Right Livelihood Award
: "Alternativer Nobelpreis" - Was ist das eigentlich?

Am 2. Dezember wird der Right Livelihood Award, auch bekannt als „Alternativer Nobelpreis“ in Stockholm verliehen. Hier gibt es alle Infos im Überblick.
Von
Theresa Thiem
Stockholm
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Alternative Nobelpreisträger werden bekanntgegeben: ARCHIV - 29.09.2022, Schweden, Stockholm: Ole von Uexküll, Direktor der Right Livelihood Foundation, verkündet die Preisträger des Right Livelihood Award während einer Pressekonferenz im Kulturhaus in Stockholm. In Skandinavien stehen bald die diesjährigen Nobelpreis-Bekanntgaben an, doch vorher wird zunächst ein anderer wichtiger Preis vergeben: Am Donnerstag (8.00 Uhr) wird in Stockholm verkündet, wer in diesem Jahr den Right Livelihood Award erhält. Mit der Auszeichnung, die gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bekannt ist, werden seit 1980 mutige Vorkämpfer für Menschenrechte, Umwelt und Frieden geehrt. (zu dpa: «Alternative Nobelpreisträger werden bekanntgegeben») Foto: Jessica Gow/TT NEWS AGENCY/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mittlerweile ist Ole von Uexküll, der Neffe des Gründers Jakob von Uexküll, Direktor der Right Livelihood Foundation.

Jessica Gow/TT NEWS AGENCY/dpa

Schon seit Oktober steht fest, wer 2025 den Right Livelihood Award erhalten wird. Nun steht die Verleihung vor der Tür. Was genau hat es mit dem sogenannten „Alternativen Nobelpreis auf sich?

„Alternativer Nobelpreis“: Was ist das?

Der Right Livelihood Award wird seit 1980 jährlich als Auszeichnung für die Gestaltung einer besseren Welt verliehen. In den Anfangsjahren des Awards entstand die Bezeichnung „Alternativer Nobelpreis“, die nicht offiziell ist, aber dennoch häufig verwendet wird. Der Preis ist doch Spenden finanziert und wird von der Stiftung „Right Livelihood Award Foundation“ vergeben.

Warum gibt es den „Alternativen Nobelpreis“?

In den 1970er Jahren reiste Jakob von Uexküll durch die Welt. Dabei erschütterten die Umweltzerstörung und Armut den schwedisch-deutschen Philatelist und Journalist. Im Jahr 1980 schlug von Uexküll daraufhin vor, zusätzliche Nobelpreise zu vergeben, die auf die Bedürfnisse von Menschen in der Dritten Welt ausgerichtet sind. Seine Idee sah zwei neue Nobelpreise vor: Einen für Ökologie und einen für die Überwindung von Armut. Allerdings wurde sein Vorschlag von der Nobelstiftung abgelehnt, da die Regeln des Nobelpreises keine Erweiterung erlaubten und das gestiftete Vermögen von Alfred Nobel nur für den ursprünglichen Nobelpreis verwendet werden dufte.

„Alternativer Nobelpreis“: Wo findet die Verleihung statt?

Genau wie beim Nobelpreis werden auch beim Right Livelihood Award Ende September/Anfang Oktober die Preisträger im Pressezentrum des Schwedischen Außenministeriums bekanntgegeben. Die Preise werden dann Ende November/Anfang Dezember verliehen. Die Verleihung des „Alternativen Nobelpreis“ wurde lange im Stockholmer Reichstagsgebäude veranstaltet. Seit 2015 variieren die Orte der Preisverleihung jedoch.

Wer kann den „Alternativen Nobelpreis“ gewinnen?

Alle Personen, Organisationen und Repräsentanten von sozialen Bewegungen, die sich für praktische Modelle und Lösungen für eine menschenwürdige Existenzgrundlage einsetzen, können den Right Livelihood Award gewinnen. Strenge Kategorien gibt es dabei nicht. Die bisherigen Preisträger wurden meist für Verdienste in den Bereichen Umwelt, Frieden, Abrüstung, Menschenrechte, Entwicklung, Kultur, Spiritualität, indigene Völker, Verbraucherschutz, Bildung, Gesundheit, Energie und Ressourcenschonung ausgezeichnet.

