Im Iran ist die umstrittene Sittenpolizei aufgelöst worden. Die Aktion wird als Geste gegenüber den Demonstrierenden gewertet, die seit Wochen überall im Land auf die Straße gehen. „Die Sittenpolizei hat nichts mit der Judikative zu tun und wurde von denen, die sie geschaffen haben, abgeschafft“, sagte Generalstaatsanwalt Mohammed Dschafar Montaseri am Samstagabend nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna in der zentraliranischen Stadt Ghom.

Warum wurde die Sittenpolizei aufgelöst?

Auslöser der andauernden Proteste im Iran war der Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini drei Tage nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei Mitte September 2022. Sie soll gegen die Kleiderordnung für Frauen verstoßen haben, die Frauen das Tragen eines Kopftuchs in der Öffentlichkeit vorschreibt. Nach Angaben eines Generals der Revolutionsgarden vom 30.11. wurden mehr als 300 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten getötet.

Was macht die Sittenpolizei im Iran?

Die Sittenpolizei im Iran ist vor allem dafür zuständig, die strengen islamischen Kleidervorschriften durchzusetzen.

Welche Kleidervorschriften gelten im Iran?

Für Frauen (ab neun Jahren) und auch Männer gelten laut Auswärtigem Amt in Berlin diese islamischen Kleidungsvorschriften: Der Mantel für Frauen (genannt Manteau) muss die weiblichen Körperformen verhüllen. Haare und Nacken müssen durch ein Kopftuch bedeckt sein. Arme und Beine müssen bis zu den Handgelenken bzw. Fußknöcheln bedeckt sein. Männer müssen lange Hosen tragen, kurzärmelige T-Shirts sind jedoch akzeptiert. An religiösen Orten wie Moscheen müssen jedoch lange Hemden getragen werden. Es werden Kontrollen auf korrekte Kleidung durchgeführt, vor allem in religiös bedeutenden Städten wie Mashhad oder Qom, immer wieder aber auch in Teheran.
(mit Material von AFP)