Orkan Poly aktuell
: Frau im Sommersturm von Baum erschlagen - Feuerwehren im Dauereinsatz

Ein ungewöhnlich heftiger Sommersturm wehte am Mittwoch über Teilen von Deutschland. Welche Regionen waren von Orkan „Poly“ betroffen? Mindestens ein Mensch kam bei dem Sturm ums Leben.
Von
Daniel Steiger
Berlin
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Niedersachsen, Oldenburg: Ein entwurzelter Baum ist auf ein parkendes Auto gestürzt. Mit stürmischem Wind und orkanartigen Böen ist das Sturmtief „Poly“ am Mittwoch über Deutschland gezogen.

dpa

Ein Sommersturm zog am Mittwoch, 5. Juli 2023, über Deutschland hinweg. Der Name des Sturmtiefs „Poly“. Erwartet wurden Windstärken, die für einen Sommersturm „extrem“ sind, so Meteorologen. Hier gibt es alle Infos:

Wann soll „Poly“ über Deutschland wehen?

Der Sommersturm soll im Laufe des Mittwochs stetig an Stärke zunehmen. Am Vormittag soll die Windstärke langsam steigen und gegen Mittag noch stärker werden. Dazu wird es laut Deutschem Wetterdienst regnerisch, einzelne Gewitter sind möglich. Vom Emsland bis nach Schleswig-Holstein kann es im Laufe des Tages auch vereinzelt orkanartige Böen geben, an der Nordsee auch Orkanböen, also noch höhere Windgeschwindigkeiten. In der Nacht zum Donnerstag soll der Wind nachlassen.

Welche Regionen sind von „Poly“ besonders betroffen?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Unwettern in Teilen Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Hamburgs. „Der Schwerpunkt der Windentwicklung deutet sich für die Nordsee und das angrenzende Binnenland von Ostfriesland bis in die Nordhälfte Schleswig-Holsteins an“, teilte der DWD mit. Dort bestehe ab dem späten Mittwochvormittag bis zum Abend die Gefahr von orkanartigen Böen oder Orkanböen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor unnötigen Autofahrten und ruft dazu auf, windanfällige Gegenstände zu sichern. Auch südlicher erwarten die Menschen Gewitter, Schauer und Sturmböen.

„Poly“ fordert erstes Todesopfer

In Niedersachsen ist beim Durchzug des Sturmtiefs „Poly“ eine 64-Jährige von einem umstürzenden Baum getroffen und tödlich verletzt worden. Wie eine Sprecherin der Polizei in Lingen sagte, war die Frau am Mittwochnachmittag in Rhede im Emsland mit ihrem Hund spazieren. Sie wurde von einem entwurzelten Baum getroffen und starb noch vor Ort.

Ein Feuerwehrmann steht vor der abgedeckten Leiche einer Frau, die während des Sturms «Poly» in Niedersachsen von einem umgestürzten Baum erschlagen wurde.

dpa

Einschränkungen wegen des Sturms heute

Der Sturm insbesondere im Norden Deutschlands führt auch zu Beeinträchtigungen im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Betroffen sind derzeit Verbindungen in die Niederlande, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Demnach fallen ICE-Züge zwischen Frankfurt und Amsterdam über Köln aktuell aus. Auch Intercity-Züge zwischen Berlin und Amsterdam über Hannover sind betroffen und verkehren derzeit nur zwischen Berlin und Bad Bentheim. Weitere Einschränkungen wurden zunächst nicht bekannt.

Wetterdienst hebt Warnstufe am Abend auf

Am Abend gab der Deutsche Wetterdienst Entwarnung und hob die Gefahrenmeldung vor Orkanböen fürs nördliche Emsland und Ostfriesland auf. Die Unwetterwarnung für die Nordseeküste in Schleswig-Holstein galt noch bis 22.00 Uhr. „Es wird sich nun von Süden her Stück für Stück abschwächen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Abend.

Polizei und Feuerwehr rückten am Mittwoch in den betroffenen Regionen zu Hunderten Einsätzen aus, meist waren diese kleiner. Am Abend bilanzierte ein Sprecher der Polizei Hamburg: „Gott sei Dank gab es keine schlimmen Vorkommnisse, bei denen sich jemand schwer verletzt hat.“ Ähnlich lautete die vorläufige Bilanz in Schleswig-Holstein. „Es ist bisher relativ ruhig - im Gegensatz zu dem, was wir erwartet hatten“, sagte eine Polizeisprecherin in Flensburg.

Sturm über den Niederlanden

In den Niederlanden gab es wegen eines Unwetters massive Verkehrsbehinderungen. Die Eisenbahnen stellten den Verkehr im Norden des Landes aufgrund eines schweren Sturms am Mittwochmorgen schrittweise ein, wie die Bahn mitteilte. Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol ist zwischen 9.00 und 15.00 Uhr nur ein eingeschränkter Flugverkehr möglich, wie der Flughafen mitteilte. Verspätungen und Ausfälle seien zu erwarten.

(mit Material von dpa)