Wie bei Menschen gehe es darum, die jeweiligen Stärken zu erkennen und gezielt zu fördern.

Von Ulm in die Welt der Brettspiele

Die Begeisterung für Spiele begann schon in seiner Kindheit. Bereits als Junge entwarf Knizia eigene Brettspiele mit Rittern und Burgen für Freunde. Später studierte er Mathematik und Physik in Ulm, promovierte in den USA und arbeitete zunächst erfolgreich in Großbritannien, bevor er seine Leidenschaft zum Beruf machte.

Heute gilt der gebürtige Illertisser weltweit als einer der bedeutendsten Spieleentwickler überhaupt. In der Szene trägt er sogar den Spitznamen „The Good Doctor“, den er nach eigenen Angaben gerne mag.

Reiner Knizia, Gewinner der Kategorie „Kennerspiel des Jahres 2026“ mit dem Spiel „Rebirth“ jubelt während der Verleihung des „Spiel des Jahres“ im nhow Hotel Berlin. Ausgezeichnet werden das Spiel des Jahres, das Kennerspiel des Jahres und das Kinderspiel des Jahres. Bewertet werden dabei Spielidee, Regelgestaltung, Layout und Design.

Reiner Knizia, Gewinner der Kategorie „Kennerspiel des Jahres 2026“ mit dem Spiel „Rebirth“ jubelt während der Verleihung des „Spiel des Jahres“ im nhow Hotel Berlin. Ausgezeichnet werden das Spiel des Jahres, das Kennerspiel des Jahres und das Kinderspiel des Jahres. Bewertet werden dabei Spielidee, Regelgestaltung, Layout und Design.

picture alliance/dpa, Carsten Koall

„Ich bin verflucht von Ideen“

Stillstand kennt Reiner Knizia nicht. Im Interview verrät er, dass ihm ständig neue Spielideen kommen. Er bezeichnet sich selbst sogar als „verflucht von Ideen“.

Damit nichts verloren geht, hat er ein eigenes Ordnungssystem entwickelt: In seiner Spielewerkstatt besitzt jede Idee ihre eigene A4-Schublade, insgesamt rund 100 Stück. Einige Konzepte werden intensiv weiterentwickelt, andere ruhen über Jahre. Sogar ein altes Zombiespiel wartet dort noch auf seine Zukunft.

Für Knizia liegt das Geheimnis erfolgreicher Brettspiele darin, Regeln und Mechaniken auf das Wesentliche zu reduzieren. Sein Anspruch: Ein Spiel soll so einfach wie möglich und gleichzeitig so spannend wie nötig sein.

Spiele spiegeln den Zeitgeist wider

Nach mehr als vier Jahrzehnten als Spieleautor beobachtet Knizia auch Veränderungen im Geschmack der Spieler. Seiner Einschätzung nach wünschen sich viele Menschen heute weniger Wettbewerb und mehr gemeinsames Spielerlebnis.

Kooperative und sogenannte Wohlfühlspiele seien deshalb gefragter denn je. Für den Entwickler aus der Region Neu-Ulm ist das ein Zeichen dafür, dass Gesellschaftsspiele immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind.

Mit seinem historischen „Spiel des Jahres“-Triple hat Reiner Knizia nun endgültig einen festen Platz in der Geschichte der Brettspiele sicher und zeigt eindrucksvoll, dass eine Idee aus Illertissen Menschen auf der ganzen Welt begeistern kann.

Quelle: Interview der Augsburger Allgemeinen mit Dr. Reiner Knizia.