• Am frühen Montagmorgen sind in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle zwei Polizisten erschossen worden
  • Beide Beamte starben noch am Tatort, die jüngere Polizistin war nach ersten Erkenntnissen sofort tot
  • Innenministerin Nancy Faeser sprach von einer „Hinrichtung
  • Am Dienstag wurden zwei Männer dem Haftrichter vorgeführt
  • Beide Männer befinden sich in Untersuchungshaft
  • Ersten Erkenntnissen zufolge schossen sie auf die Beamten, weil sie beim Wildern erwischt wurden
Es ist eine Tat, die zum Wochenbeginn in ganz Deutschland für Entsetzen und Mitgefühl sorgt. Zwei junge Polizisten sind in der Nacht auf Montag, 31.01.2022, im Landkreis Kusel (Rheinland-Pfalz) erschossen worden. Laut Polizeimitteilung vom Montagmorgen wurden die beiden Polizeibeamten bei einer Verkehrskontrolle auf der Kreisstraße 22 angegriffen und getötet. Laut der Mitteilung fielen die tödlichen Schüsse gegen 4.20 Uhr.
Die Polizisten hätten noch selbst eine Funkmeldung absetzen können, sagte ein Polizeisprecher. Als die Verstärkung am Tatort ankam, sei es für die 24-jährige Polizistin und ihren 29 Jahre alter Kollegen bereits zu spät gewesen.

Mord an Polizisten: Beide Männer in U-Haft

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz befinden sich die beiden Verdächtigen in Untersuchungshaft. Ein Richter am Amtsgericht Kaiserslautern habe einen Haftbefehl wegen gemeinschaftlicher Tötung erlassen, teilten die Ermittler am Dienstag mit.
Es bestehe Fluchtgefahr, so die Ermittler bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Der Richter gehe davon aus, dass die beiden Männer gemeinschaftlichen Mord begangen haben. Das Mordmerkmal sei die Verdeckung einer anderen Straftat – die beiden Männer wurden wohl beim Wildern erwischt, in ihrem Auto befanden sich bei der Kontrolle eine „große Anzahl an erlegten Tieren“.

Wilderei: Was bedeutet das?

Bei der Wilderei handelt es sich um das illegale Erlegen von Tieren. Der Handel mit illegal getöteten Tieren war nach ersten Erkenntnissen Gegenstand der Ermittlungen im Landkreis Kusel, als die beiden Polizisten die Tatverdächtigen anhielten. Sie hatten die Verdächtigen im Visier und haben im Auto der Männer mehrere getötete Tiere gefunden.

Doppelmord in Kusel: Zwei Waffen als Tatwaffen festgestellt

Die Ermittler gehen nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz davon aus, dass jeder der beiden festgenommenen Tatverdächtigen Schüsse abgefeuert hat. Bei den Ermittlungen seien eine Schrotflinte und ein Jagdgewehr sichergestellt worden. Der männliche Beamte sei viermal getroffen worden, teilten die Ermittler am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Kaiserslautern mit. Keiner der beiden Männer war vorbestraft.

Mord an Polizisten: Ermittler geben Pressekonferenz

Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um zwei 32 und 38 Jahre alte Männer, die ersten Erkenntnissen zufolge befreundet seien, sagte ein Sprecher des Landespolizeipräsidiums Saarland am Abend. Beide stünden unter dem Verdacht, an dem Tötungsdelikt beteiligt gewesen zu sein.
Andreas S. aus dem saarländischen Spiesen-Elversberg wurde zunächst zur Fahndung ausgeschrieben. Der Flüchtige wurde am Abend in Sulzbach in der Nähe seines Wohnorts festgenommen. Im Zuge der Durchsuchung mehrerer Objekte habe dann ein weiterer 32-jähriger Tatverdächtiger widerstandslos festgenommen werden können. Die Tat löste bundesweit großes Entsetzen aus.

Nach tödlichen Schüssen auf Polizisten: Tatverdächtiger stellte sich

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz hat sich der per Fahndung gesuchte 38-Jährige gestellt. Der Verdächtige habe sich über seine Anwältin bei der Polizei gemeldet und sei dann vor einem Haus im saarländischen Sulzbach festgenommen worden, berichtete ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die Polizei schon seine Festnahme mitgeteilt. Der Mann soll am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Er habe zunächst keine Aussage gemacht.
In dem Haus sei kurze Zeit später ein 32 Jahre alter Verdächtiger festgenommen worden. In welchem Zusammenhang er zu den tödlichen Schüssen auf die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und den 29 Jahre alten Oberkommissar stehe, müssten die Ermittlungen ergeben. Auch er habe sich aber zunächst nicht zur Sache geäußert.
Bei einer Durchsuchung seien unter anderem Waffen sichergestellt worden. In welchem Zusammenhang sie mit der Tat stehen, müsse ebenfalls noch geklärt werden. Die Fahndungsmaßnahmen liefen weiter, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass es weitere Mittäter gebe.

Getötete Polizisten war Studentin

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich „tiefbestürzt über den gewaltsamen Tod geäußert. „Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der beiden Getöteten und auch bei allen Kolleginnen und Kollegen. Wir durchleben gerade den realen Alptraum aller Polizistinnen und Polizisten!“, sagte die Landesvorsitzende Sabrina Kunz am Montagmorgen in Mainz.
„Unser tiefes Beileid gilt den Angehörigen. Hoffentlich können die oder der Täter zeitnah festgenommen werden, damit mögliche Gefahren für die Bevölkerung abgewendet sind“, sagte Kunz. „Dieses skrupellose Vorgehen und die Tat machen mich fassungslos.“ Die erschossene Polizistin war der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zufolge Studentin. Die 24 Jahre alte Polizeianwärterin habe noch an der Hochschule der Polizei studiert.
Der Polizist soll am Tatort noch mehrere Schüsse abgegeben haben. Die Waffe seiner Kollegin kam offensichtlich nicht zum Einsatz, ihre Pistole steckte noch im Holster. Die junge Frau war nach Polizeiangaben sofort tot. Der 29-Jährige habe zunächst noch gelebt, sei aber gestorben, als die Rettungskräfte eintrafen, berichtete ein Polizeisprecher. Beide Opfer stammten aus dem Saarland.

Polizei sucht Zeugen nach Schüssen auf Polizisten im Landkreis Kusel

Zeugen, die etwas Verdächtiges wahrgenommen haben, werden gebeten, sich unter der Rufnummer 0631 369-2528 mit der Polizei in Kaiserslautern in Verbindung zu setzen.
Der Landkreis Kusel mit der gleichnamigen Stadt liegt im Südwesten des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Birkenfeld, Bad Kreuznach, Donnersbergkreis und Kaiserslautern (alle in Rheinland-Pfalz) sowie Saarpfalz-Kreis, Neunkirchen und St. Wendel (alle im Saarland).

Kanzler Scholz: Hintergründe der Tat von Kusel „schnell aufklären“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Angehörigen der beiden in der Pfalz erschossenen Polizisten sein Beileid ausgesprochen. Was in Kusel passiert sei, bedrücke ihn sehr, schrieb Scholz am Montagabend auf Twitter.
„Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der beiden jungen Opfer.“ Er denke auch an die vielen Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um Bürger zu schützen. „Wir müssen die Hintergründe der Tat schnell aufklären“, schrieb Scholz weiter.