In der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris ist am Montagabend ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Über dem Wahrzeichen der französischen Hauptstadt stand eine riesige Rauchsäule zu sehen, Flammen schlugen lichterloh aus dem Dachstuhl – die Bilder aus der Seine-Metropole wirken wie einem Endzeit-Film entnommen.

Wenig später dann brach der kleine Spitzturm der Kathedrale in sich zusammen. Dabei handelte es sich um einen kleineren Turm in der Mitte des Daches. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang zeitweise dichter schwarzer Rauch – und lange Zeit war nicht klar, ob das gotische Bauwerk würde gerettet werden können. Stand Dienstagmorgen, 7 Uhr, melden mehrere französische Medien übereinstimmend, dass das Feuer unter Kontrolle sei. Gegen 10 Uhr dann die Meldung der Feuerwehr: Der Brand in Notre-Dame ist vollständig gelöscht.

Der Ausbruch des Brandes am Montag ist kaum 24 Stunden her und schon wird am Dienstag verschiedentlich über den Wiederaufbau, dessen Finanzierung, Spenden und einen möglichen Zeitrahmen diskutiert. Frankreichs Premier Emmanuel Macron etwa formulierte, die Kathedrale solle in fünf Jahren, also 2024, wieder hergerichtet sein.

Vorher-Nachher-Vergleich: So wütete das Feuer in Notre-Dame

Wer sich ein Bild machen möchte, wie verheerend das Feuer in der Pariser Kathedrale wütete, kann das in unserem Vorher-Nachher-Fotovergleich ansehen.

Live-Blog zum Brand in Notre-Dame

In unserem Live-Blog sind die neuesten Informationen und Entwicklungen nachzulesen:

Feuer vermutlich auf Dachboden der Kathedrale ausgebrochen

Hier die Entwicklung des Abends: Der gesamte Dachstuhl stehe in Flammen, sagte der Sprecher der Kathedrale, André Finot, der französischen Nachrichtenagentur AFP früh am Abend. Vom Dachstuhl werde nichts mehr übrig bleiben. Man müsse nun schauen, ob das Gewölbe der Kathedrale zu retten sei. Nach Angaben des Innenministeriums war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen.

Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, berichtete AFP unter Berufung auf die Feuerwehr weiter. Er sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht. Die Polizei gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, erklärte ein Sprecher am Abend.

Zunächst war nicht gewiss, ob die Kathedrale gerettet werden könnte. Gegen 23.10 Uhr vermeldete die Nachrichtenagentur AFP, dass die gotische Kirche „in ihrer Gesamtheit erhalten“ werden könne, die Struktur sei gerettet. Das sagte der Leiter der Einsatzkräfte, Jean-Claude Gallet, am Montagabend in Paris.

Dornenkrone von Notre Dame gerettet

Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche konnte aus Notre-Dame gerettet werden. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, Direktor der Kathedrale am späten Montagabend vor Journalisten. Sie gilt als eine der wertvollsten Reliquien, die in der Kathedrale aufbewahrt werden, wie es auf der Webseite von Notre-Dame heißt. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Präsident Macron sagt Fernsehansprache ab

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich betroffen und sagte eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab. „Notre-Dame von Paris den Flammen ausgeliefert. Emotion einer ganzen Nation“, teilte der Präsident auf Twitter mit. Wie alle Franzosen sei er an diesem Abend traurig, „diesen Teil von uns brennen zu sehen“.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagt, sie habe den Rauch von ihrem Bürofenster aus gesehen. Es sei ein Drama für die ganze Welt, klagt sie. Notre-Dame sei ein Symbol der Pariser Geschichte, ein Symbol der Freiheit. Der Sprecher des Wahrzeichens, André Finot, sagt, er habe eigentlich gar keine Worte. „Schrecklich“ sei das einfach nur - er sei schockiert. Man könne diese alte Dame nicht einfach im Stich lassen, betont der Rektor der Kathedrale, Patrick Chauvet, trotzig.

Macron hatte am Abend eigentlich eine Ansprache zu den Ergebnissen einer monatelangen Bürgerdebatte halten wollen - einen neuen Termin dafür teilte der Élyséepalast zunächst nicht mit. Macron hatte die „Nationale Debatte“ im Januar als Reaktion auf die Proteste der „Gelbwesten“ gestartet - nun wollte er Zugeständnisse präsentieren.

