Seit Beginn der Corona-Krise haben sich dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge in Deutschland mehr als 20.400 Mitarbeiter von Kranken- und Pflegeeinrichtungen mit dem Coronavirus infiziert. Davon haben laut RKI mittlerweile geschätzte 19.100 Menschen die Infektion überstanden.
Alleine in Krankenhäusern, Praxen, Dialyseeinrichtungen und bei Rettungsdiensten verzeichnete das RKI bislang mehr als 11.800 Corona-Fälle (Stand 18.5., 0 Uhr). In Pflege- und anderen Wohneinrichtungen waren es mehr als 8.500 Infektionen. 61 Menschen sind gestorben.

Forderung nach regelmäßigen Tests für Mitarbeiter im Gesundheitswesen

Personal in Gesundheitseinrichtungen werde allerdings nur punktuell auf das Virus getestet, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag. Das RKI habe auf Anfrage der Zeitung eingeräumt, es sei dem Institut nicht bekannt, wie umfassend in den Einrichtungen getestet werde. Die Krankenhäuser drängen auf regelmäßige Tests für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. „Die Testung der Beschäftigten in Kliniken und Pflegeheimen hat eine zentrale systemrelevante Bedeutung in dieser Phase der Bekämpfung des Virus.
Da sollten die Kosten des Tests kein Hemmnis sein“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Einmal wöchentlich sollte das Klinikpersonal getestet werden.“ Die Kosten für diese Tests müssten gegenfinanziert werden. Patientenschützer forderten flächendeckende Tests und Schutzkonzepte für Pflegeeinrichtungen.

Mehr Tests im Umfeld gefährdeter Menschen

Eine weitere Ausdehnung von Tests sieht ein in der vergangenen Woche beschlossenes Gesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor. Sie sollen auch unabhängig von Symptomen auf Kassenkosten ermöglicht werden. Ausdrücklich mehr getestet werden soll auch im Umfeld besonders gefährdeter Menschen, zum Beispiel in Pflegeheimen. Aus Sicht der Kliniken sei die vorgesehene Testung symptomfreier Personen ein wichtiger und unverzichtbarer Schritt im Kampf gegen das Virus. In einer vorgesehenen Rechtsverordnung des Gesundheitsministeriums müssten auch Mitarbeiter der Kliniken in den Kreis der besonders gefährdeten Personen explizit einbezogen werden.

Einheitliches Konzept für Kliniken und Pflegeheime gefordert

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte von Bund, Ländern, Gemeinden und Trägern ein einheitliches Grundkonzept für Kliniken und Pflegeheime. „Systematische wöchentliche Testungen aller Beteiligten sind notwendig“, sagte Vorstand Eugen Brysch der dpa. Sie seien aber kein Ersatz für einen sicheren Infektionsgrundschutz. Nötig sei auch ein Monitoring, wer mit wem wann in einer Einrichtung Kontakt hatte. Vorgeschrieben werden müsse zudem eine Trennung von Infizierten und Nichtinfizierten sowie Menschen mit ausstehendem Testergebnis. Bisher gebe es einen Flickenteppich an Maßnahmen.
Der Berufsverband Akkreditierte Labore in der Medizin erläuterte, die Einrichtungen seien auf eine Ausweitung vorbereitet. In der vergangenen Woche sei die Zahl der vorgenommenen Tests auf 364.700 gesteigert worden. Die möglichen Kapazitäten pro Woche lägen jetzt bei 845.000 PCR-Tests.