Bucks heile Welt Schwert-Schlucker

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Autorenfoto © Foto: Christian Käsmayr
Ulm / Gerlinde Buck 08.09.2018

Er schleckt beim Essen das Messer ab. Nicht nur gelegentlich flüchtig die Spitze,  sondern immer genüsslich die komplette Klinge.  Seit Freundin Annelieses Mann in Rente ist, fällt ihr dreimal täglich auf, dass sie vor 32 Jahren einen  Schwert-Schlucker geehelicht hat.  Nicht, dass ihr seine zweifelhafte Neigung nicht schon vor der Pensionierung  aufgestoßen wäre. Aber eben nur am kantinenlosen Wochenende, und da half  Anneliese meist eine Extradosis Schüssler-Salz Nr. 2 beim Grauen-Verdauen.

Jetzt aber fühlt sie sich plötzlich ohnmächtig. Ihrem Schwert-Schlucker ausgeliefert, mit Haut und Haaren. „I ka doch ned da ganza Dag des komische Salz-Zuig fressa“, klagt sie.  Und selbst ihre in vielen Krisen bewährte Achtsamkeitsübung – innerlich einen Schritt zurücktreten, das Geschehen von außen betrachten und als Pillepällchen in die  kosmische Ordnung  einsortieren –  erziele nurmehr selten die gewünschte Wirkung.  Wenn der sei Messer schdendig bis zom Zäpfle en dr’Gosch hot, bringt ihrer Meinung nach nur noch ein Tritt gegen das Tischbein einen Fortschritt.

     Gemach, gemach. Selbst  eine Beziehung auf Messers Schneide  kann unblutig enden. Haben wir gerade in der Volkshochschule gelernt. Es gibt sogar ein Zauberwort dafür: resignative Reife. Man regt sich einfach über gar nichts mehr auf. Man  kann es natürlich auch mit getrennten Esszimmern probieren.

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