RSV-Welle aktuell
: Kann man sich jetzt noch impfen lassen?

Laut dem Robert Koch-Institut steckt Deutschland in einer RSV-Welle. Lohnt jetzt noch eine Impfung?
Von
Nicole Züge
Berlin
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Die RSV-Welle hat Deutschland im Griff. Welche Personengruppe aktuell besonders betroffen ist und ob sich eine Impfung aktuell noch lohnt.

Die RSV-Welle hat Deutschland im Griff. Welche Personengruppe aktuell besonders betroffen ist und ob sich eine Impfung aktuell noch lohnt.

Fabian Sommer/dpa

Die RSV-Welle hat begonnen. Im letzten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts wurden aktuelle Zahlen aus Arztpraxen in ganz Deutschland vorgelegt, die zeigen: Die Zahl der Infektionen mit dem „Respiratorischen Synzytial-Virus“ hat in der 4. Kalenderwoche des Jahres 2026 deutlich zugelegt. Alles Wichtige zu den Symptomen des RS-Virus und wer sich jetzt noch impfen lassen sollte.

RSV-Fälle bundesweit gestiegen

In der vierten Meldewoche 2026 registrierte das RKI 2.808 RSV-Fälle, der größte Teil der Fälle ist im Labor bestätigt worden. Bei Kindern zwischen null und vier Jahren lag die Positivrate bei 23 Prozent – diese Altersgruppe verzeichnet den stärksten Anstieg. Gut ein Fünftel der erkrankten Kinder musste ins Krankenhaus.

Auch die Bundesländer, zum Beispiel das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales, melden hohe Fallzahlen bei null- bis zweijährigen Kindern. Auffällig: Auch bei über 75-Jährigen steigt die Inzidenz seit Mitte Januar stark an. Ältere Menschen gehören wie Säuglinge und Kleinkinder zur Risikogruppe für schwere Verläufe. Zwischen Ende 2025 und Mitte Januar starben 31 Menschen an RSV, 90 Prozent waren 60 Jahre oder älter.

Symptome von RSV

RSV-Infektionen verlaufen unterschiedlich. Sie reichen von milden Atemwegssymptomen bis zu schweren Erkrankungen der unteren Atemwege mit Beatmungspflicht. Im ersten Lebensjahr infizieren sich laut dem Gesundheitsministerium zwischen 50 und 70 Prozent aller Säuglinge mindestens einmal mit RSV. In Deutschland sind RSV-Infektionen die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen.

Besonders gefährdet sind Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten. Die meisten schweren Verläufe betreffen zuvor gesunde Säuglinge. Mögliche Komplikationen sind Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen oder kombinierte Entzündungen von Luftröhre und Bronchien. Bei Erwachsenen zeigt sich eine RSV-Infektion meist als Erkältung mit Schnupfen, Husten, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit und Fieber. Bei Risikopersonen kann es zu schweren Verläufen kommen, etwa mit Lungenentzündung.

Wie wird RSV übertragen?

RSV überträgt sich vor allem über Tröpfchen. Beim Niesen oder Husten gelangen virus­haltige Partikel in die Luft. Eine Ansteckung erfolgt auch über direkten Kontakt, etwa von Hand zu Hand, sowie über gemeinsam genutzte Gegenstände und Oberflächen.

In Atemwegssekreten bleibt das Virus infektiös. Auf Händen kann es bis zu 20 Minuten, auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln bis zu 45 Minuten überleben. Schutz bieten - neben einer Impfung (siehe unten) - Masken, Abstand, regelmäßiges Lüften und gründliches Händewaschen. Augen, Nase und Mund sollten nicht mit ungewaschenen Händen berührt werden.

Gibt es eine Impfung gegen RSV?

Die gibt es. Die STIKO empfiehlt allen Menschen ab 75 Jahren eine einmalige RSV-Impfung, idealerweise im September oder Anfang Oktober vor Beginn der RSV-Saison. Für 60- bis 74-Jährige gilt die Impfempfehlung, wenn sie an einer schweren Form bestimmter Grunderkrankungen leiden oder in einer Pflegeeinrichtung leben. Zu den relevanten Grunderkrankungen zählen schwere Formen von chronischen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen, hämato-onkologischen Erkrankungen, Diabetes mellitus mit Komplikationen sowie angeborener oder erworbener Immundefizienz.

Leichte oder medikamentös gut kontrollierte Formen dieser Erkrankungen erhöhen das Risiko für schwere RSV-Verläufe nach aktuellem Wissensstand nicht wesentlich. In diesen Fällen besteht keine Impfempfehlung. Eine Impfung außerhalb der Empfehlung kann nach individueller Abwägung mit dem Arzt erfolgen.

Kann und sollte man sich jetzt noch impfen lassen?

Der optimale Impfzeitpunkt liegt laut RKI im September oder Anfang Oktober, um in der folgenden RSV-Saison (Oktober bis März) bestmöglich geschützt zu sein. Der Impfschutz baut sich innerhalb von etwa 14 Tagen auf. Wurde die Impfung vor Saisonbeginn versäumt, sollte sie laut dem RKI während der laufenden Saison nachgeholt werden.

Welche Impfstoffe gibt es?

Derzeit stehen zwei proteinbasierte und ein mRNA-RSV-Impfstoff zur Verfügung. Die STIKO spricht keine Präferenz aus, alle drei Impfstoffe gelten als gleichwertig. Ob später Auffrischungsimpfungen nötig sind, lässt sich aufgrund der aktuellen Datenlage bislang nicht beantworten.