Nach gut anderthalb Jahren nähert sich der Prozess gegen den mutmaßlichen Reichsbürger und einstigen Schönheitskönig Adrian U. dem Ende. Vor dem Landgericht Halle werden am Montag die Plädoyers erwartet. Der Angeklagte soll im August 2016 bei der Zwangsräumung seines Hauses in Reuden in Sachsen-Anhalt auf einen Beamten eines Sondereinsatzkommandos (SEK) geschossen haben. Den Vorwurf des versuchten Mordes an dem Polizisten bestreitet der 44-Jährige vehement.

Der selbsternannte Gründer des Ministaats "Ur" sollte sein Haus im Burgenland räumen, weil er Verbindlichkeiten für das Grundstück nicht bedient hatte. An jenem 25. August 2016 stand der Gerichtsvollzieher erneut vor der Tür und mit ihm rund 200 Polizisten, nachdem die Zwangsräumung im ersten Versuch an der Gegenwehr von Adrian U.s Unterstützern gescheitert war.

Auch beim zweiten Anlauf wurden die Beamten beim Betreten des Grundstücks sofort aus einer Menschengruppe heraus angegriffen und mit Pflastersteinen beworfen. Schließlich kam es zu dem Schusswechsel, bei dem auch U. schwer verletzt wurde.

Laut Anklage soll Adrian U. mit einem Revolver aus dem Haus gekommen sein und ungeachtet der Aufforderung zum Niederlegen der Waffe gezielt auf den Kopf eines Polizeibeamten geschossen und diesen am Hals verletzt haben. Nur dank der Schutzausrüstung kam es nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht zu einer tödlichen Verletzung. U. wird daher versuchter Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Verstößen gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Adrian U. bestritt den Schuss auf den SEK-Mann bis zuletzt. Der ehemalige Mister Germany inszenierte sich vor Gericht vielmehr als Opfer einer Verschwörung, sprach von einer "widerrechtlichen Anklage" und nutzte den Gerichtssaal gleichsam als Bühne, um seine Abscheu gegen jegliche staatliche Institutionen zu zeigen. Auch aus Sicht seiner Verteidiger ist der Tatablauf nach wie vor völlig unklar.

Mehr als 50 Verhandlungstage zog sich der Prozess hin, begleitet von einer Antragsflut der Verteidigung. Nach den für Montag erwarteten Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hat Adrian U. Gelegenheit zum letzten Wort. Ob am selben Tag womöglich auch das Urteil gesprochen wird, ist allerdings noch fraglich. Denn im bisherigen Verfahren neigte der 44-Jährige zu langen Ausschweifungen.