Ein Unterschied zum Nobelpreis liegt darin, dass jeder das Recht hat, eine Organisation oder einen anderen Menschen für den Right Livelihood Award vorzuschlagen. Nur die Jury des „Alternativen Nobelpreises“, Jakob von Uexküll eingeschlossen, darf keine Vorschläge für den Preis abgeben. Etwa 100 Kandidaten werden jedes Jahr für den Award vorgeschlagen. Danach entscheiden die internationale Jury.

„Alternativer Nobelpreis“ 2024: Wer hat gewonnen?

Seit der Gründung des Preises gewinnen jährlich in der Regel vier Personen oder Organisationen den Right Livelihood Award. 2024 wurde der „Alternative Nobelpreis“ an die folgenden verliehen:

  • Forensic Architecture (gegründet 2011, Vereinigtes Königreich): Erhielt den Right Livelihood Award für die Entwicklung interdisziplinärer und digitaler forensischer Methoden, im Namen von Gerechtigkeit und Würde für die Opfer von Menschen und Umweltrechtsverletzungen.
  • Anabela Lemos (geboren 1953) und Justiça Ambiental! (gegründet 2004, Mosambik): Erhielten den Right Livelihood Award für die Befähigung von Menschen, für ihre Rechte einzutreten, sich ausbeuterischen Großprojekten entgegenzustellen und ökologische Gerechtigkeit einzufordern.
  • Issa Amro (geboren 1980) und Youth Against Settlements (gegründet 2007, Palästina): Erhielten den Right Livelihood Award für den gewaltfreien Widerstand gegen die illegale israelische Besatzung und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements von Palästinensern mit friedlichen Mitteln.
  • Joan Carling (geboren 1963, Philippinen): Erhielt den Right Livelihood Award für die Stärkung indigener Stimmen angesichts des globalen ökologischen Kollapses und ihre Führungsrolle bei der Verteidigung von Menschen, Land und Kultur.

Verleihung 2025: Wer bekommt den „Alternativen Nobelpreis“?

Schon seit Oktober diesen Jahres steht fest, wer 2025 den Right Livelihood Award gewinnen wird. Verliehen wird der Right Livelihood Award am 2. Dezember 2025 in Stockholm. Es gibt auch eine Live-Übertragung der Verleihung. Das sind die vier Gewinner in diesem Jahr:

  • Pacific Islands Students Fighting Climate Change (gegründet 2019) und Julian Aguon (geboren 1982, Pazifische Inseln, Guam): Erhalten den Right Livelihood Award für den Ruf nach Klimagerechtigkeit vor dem Internationalen Gerichtshof, der Überleben zum Menschenrecht und Klimaaktionen zu einer Rechtspflicht erklärt hat.
  • Justice for Myanmar (gegründet 2019, Myanmar): Erhält den Right Livelihood Award für ihren Mut sowie ihre pionierhaften investigativen Methoden, die internationale Unterstützung für Myanmars korruptes Militär aufzudecken und zu schwächen.
  • Audrey Tang (geboren 1981, Taiwan): Erhält den Right Livelihood Award für das Voranbringen des sozialen Gebrauchs digitaler Technologie, um Bürger zu stärken, die Demokratie zu erneuern und Spaltungen zu überwinden.
  • Emergency Response Rooms (gegründet 2020, Sudan): Erhält den Right Livelihood Award für den Aufbau einer resilienten Art gegenseitiger Hilfe inmitten von Krieg und Staatszerfall, durch welche Millionen von Menschen ihre Würde bewahren können.

„Alternativer Nobelpreis“: Was erhalten die Gewinner?

Da das Preisgeld durch Spenden finanziert, ist die Höhe des ausgeschütteten Geldes nicht konstant. So bekamen die Gewinner im Jahr 1980 einen Preis in Höhe von 225.000 schwedischen Kronen. Im Jahr 2021 erhielten die Gewinner dagegen 4.000.000 schwedische Kronen. Zusätzlich zu dem Geld erhalten die Gewinner des Right Livelihood Awards eine Skulptur, die aus dem Metall beschlagnahmter Waffen besteht.

Alternative Nobelpreise 2025

Die Skulptur, die die Preisträger erhalten, wird von der Bildhauerin Eva Hild gestaltet und besteht aus dem Metall von beschlagnahmten Waffen.

Right Livelihood Foundation/dpa