Papst Benedik XVI., mit bürgerlichem Name Joseph Ratzinger, ist am 31.12.2022 gestorben, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Der emeritierte deutsche Papst wurde 95 Jahre alt. Nach einer mehrtägigen öffentlichen Aufbahrung im Petersdom wird Papst Benedikt XVI. am Donnerstag, 05.01.2023, beerdigt.

Papst Benedikt Beerdigung: Wie es jetzt weitergeht

Auch wenn er seit 2013 nicht mehr das Amt des Papstes inne hat, hat Papst Benedikt nun das Recht auf eine päpstliche Beerdigung. Seine letzte Ruhestätte hatte Benedikt bereits ausgewählt. Sowohl er als auch Papst Franziskus haben die Grabnische im Petersdom gewählt, in der zuvor Papst Johannes Paul II. beigesetzt war. Seit der Seligsprechung des vorherigen Papstes liegt dieser nun woanders, weshalb die Grabnische frei wurde. Papst Benedikt wird nun also im Petersdom an dieser Stelle seine letzte Ruhestätte haben, Papst Franziskus wird sich eine andere Nische aussuchen müssen. Nach dem Tod von Benedikt wird es eine große Beerdigung mit Messe im Vatikan geben. Die Totenmesse für Benedikt findet in wenigen Tagen statt.

Tod von Papst Benedikt: Reaktionen aus der ganzen Welt

Die ganze Welt reagierte auf die Nachricht von Papst Benedikts Tod mit Beileidsbekundungen. Papst Franziskus würdigte den am Vortag verstorbenen „geliebten emeritierten Papst“ in seiner Neujahrsmesse im Petersdom. Mit Blick auf das an Neujahr begangene Hochfest der Gottesmutter betete er dafür, dass die Heilige Maria Benedikt XVI. „von dieser Welt zu Gott begleitet“. Später, als er sein Angelus-Gebet vor tausenden Menschen auf dem Petersplatz sprach, verneigte sich Franziskus in einer Schweigeminute zum Gedenken an den verstorbenen Pontifex. „Wir alle schließen uns einmütig mit einem Herz und einer Seele zusammen, um Gott für das Geschenk dieses treuen Dieners des Evangeliums und der Kirche Dank zu sagen“, sagte er.
Auch Politikerinnen und Politiker weltweit äußerten sich zum Tod von Joseph Ratzinger. „Die katholische Kirche, Deutschland und die Welt verlieren mit Benedikt XVI. einen der streitbarsten und bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit.“, betonte Alt-Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Er wird als renommierter Theologe in Erinnerung bleiben, der sich ein Leben lang mit Hingabe für die Kirche einsetzte und sich dabei von seinen Prinzipien und seinem Glauben leiten ließ.“, äußerte sich US-Präsident Joe Biden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte: „Meine Gedanken sind bei den Katholiken in Frankreich und der ganzen Welt, die um Seine Heiligkeit Benedikt XVI. trauern, der sich mit Seele und Verstand für eine brüderlichere Welt eingesetzt hat.“
Die Reaktionen zum Tod von Benedikt XVI. befassten sich auch mit seinem Umgang mit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche. Er war der erste Papst, der sich für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche entschuldigte und sich mit Opfern traf. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob in hervor, Benedikt habe „um das große Leid der Opfer und den immensen Schaden für die Glaubwürdigkeit der Kirche“ gewusst. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erklärte, Benedikt XVI. habe im Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche einen „Umbruch“ eingeleitet. Bätzing betonte aber auch, es seien Fragen offen geblieben - und Benedikt sei „mit diesen Fragen in die Ewigkeit Gottes gegangen“. Der Sprecher der Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch kritisierte: „Den Tausenden von Missbrauchsopfern seiner Kirche in aller Welt wird er in unguter Erinnerung bleiben als langjähriger Verantwortlicher jenes Systems, dem sie zum Opfer fielen.“

Papst Benedikt ist tot: Blick zurück auf ein langes Leben

Der Jubel in Deutschland war groß am Abend des 19. April 2005. Um Papst Benedikt XVI., bürgerlich Joseph Ratzinger, entstand ein Aufsehen wie sonst nur um Popstars. Er war der erste deutsche Papst seit der frühen Neuzeit. Unvergessen die Schlagzeile der „Bild“-Zeitung: „Wir sind Papst!“ In seiner alten Heimat in der Diözese Passau wurde Papst-Bier ausgeschenkt, und das Jugendmagazin „Bravo“ widmete dem damals 78-jährigen Pontifex aus Bayern ein eigenes Poster. Passend dazu wurde er im Sommer 2005 mit einer riesigen Begeisterung beim Weltjugendtag in Köln empfangen.
Nach seiner Wahl zum Papst erhofften sich viele einen Umschwung vom strengen Glaubenshüter hin zum Reformer. Doch Benedikt, ein in akademischen Kreisen hochanerkannter Theologe, widmete sich weiter seinen theologischen Schriften und verfasste etwa eine Jesus-Trilogie. Seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte er sich schließlich 2013 durch seinen überraschenden Verzicht aufs Pontifikat. Ein Schritt, den es seit mehr als 800 Jahren nicht mehr gegeben hatte.
Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 am Karsamstag im bayerischen Marktl am Inn geboren. Im Zweiten Weltkrieg war er als Luftwaffenhelfer im Einsatz, danach studierte er in München und Freising Theologie und Philosophie, 1951 wurde er zum Priester geweiht.
Von da an ging seine theologische Karriere steil nach oben: Der feingeistige Musikliebhaber wurde Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising, weitere Stationen waren Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 wurde er Münchner Erzbischof, 1982 Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation unter Papst Johannes Paul II., 2005 dann dessen Nachfolger.
Seit seinem Verzicht aufs Papstamt lebte Benedikt zurückgezogen in einem Kloster im Vatikan. Das Alter machte dem gebrechlichen Mann offenbar zu schaffen. In einem Beileidsschreiben zum Tod eines befreundeten Professors schrieb er im Jahr 2021: „Nun ist er im Jenseits angelangt, wo sicher schon viele Freunde auf ihn warten. Ich hoffe, daß ich mich bald hinzugesellen kann.“