Oscars 2024
: Schauspielerin Sandra Hüller verpasst Oscar für „beste Hauptdarstellerin“

Deutsche Filmschaffende verpassen ihren Oscar-Triumph, doch ein Werk mit Sandra Hüller gewinnt dennoch. Öfter wird es politisch bei der Gala, „Oppenheimer“ ist der große Sieger des Abends.
Von
dpa
Los Angeles
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Sandra Hüller bei der Oscar-Verleihung im Dolby Theatre in Los Angeles.

Richard Shotwell/Invision/AP/dpa

Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller hat den Oscar als beste Hauptdarstellerin zwar verpasst, spielt aber im besten internationalen Film des Jahres - „The Zone of Interest“ - die weibliche Hauptrolle. Großer Gewinner bei den 96. Oscars wurde mit sieben Auszeichnungen das historische Epos „Oppenheimer“. Für Aufsehen sorgten ein Nacktauftritt, Ryan Goslings „I'm Just Ken“-Lied-Performance, Al Pacinos holprige Verkündung des besten Films sowie politische Äußerungen zu Gaza- und Ukraine-Krieg.

Der deutschsprachige britische Film „The Zone of Interest“ mit Hüller als Frau des Auschwitz-Kommandanten Höß (gespielt vom deutschen Schauspielkollegen Christian Friedel) gewann in der Sparte für den besten ausländischen Film.

Emma Stone erhält den Oscar für „beste Hauptdarstellerin“

Regisseur Jonathan Glazer ging in seiner Dankesrede auf den Gaza-Krieg ein. „Ob es die Opfer des 7. Oktober in Israel oder der andauernden Attacke auf Gaza sind“, alle seien Opfer von Entmenschlichung, betonte der Filmemacher. Die ebenfalls in der International-Sparte nominierten Filme der beiden deutschen Regisseure Ilker Çatak („Das Lehrerzimmer“, Deutschland) und Wim Wenders („Perfect Days“, Japan) gingen leer aus.

Die aus Thüringen stammende und in Leipzig wohnende Sandra Hüller (45) war auch als beste Hauptdarstellerin nominiert, was seit mehr als 80 Jahren keiner Deutschen mehr gelungen war. Im französischen Justizdrama „Anatomie eines Falls“ spielt sie eindrucksvoll und vielsprachig eine Schriftstellerin, die sich vor Gericht wegen Mordverdachts an ihrem Ehemann verantworten muss.

Die Auszeichnung ging allerdings an Emma Stone für ihre Leistung in der grotesken Komödie „Poor Things“. Es ist Stones zweiter Oscar nach 2017, damals für „La La Land“. „Poor Things“ von Giorgos Lanthimos holte insgesamt vier Auszeichnungen, etwa für Kostüm- und Maskenbild. Die Auszeichnung für die beste Nebendarstellerin erhielt Da’Vine Joy Randolph für ihre Rolle im Drama „The Holdovers“.

Sieben Oscars gehen an „Oppenheimer“

Der Historienfilm „Oppenheimer“ über den Physiker J. Robert Oppenheimer, der zur Atombombe forschte, holte unter anderem die Auszeichnung als Bester Film, den Regiepreis für Christopher Nolan sowie zwei Schauspielpreise: Cillian Murphy wurde als bester Hauptdarsteller, Robert Downey Jr. als bester Nebendarsteller geehrt. Sieben Oscars (bei 13 Nominierungen) sind so viele wie letztes Jahr „Everything Everywhere All at Once“ gewann.

Während der Verleihung wurde mehrfach an aktuelle politische Krisen erinnert. Als bester Dokumentarfilm wurde die Produktion „20 Tage in Mariupol“ ausgezeichnet, die die Erlebnisse von AP-Journalisten in der ukrainischen Hafenstadt unter russischer Belagerung zeigt und die derzeit in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

Moderator Jimmy Kimmel führte durch die knapp dreieinhalbstündige Show, die zügiger inszeniert war als in früheren Jahren. Höhepunkt war für viele der Auftritt von Schauspieler Ryan Gosling, der mit Dutzenden tanzenden Männern das Lied „I’m Just Ken“ aus dem Film „Barbie“ sang. Plötzlich war auch Guns-N’-Roses-Gitarrist Slash auf der Bühne. Den Preis für den besten Song gewann aber ein anderes Lied aus dem „Barbie“-Film, nämlich „What Was I Made For?“, was den zweiten Oscar für die erst 22-jährige Billie Eilish bedeutete.

