Normalerweise ist der Winter die Zeit, in der Allergiker aufatmen können. Keine oder nur wenige Pollen sind dann in der Luft unterwegs und verursachen Beschwerden. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Denn: Die ersten Pollen haben bereits einen Frühstart hingelegt.

Pollen 2023: Welche sind schon da und warum so früh?

Die vergleichsweise hohen Temperaturen in diesem Winter haben für Allergiker unangenehme Nebenwirkungen: Die Haselnuss blüht in manchen Regionen in Deutschland bereits seit Dezember, die Erle ist kurz vor der Blüte. Ist das normal? Eine Antwort auf diese Frage hat Agrarmeteorologe Wolfgang Janssen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach: „Das ist mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr.“ Der Experte verweist auf den Klimawandel. So herrschten beispielsweise zum Jahreswechsel Rekordtemperaturen. Die Meteorologen registrierten das wärmste Silvester im Südwesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Gleich drei der fünf wärmsten Orte in Deutschland an Silvester lagen demnach in Baden-Württemberg. Die vorläufig höchste Temperatur im Land verzeichnete der Deutsche Wetterdienst in Müllheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) sowie in Ohlsbach (Ortenaukreis) mit jeweils 20,3 Grad. Metzingen (Kreis Reutlingen) lag mit 19,8 Grad knapp dahinter. Wenn es die nächsten Wochen weiter mild bleibt - und danach sieht es aus - werden demnach bereits am 25. Januar sämtliche Haselnusssträucher blühen und reichlich Pollen verteilen. Der Durchschnittstag hierfür ist seit den 1990er Jahren der 10. Februar, zuvor war es im Mittel erst am 25. Februar so weit.

Haselnuss und Erle - Wie weit sind die Pollen aktuell?

In diesem und im vorherigen Winter haben bereits Ende Dezember neun Prozent der Haselnusssträucher geblüht - üblich wäre eine solche Quote erst zwei Wochen später. Agrarmeteorologe Wolfgang Janssen: „Im Jahr 2016 lag der Anteil sogar schon am 15. Dezember bei neun Prozent.“
So weit ist die Erle zwar noch lange nicht, ihr Blühanteil liegt aktuell erst bei einem Prozent, wie es weiter hieß. Allerdings fängt sie im langjährigen Mittel erst Anfang März an, ihre Pollen zu verteilen. Hier und da blicken zudem bereits Schneeglöckchen aus der Erde, auch bei ihnen liegt der Anteil demnach bei einem Prozent. Sie blühen Janssen zufolge normalerweise im Mittel ab etwa dem 17. Februar.

Hilft Honig gegen Heuschnupfen?

Hartnäckig hält sich unter Allergikern die Annahme, dass die regelmäßige Einnahme von heimischem Honig gegen so manchen Heuschnupfen hilft. Die darin befindlichen Pollen sollen einen positiven Effekt auf das Immunsystem haben. Stimmt das? Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund rät davon ab: „Normalerweise ist die jeweilige Pollenart im Honig nicht in ausreichender Menge vorhanden, um einen wirksamen Effekt zu erzielen.“
(mit Material von dpa)