Entsetzen über Brand in Notre-Dame auch außerhalb Frankreichs

Auch außerhalb von Frankreich sorgte der Brand für Entsetzen und Bestürzung. „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Wir sind heute alle bei Paris.“ Auch die Bundesregierung zeigte sich bestürzt. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte im Namen von Kanzlerin Angela Merkel: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.“ Er fügte hinzu: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) teilte auf Twitter mit, er hoffe, dass es der Feuerwehr rasch gelingt, den Brand einzudämmen und das Wahrzeichen zu retten. Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber sprach auf Twitter auf Französisch von einer „tiefen Traurigkeit“ angesichts der „furchtbaren Bilder“ aus Paris: „Aus ganzem Herzen mit den Französinnen und den Franzosen.“

Auch US-Präsident Donald Trump reagierte bestürzt. Bei einem Besuch im US-Bundesstaat Minnesota sprach er von einem „schrecklichen Feuer“ in einem Ausmaß, das selten jemand gesehen habe. Die Kathedrale sei einer der größten Schätze auf der Welt, großartiger als fast jedes Museum auf der Welt, sagte Trump. „Sie ist Teil unserer Kultur. Sie ist Teil unseres Lebens.“ Es gebe wahrscheinlich keine andere Kathedrale wie diese auf der Welt.

Vorsichtige Entwarnung am Morgen: Das Feuer ist unter Kontrolle

Am Dienstagmorgen dann vorsichtige Entwarnung: Die Feuerwehr habe den verheerenden Brand nach mehrstündigen Löscharbeiten bis zum frühen Dienstagmorgen unter Kontrolle gebracht. Das berichteten die Zeitungen „Le Figaro“ und „Le Parisien“ übereinstimmend auf ihren Online-Seiten unter Berufung auf die Feuerwehr.

Das genaue Ausmaß der Zerstörungen war in der Nacht noch nicht bekannt. Staatschef Emmanuel Macron hatte am späten Montagabend gesagt, das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt.

Menschen in Paris trauern

Feuer Brand in Notre-Dame: Paris trauert

Geschichte von Notre Dame

Als eines der weltweit imposantesten Meisterwerke gotischer Architektur zählt Notre-Dame zum Weltkulturerbe der Unecso.

Der Grundstein für den Sakralbau im Herzen von Paris wurde im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt. Fast 200 Jahre dauerte die Fertigstellung des Gotteshauses, das später mehrfach geplündert und verwüstet wurde. Nach der Französischen Revolution rettete die Restaurierung unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc das Monument vor dem Verfall. Berühmt wurde die Kathedrale vor allem durch den Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ des Schriftstellers Victor Hugo.

Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Nach wie vor werden Gottesdienste in der Kathedrale gefeiert, die sich im französischen Staatsbesitz befindet. Hochzeiten, Taufen und Trauergottesdienste finden dort allerdings nicht mehr statt.

Hier sind weitere Zahlen, Daten und Fakten zur Kathedrale Notre-Dame.

Sanierung der Kathedrale notwendig

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal zuletzt schwer zugesetzt. An vielen Stellen bröckelt die Bausubstanz - und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reicht nicht für eine umfassende Sanierung. Für die Sanierung des weltberühmten Bauwerks war vor einiger Zeit eine kirchliche Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

Beliebte Sehenswürdigkeit im Herzen von Paris

Notre-Dame in Paris zieht jährlich fast 13 Millionen Touristen und Gläubige an und ist damit das meistbesuchte Wahrzeichen der französischen Hauptstadt.

Viele Meter lang stehen die Touristen täglich vor dem Gebäude Schlange. Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale von Soldaten bewacht.

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Weltweit zeigen sich Politiker bestürzt über den Brand an der französischen Kathedrale Notre-Dame in Paris.

US-Präsident DONALD TRUMP: „So schrecklich, das verheerende Feuer an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen. Vielleicht könnten fliegende Wassertanks eingesetzt werden, um es zu löschen. Es muss schnell gehandelt werden!“

STEFFEN SEIBERT, Sprecher der Bundesregierung: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen. Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“

EU-Kommissionspräsident JEAN-CLAUDE JUNCKER: „Ich verfolge minütlich den Brand, der Notre-Dame in Paris gepackt hat. Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick. Ich teile die Gefühle der französischen Nation, die auch unsere sind.“

EU-Ratspräsident DONALD TUSK: „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa. Wir stehen heute alle an der Seite von Paris.“

Österreichs Präsident ALEXANDER VAN DER BELLEN: „Schreckliche, verstörende Bilder aus Paris: Die großartige Kathedrale Notre-Dame brennt. Wir sind heute in Gedanken in Paris.“

Österreichs Bundeskanzler SEBASTIAN KURZ: „Schockierende Bilder aus Paris. Ein Wahrzeichen, Weltkulturerbe und eines der schönsten Bauwerke der französischen Geschichte. Notre-Dame steht in Flammen. Wir hoffen, dass kein Mensch verletzt ist. Unsere Gedanken sind in Paris.“

Italiens Ministerpräsident GIUSEPPE CONTE: „Ein Stich ins Herz für die Franzosen und für uns Europäer.“

SADIQ KHAN, Bürgermeister von London: „Herzzerreißende Szenen der Notre-Dame-Kathedrale in Flammen. London steht heute im Schmerz an der Seite von Paris, in ewiger Freundschaft.“ - dpa