Al Pacino sorgt für Gelächter

Kimmel machte etliche Scherze. So gab es mit seiner Anmoderation einen inszenierten Flitzer-Zwischenfall. Beim Preis fürs beste Kostümdesign trat Wrestling-Star John Cena nackt auf. „Kostüme sind sehr wichtig“, sagte der 46-Jährige trocken, als er sich den großen Umschlag vor den Schritt hielt und ansonsten nur Schlappen trug. Der Hingucker-Auftritt erinnerte an einen Skandal vor 50 Jahren. 1974 rannte während einer Moderation von David Niven ein Flitzer über die Oscar-Bühne.

Über Sandra Hüller sagte Kimmel am Anfang der Gala, sie spiele in „Anatomie eines Falls“ eine Frau, die wegen Mordes an ihrem Ehemann vor Gericht stehe, und in „The Zone of Interest“ eine Nazi-Hausfrau, die in der Nähe von Auschwitz lebe. „Während dies für amerikanische Kinobesucher sehr schwere Themen sind, nennt man sie in Sandras Heimat Deutschland Rom-Coms.“

Hollywood-Star Al Pacino sorgte eher ungewollt für Lacher, als er den wichtigsten Preis des Abends etwas holprig verkündete. „Nun, dies ist der Zeitpunkt für die letzte Auszeichnung des Abends“, sagte der 83-Jährige ganz am Ende der Gala. „Und es ist mir eine Ehre, ihn zu überreichen. Zehn wunderbare Filme wurden nominiert, aber nur einer wird den Preis für den besten Film erhalten. Und dafür muss ich an den Umschlag gehen.“ Im Publikum regte sich Gelächter, als er weiter kommentierte: „Und das werde ich tun. Da kommt er. Und meine Augen sehen „Oppenheimer“.“ An diesem Punkt setzte Musik ein und die Menge jubelte.

Die Oscars 2024

Bester Film: „Oppenheimer“

Beste Regie: Christopher Nolan für „Oppenheimer“

Beste Hauptdarstellerin: Emma Stone in „Poor Things“

Bester Hauptdarsteller: Cillian Murphy in „Oppenheimer“

Beste Nebendarstellerin: Da’Vine Joy Randolph in „The Holdovers“

Bester Nebendarsteller: Robert Downey Jr. in „Oppenheimer“

Bestes Originaldrehbuch: Justine Triet und Arthur Harari für „Anatomie eines Falls“

Bestes adaptiertes Drehbuch: Cord Jefferson für „American Fiction“

Beste Kamera: Hoyte van Hoytema für „Oppenheimer“

Bester Schnitt: Jennifer Lame für „Oppenheimer“

Bester Ton: Johnnie Burn und Tarn Willers für „The Zone of Interest“

Bestes Szenenbild: Shona Heath, Zsuzsa Mihalek und James Price für „Poor Things“

Bestes Kostüm: Holly Waddington für „Poor Things“

Bestes Make-Up and Hairstyle: Mark Coulier, Nadia Stacey und Josh Weston für „Poor Things“

Beste visuelle Effekte: Tatsuji Nojima, Kiyoko Shibuya, Masaki Takahashi und Takashi Yamazaki für „Godzilla Minus One“

Beste Filmmusik: Ludwig Göransson für „Oppenheimer“

Bester Filmsong: „What Was I Made For?“ aus „Barbie“ von Billie Eilish und Finneas O’Connell

Bester Animationsfilm: „Der Junge und der Reiher“ von Hayao Miyazaki und Toshio Suzuki

Bester animinierter Kurzfilm: „War Is Over! Inspired by the Music of John & Yoko“ von Brad Booker und Dave Mullins

Bester Dokumentarfilm: „20 days in Mariupol“ von Raney Aronson-Rath, Mstyslaw Tschernow und Michelle Mizner

Bester dokumenarischer Kurzfilm: „The Last Repair Shop“ von Kris Bowers und Ben Proudfoot

Bester Kurzfilm: „Ich sehe was, was du nicht siehst (The Wonderful Story of Henry Sugar)“ von Wes Anderson und Steven Rales

Bester internationaler Film: „The Zone of Interest“ von Jonathan Glazer