Wettervorhersage für Deutschland: Polarwirbel und Dauerfrost - ist das der „Jahrhundertwinter“?

Ein geschwächter Polarwirbel bringt strengem Frost nach Deutschland. Ist das der prophezeite „Jahrhundertwinter“? (Symbolbild)
Felix Kästle/dpaDeutschland bibbert, der Deutsche Wetterdienst hat erste Warnmeldungen für die kommenden Tage aufgrund von strengem Frost herausgegeben und – glaubt man den Wettervorhersagen für Deutschland – ist der Höhepunkt des Winters noch nicht erreicht. Warum ist es aktuell so kalt und ist das der vorhergesagte Jahrhundertwinter?
Jahrhundertwinter 2026? Experten hatten ihn kommen sehen
Bereits im Herbst des Jahres 2025 haben erste Wetterexperten darauf hingewiesen, dass Deutschland ein „Jahrhundertwinter“ mit viel Schnee und Kälte bevorstehen könnte. Schaut man sich die vergangenen Wochen an, könnte man meinen, dass die Prognose eingetroffen ist. Erst kämpfte sich halb Deutschland durch Schneesturm „Elli“, dann legte Blitzeis viele Regionen lahm und nun kommt der Dauerfrost zurück nach Mitteleuropa.
Angesichts so zahlreicher Wetterphänomene kurz hintereinander könnte man meinen, dass es sich tatsächlich um einen „Jahrhundertwinter“ handelt. Die Statistik sagt allerdings etwas anderes: Der Dezember 2025 war in Deutschland deutlich zu warm.
Mit einer Durchschnittstemperatur von 3,1 Grad Celsius lag der Monat klar über dem langjährigen Mittel. Auch im Vergleich zum Vorjahresdezember fielen die Temperaturen höher aus. Damit setzte sich ein Trend fort, der sich seit Jahren verfestigt: Frostige Wintermonate, die das Temperaturmittel deutlich unter null drücken, werden seltener. Stattdessen häufen sich milde Winter mit Mittelwerten über null Grad Celsius.
Temperaturen steigen langfristig
Die aktuellen Werte passen ins langfristige Bild. Seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1881 steigen die Temperaturen in Deutschland kontinuierlich an. Besonders auffällig ist die Entwicklung seit der Jahrtausendwende. Die wärmsten Jahre der Messgeschichte liegen fast vollständig in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Das bisher wärmste Jahr war 2024. Dass uns also dieser aktuelle Winter besonders streng und kalt vorkommt, ist eher ein Gefühl, als eine Tatsache.
Warum ist es aktuell so kalt?
Und dennoch: Es droht Dauerfrost in Deutschland. Die aktuelle Kältewelle geht auf eine Schwächung des Polarwirbels zurück. Ein kräftiges Azorenhoch lenkt die Strömung nach Norden. Dadurch verliert der Polarwirbel an Stärke und sibirische Kaltluft kann bis nach Mitteleuropa vordringen, wie die Wetterkarte zeigt:
Hinweis zur Verwendung der Karte: Um die Animation zu starten, tippen Sie auf das „Dreieck-Symbol“ unten links. Am unteren Kartenrand zeigt die Legende, welche Temperaturspannen an den jeweiligen Tagen der Vorhersage zu erwarten sind. Sie können in die Karte hineinzoomen, beispielsweise an Ihren Wohnort. Über den Button „Temperatur“ oben rechts lassen sich weitere Informationen abrufen, beispielsweise zur Neuschneemenge. Für kurzfristige Prognosen wählen Sie das „Wetterradar“.
Wann startet die Kältewelle in Deutschland?
Erste Effekte zeigen sich aktuell bereits, vor allem nachts sinken die Temperaturen aktuell schon in den einstelligen Minusbereich. Die Hauptkälte erreicht Deutschland allerdings erst Ende Januar und kann sich nach Einschätzung von Wetterexperten bis in den Februar halten. Den Osten trifft es dabei am härtesten. Schnee spielt aber zunächst keine Rolle. Die Witterung bleibt überwiegend trocken und sehr kalt. In Osteuropa fallen die Temperaturen teils unter minus 20 Grad. Solche Werte werden in Deutschland zwar nicht erwartet, deutlich zweistellige Minusgrade sind aber möglich.
Quellen: Statista (Auswertung der monatlichen Durschnittstemperaturen von 2024/2025; abgerufen am 20.01.2026); Umweltbundesamt (Mittlere Tagesmitteltemperatur im Winter in Deutschland seit 1881, abgerufen am 20.01.2026), Deutscher Wetterdienst (Deutschlandwetter im Dezember 2025, abgerufen am 20.01.2026)
