Social-Media-Verbot für Kinder unter 16
: Australien als Vorreiter, Europa überlegt

Australien sperrt bald alle Social-Media-Accounts von Unter-16-Jährigen – Europa prüft ähnliche Schutzmaßnahmen für Kinder im Netz.
Von
Judith Müller
Straßburg/Brüssel
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Kinder sollen vor schädlichen Inhalten, manipulativen Algorithmen und süchtig machenden Social-Media-Plattformen geschützt werden. (Gestellte Szene)

Kinder sollen vor schädlichen Inhalten, manipulativen Algorithmen und süchtig machenden Social-Media-Plattformen geschützt werden. (Gestellte Szene)

picture alliance/dpa, Marijan Murat

In weniger als zwei Wochen tritt in Australien ein radikales Gesetz in Kraft: Ab dem 10. Dezember dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht mehr ohne Altersnachweis auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram oder Facebook zugreifen. Die Plattformen überprüfen derzeit die Altersangaben ihrer Nutzer – Accounts von Unter-16-Jährigen werden gesperrt.

Kinder besonders gefährdet in sozialen Medien

Die Debatte um den Schutz von Minderjährigen im Netz gewinnt auch in Europa an Fahrt. Katarina Barley, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, fordert ähnliche Maßnahmen für die EU. Sie betont:
„Eltern können heute kaum noch kontrollieren, welchen Inhalten ihre Kinder online begegnen. Dort sind sie schädlichen und expliziten Inhalten, manipulativen KI-Chatbots und süchtig machenden Algorithmen ausgesetzt.“

Barley weist auf die Folgen hin: Depressionen, verzerrtes Körperbild, Einsamkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit und Schlafprobleme.

Altersgrenzen und elterliche Zustimmung

Konkret schlägt das EU-Parlament vor:

  • Verbot für Kinder unter 13 Jahren auf Social-Media- und Video-Plattformen sowie KI-Begleiter-Apps
  • 13- bis 16-Jährige dürfen die Plattformen nur mit Zustimmung der Eltern nutzen

Christel Schaldemose, EU-Abgeordnete aus Dänemark, ergänzt: In Dänemark berichten 50 % der Jugendlichen, dass sie auf gewalttätige oder anstößige Inhalte stoßen. Werbung dominiert fast die Hälfte des Online-Konsums, weshalb sich viele Jugendliche eine Reduzierung der Bildschirmzeit wünschen. Eltern fühlen sich oft machtlos gegen die algorithmische Manipulation.

Alterskontrolle durch Apps

Das EU-Parlament fordert eine sichere Alterskontrolle, die sparsam mit Nutzerdaten umgeht. Auf dieser Basis hat die EU-Kommission eine Altersverifikations-App entwickelt. Länder wie Griechenland testen bereits nationale Versionen, Dänemark, Spanien, Italien und Belgien folgen.

Die Apps speichern das Alter der Nutzer über ein Ausweisdokument. Ist ein Kind zu jung, blockiert die sogenannte „Kids Wallet“ den Zugang zu Social Media. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen erklärt: „Diese App kann einen globalen Standard für Alterstests setzen, ohne dass Daten an Online-Plattformen weitergegeben werden müssen.“

Gesetzliche Lücken schließen

EU-Parlamentarier betonen, dass das Thema Kinderschutz im Netz größer ist als nur Alterskontrollen. Andreas Schwab (CDU) warnt: 97 % der Jugendlichen sind täglich online und besonders gefährdet durch manipulative Designs, süchtig machende Mechanismen und schädliche Inhalte.

Schwab fordert:

  • Regelungen gegen Dark Patterns
  • Beschränkungen für gezielte Werbung an Minderjährige
  • Schutz, ohne digitale Bildung zu verhindern

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigte an, die Erfahrungen Australiens in den Plan für europäische Social-Media-Regeln einfließen zu lassen.

Quelle: tagesschau.de