Polarlichter fotografieren: Technik, Bedingungen, Handy – Das rät der Profi

So fotografierte Patrick Pleul am 11. Mai 2024 Polarlichter über Brandenburg.
Patrick Pleul/dpaMitte Mai 2024 waren in mehreren Nächten über ganz Deutschland Polarlichter zu sehen. Die Nordlicht-Bilder von Patrick Pleul, Fotograf der Nachrichtenagentur dpa, gingen danach durch viele Medien. Im Interview verrät der Profi, was es braucht, um solche Fotos von Polarlichtern zu machen.
Herr Pleul, Ihre Bilder zeigen eindrucksvoll das Polarlicht am Nachthimmel über Brandenburg. Welche Bedingungen brauchen Sie, um solche Fotos zu machen?
Grundvoraussetzung für solche Fotos ist die Dunkelheit und natürlich das Vorhandensein eines Sonnensturms, der im richtigen Winkel auf die Erde trifft. Zudem muss es einen klaren Himmel geben. Wer in einer Stadt wohnt, muss rausfahren – dorthin, wo es richtig dunkel ist. In Richtung Norden sollte keine größere Stadt sein, die mit ihrem Licht den Himmel künstlich erhellt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich für meine Bilder eine halbe Stunde zu spät dran war. Kurz davor war das Nordlicht noch intensiver.
Wieviel Zeitaufwand steckt in der Anfertigung solcher Fotos?
Da kann man sich schon mal gern den ganzen Abend um die Ohren schlagen. Dadurch, dass ich auch die genaue Uhrzeit nicht kenne, wann der Sonnensturm am intensivsten die Erde trifft, fahre ich halt einfach raus und warte. In diesem Fall habe ich aus dem Dachfenster geschaut – ich wohne auf dem Land – und gesehen, dass der Himmel für 23 Uhr ungewöhnlich hell und fleckig ist. Dann habe ich die Digitalkamera geholt und ein Bild aus dem Dachfenster gemacht. Die Digitalkamera verstärkt das Nordlicht noch. Es war auf der Kamera deutlich zu sehen und dann bin ich losgefahren.
Sind Ihre Nordlichtfotos nachbearbeitet?
Die Fotos laufen ohne Farbbearbeitung über die Agentur. So etwas machen wir nicht.
Welche Technik ist notwendig, um Nordlichter zu fotografieren?
Jede Digitalkamera kann das grundsätzlich. Sie sollte auf einem Stativ montierbar sein. Man kann sie aber auch auf ein Autodach legen und etwas drunterpacken, um sie zu erhöhen. Das ist notwendig, um die Kamera für die lange Belichtungszeit ruhig zu haben. Sie sollte nämlich für etwa 10 Sekunden den Nachthimmel belichten. Ein Weitwinkel ist von Vorteil, weil dadurch viel Himmel abgedeckt wird. Die Kamera sollte manuell eingestellt werden, also Blende und Belichtungszeit. Auch eine hohe Isozahl (2000 oder 3000) ist wichtig. Und dann empfehle ich, ein wenig zu experimentieren. Mal stellt man zehn Sekunden Belichtungszeit oder macht auch mal 15 oder 20 Sekunden. Das Ergebnis sieht man ja gleich auf dem Kameramonitor.
Gelingen solche Polarlicht-Aufnahmen auch mit einem Handy?
Ja, selbst ein Handy schafft das wunderbar. Aber auch das muss in der Lage sein, den Himmel länger zu belichten. Grundvoraussetzung ist ein kleines Stativ, um das Handy fest zu installieren. Und viele Telefone haben einen Nachtmodus, der eine längere Belichtungszeit bietet. Wenn das Handy eine manuelle Einstellung von Belichtungszeit usw. bietet, kann man auch das probieren.
