Reisezeit: Griechenland geht gegen Strandbesetzer vor

Der Tourismus in Griechenland hat in den vergangenen Jahren enorm zugelegt. Unser Foto entstand bei Athen.
Yorgos Karahalis/AP/dpa- Gemeinden in Chalkidiki räumen Strände – gegen reservierte Plätze mit Schlössern und Ketten.
- In Gerakini entfernten Teams am Dienstag über 100 Schirme, Liegen, Tische und Stühle.
- Warnhinweise per Flugblatt wurden ignoriert, daher Einsätze mit Radlader und Winkelschleifer.
- Zurückgelassene Gegenstände gelten als Müll und wurden dem Recycling zugeführt.
- Meltemi bremste Fähren: In Rafina und Lavrio lagen Schiffe fest, inzwischen beruhigte sich das Wetter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Man kennt es aus den Urlauberhotels auf den Kanaren, an der türkischen Riviera oder in der griechischen Ägäis: Schon im Morgengrauen quietschen die Badelatschen auf den Fluren. Noch schlaftrunken eilen Touristen zum Pool, um die besten Liegen mit Handtüchern, Kleidungsstücken oder anderen Utensilien zu reservieren. Diese auch bei deutschen Gästen zu beobachtende Unart hat sich längst auch an den Stränden ausgebreitet. Eine Gemeinde in Nordgriechenland geht jetzt massiv dagegen vor.
Sie kamen noch vor Sonnenaufgang: Mitarbeitende der Gemeindeverwaltung von Gerakini auf der Halbinsel Chalkidiki rückten am Dienstagmorgen dieser Woche mit schwerem Gerät am Strand des Urlaubsortes an: Ein Radlader, ein Schwerlaster und zwei Pickup-Trucks tauchten auf. Was die Frauen und Männer der Straßenreinigung von Gerakini antrafen, bringt Einheimische und Kommunalpolitiker seit Wochen in Rage: Tief in den Sand gerammte Sonnenschirme, Plastiktische, Sonnenliegen und Klappstühle stehen dort, gesichert mit eisernen Ketten und schweren Vorhängeschlössern. So nehmen ausländische Touristen, die in den Strandhotels Ferien machen, „ihre“ Plätze am Strand in Beschlag. Die Urlauber hier kommen vor allem aus Nachbarländern wie Rumänien, Bulgarien, Nordmazedonien und Serbien.
Seit Tagen hatte die Gemeindeverwaltung mit Flugblättern die Urlauber darauf hingewiesen, dass diese Art von Reservierung in Gerakini nicht akzeptiert wird. Die Gäste wurden aufgefordert, alle persönlichen Gegenstände am Abend vom Strand zu entfernen. Die wenigsten hielten sich daran.
Tief im Sand verankerte Schirme
Am Dienstag sammelten die Reinigungscrews über 100 Sonnenschirme, Plastiktische, Liegen und Klappstühle am Strand ein. Viele Schirme waren so tief im Sand verankert, dass sie nur mit der Baggerschaufel des Radladers ausgehoben werden konnten. Um die Ketten zu durchtrennen, mit denen die Urlauber ihre Utensilien gesichert hatten, mussten die Einsatzkräfte Winkelschleifer benutzen.
„Wir suchen keinen Streit mit unseren Gästen“, sagt der Vizebürgermeister der Gemeinde, Vasilis Fardogiannis. Er verteidigt die Reinigungsaktion am frühen Morgen als „selbstverständliche Aktion, um unseren öffentlichen Raum zu schützen und sicherzustellen, dass für alle die gleichen Regeln gelten“. Fardinogiannis kündigte weitere Kontrollen und Räumungsaktionen an, „um unsere Strände sauber, frei und für alle Einheimischen sowie Touristen zugänglich zu halten“.
Gerakini ist nicht die erste Gemeinde, die gegen die „Strandbesetzer“ vorgeht. Bereits im vergangenen Sommer schickte der Bürgermeister von Kassandra auf der Halbinsel Chalkidiki Räumkommandos an die Strände. Sie sammelten mehr als zwei Tonnen Handtücher, Liegen, Kinderspielzeug und sonstiges Strandmobiliar ein.
Die Urlauber, die ihre Utensilien trotz der Warnungen über Nacht am Strand zurückließen, haben das Nachsehen. Sie bekommen ihre Liegen, Sonnenschirme, Luftmatratzen, Klappstühle und Plastiktische nicht zurück. Herrenloses Strandgut gilt nach griechischen Gesetzen als „Müll“. Die Gegenstände wurden dem Recycling zugeführt.
Der Wind „Meltemi“
Die griechischen Tourismusgebiete in weiten Teilen der Ägäis litten in den vergangenen Tagen unter starkem Nordwind. Der für die Jahreszeit typische Wind „Meltemi“ bläst mit rund 70 Kilometern die Stunde, Böen erreichen auch mehr als 100 Kilometer die Stunde. Durch den Wind können aus kleinen Feuern, die aufgrund der Trockenheit derzeit auch in Griechenland häufig auftreten, Flächenbrände entstehen. Windbedingt mussten zudem ausgerechnet am Höhepunkt der Reisezeit vorübergehend viele Fähren in den Häfen bleiben. Während vom Hafen Piräus etliche Fähren teils mit Verspätung fuhren, blieben die Schiffe in den Häfen Rafina und Lavrio zunächst vertäut. Mittlerweile hat sich die Wetterlage aber beruhigt.