Heilbronn / Hans Georg Frank  Uhr
Im Prozess um den Tod des siebenjährigen Ole aus Künzelsau hat sich die Hoffnung des Landgerichts Heilbronn auf ein Geständnis der angeklagten Pflegeoma am Montag nicht erfüllt.

Das Schwurgericht hatte ein Vier-Augen-Gespräch von Elisabeth S. (70) mit dem psychiatrischen Gutachter arrangiert, weil die Frau laut ihrer Verteidigerin nicht vor der Öffentlichkeit reden könne. Seit Beginn des Prozesses wegen Totschlags schweigt sie trotz Bitten von Gericht und Eltern des Opfers.

Die einstündige Unterredung mit Thomas Heinrich vom Psychiatrischen Krankenhaus in Weinsberg erbrachte keine Aufklärung über den wahren Tathergang. „Sie kriege das nicht auf die Reihe“, habe sie dem Experten gesagt, „sie wisse nicht, wie es passiert sei.“ Zwar schilderte sie einigermaßen detailliert, wie Ole an jenem Tag im April 2018 in ihr Haus gekommen ist, wie sie Hausaufgaben erledigt, gespielt und Filme („Tom & Jerry), wie sie gegessen hätten („Würstchen mit Kartoffeln“). Wie es zum Tod des Kindes kam, bliebt unklar. Ole sei wegen Atemnot aufgewacht, sie habe ihn im Badezimmer „mit Wasser beträufelt“, dabei sei ihr der Junge in die gefüllte Wanne „geplumpst“. Dann sei sie „in Panik“ zum Fluss Kocher gelaufen. Sie habe Ole „nicht bewusst etwas angetan“. Das leblose Kind sei von ihr nicht reanimiert worden, „nur geschüttelt“.

Der Tod eines Siebenjährigen ist ungeklärt, weil sich die angeklagte Ersatzoma nicht öffentlich im Gerichtssaal äußern will. Richter: „Wir fischen im Trüben.“

Pflegeoma schildert verschiedene Versionen

Das Wasser war am Abend in die Wanne gelassen worden, weil der ihr anvertraute Ole habe baden wollen, behauptete die Witwe. Die Eltern hatten jedoch bereits zu Prozessbeginn erklärt, dass sich ihr Sohn vehement dagegen sträubte, in eine Badewanne zu steigen. Selbst unter die Dusche habe sie Ole nur mit viel Zureden bringen können, hatte die Mutter gesagt.

In einer nachgereichten Erklärung ihrer Anwältin Anke Stiefel-Bechdolf ließ Elisabeth S. mitteilen, dass sie angenommen habe, Ole habe sich „an etwas verschluckt“. Deshalb habe sie ihn geschüttelt und gedrückt, „auch am Hals“ – „weil ich doch wollte, dass er lebt“.

Diese Schilderung bezeichnete der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth als „dritte Version“. Denn der Polizei hatte die Angeklagte gesagt, Ole sei auf dem Bett herumgehüpft und dabei mit dem Hals gegen die Bettkante gefallen. Sie habe das leblose Kind in die Badewanne gelegt und sei weggelaufen. Am Hals des Kindes entdeckte die Notärztin Würgemale.

Nach dem Tod eines Siebenjährigen in Künzelsau steht seit Dienstag die langjährige Pflegeoma des Jungen vor Gericht.

Eltern des siebenjährigen Ole sind empört und kraftlos

Oles Vater reagierte empört auf die Darstellungen, seine Frau hatte erst gar nicht die Kraft aufgebracht, in die Verhandlung zu kommen. „Die Erklärung verstärkt unheimlich unseren Schmerz, den wir haben, nachdem Ole nicht mehr da ist“, sagte Jens T., „es ist kaum auszuhalten, dass wir uns so etwas anhören müssen.“ Ihr Sohn sei „kerngesund“ gewesen. Jens Rabe, der Anwalt der Familie, nannte in einer Stellungnahme die Angst der Angeklagten, künftig weniger Kontakte mit dem Schulbuben zu haben als „das klare Motiv der Tat“. Als gelernte Krankenschwester hätte sie den Unterschied zwischen Reanimation und Erwürgen eindeutig kennen müssen. Ihre Erklärungen seien „Schrott“.

Ersatzoma übernimmt Verantwortung

Das Schwurgericht gab sich ungehalten über das Verhalten der Angeklagten: „Wir sind an dem Punkt, an dem wir nicht mehr mit uns spielen lassen.“ Erst auf erheblichen Druck des Richters rang sich S. zu einem Bekenntnis durch: „Ich übernehme die Verantwortung für den Tod von Ole, anders möchte ich nicht verstanden werden.“ Kleinschroth hatte sie gefragt, „wer war es dann, wenn sie es nicht waren“.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Dann soll erneut der Sohn der Rentnerin als Zeuge gehört werden.

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