Sivert Bakken: Was zur Todesursache aktuell bekannt ist

Norwegens Sivert Guttorm Bakken tritt 2022 im Männer-Staffelrennen über 4 × 7,5 km beim Biathlon-Weltcup in Kontiolahti an. Der norwegische Biathlet Sivert Guttorm Bakken ist gestorben.
Vesa Moilanen/Lehtikuva/dpaDer plötzliche Tod Bakkens hat den Biathlonsport und viele darüber hinaus erschüttert. Was ist zu den Umständen aktuell bekannt?
Todesursache: Woran starb Sivert Bakken?
Nach wie vor ist unklar, warum der 27 Jahre alte Bakken so plötzlich starb. Die endgültigen Ergebnisse der Autopsie könnten nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erst am 7. März vorliegen. Bakken, der 2022 nach einer Herzmuskelentzündung zwei Jahre pausieren musste und sich jetzt ins Weltcupteam zurückgekämpft hatte, war mit anderen Teamkollegen zum Training in Italien. Bei seinem Auffinden trug er eine Höhenmaske. Ob sie der Grund für seinen Tod war, wird untersucht.
Klar ist, Bakken tat nichts Illegales. Nach Angaben von Anders Brun Hennum, Verantwortlicher für die Entwicklung im norwegischen Biathlon-Team, sei der Einsatz von solchen Masken im norwegischen Biathlon aber „sehr gering. Es gibt nur ganz wenige, die das genutzt oder ausprobiert haben“, sagte Hennum. Er hatte Bakken seit dessen 14. Lebensjahr eng begleitet. Die Initiative und Verantwortung habe bei den Aktiven gelegen, mit den Trainern habe es lediglich einen Austausch darüber gegeben, ergänzte Hennum.
Nach dem Tod Bakkens hatte der norwegische Biathlonverband mitgeteilt, dass solche Masken nicht Teil seiner offiziellen Trainingsprogramme seien. Der Verband untersagte die Verwendung nun bis auf Weiteres. Simuliertes Höhentraining war in Norwegen zwischen 2003 und 2021 verboten.
Was bringen solche Masken?
„Simulierte Höhe wird niemals der entscheidende Faktor sein. Im besten Fall geht es darum, für jemanden, der bereits auf einem unglaublich hohen Niveau ist, noch etwas mehr herauszuholen“, sagte Anders Overby, der neue Trainer der norwegischen Nationalmannschaft.
Was bringt aber so eine frei verkäufliche Maske? Ausdauersportler nutzen Höhentraining, um die Produktion roter Blutkörperchen zu erhöhen und damit den Sauerstofftransport zu verbessern. Das soll die Leistungsfähigkeit steigern, auch noch Wochen nach dem Training. Aber nicht jeder reagiert gut darauf, darunter ist zum Beispiel auch Gesamtweltcupsiegerin Franziska Preuß.
Die Masken erschweren das Atmen und simulieren durch verstellbare Ventile Höhenlagen von moderaten 2.000 Metern bis hin zu extremen Höhenlagen von mehr als 6.000 Metern - und sind jederzeit und egal wo einsetzbar. Sie sollen laut Studien aber keinen Effekt wie richtiges Höhentraining haben. Die Olympia-Strecken in Antholz liegen auf rund 1.600 Metern Höhe, das italienische Lavazé auf 1.800 Metern.
Die Regel, die über Leben und Tod entscheidet
Eigentlich gibt es klare Regeln für die Verwendung: Man soll sie nie alleine benutzen. Außerdem soll sie sich im Falle einer Bewusstlosigkeit des Trägers selbstständig lösen, damit die Sauerstoffzufuhr sofort wiederhergestellt wird. Ansonsten können die Folgen - wie bei dem alleine im Hotelzimmer gewesenen Bakken - verheerend sein: Der Betroffene kann ersticken, irreversible Hirnschäden steigen mit jeder Sekunde exponentiell an.
Laut der norwegischen Zeitung „VG“ sei die bei Bakken gefundene Maske so konfiguriert gewesen, dass sie eine Höhe von 7.000 Metern über dem Meeresspiegel simulierte. Zum Vergleich: Dies ist die Todeszone im Himalaya. Offen ist, ob Bakken die Maske selbst so einstellte, sie beim Abnehmen verstellt wurde, ein technischer Fehler vorlag oder doch andere Faktoren eine Rolle spielten.
Mit Material der dpa
