Nur alle 6 Wochen zur Toilette: Wie Jenny ihren Darm wieder in Bewegung brachte

Von wegen überflüssig: Lebensmittel mit Ballaststoffen sorgen dafür, dass die Verdauung gut funktioniert.
picture alliance/dpa/dpa-tmn | Robert GüntherFür die meisten Menschen ist ein Toilettengang etwas Alltägliches. Für Jenny S. wurde er über Jahre zu einer seltenen und zunehmend belastenden Ausnahme.
Schon als Jugendliche konnte sie ihren Darm nur ungefähr einmal pro Woche entleeren. Später verlängerten sich die Abstände auf zwei Wochen. Zuletzt vergingen teilweise vier bis sechs Wochen, bevor sie auf die Toilette gehen konnte.
Die Folgen waren massiv: Jenny litt unter Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen und Krämpfen. Hinzu kamen Schwindel, Kreislaufprobleme, Müdigkeit und starke Erschöpfung. Selbst für ihren geliebten Motorradrennsport fehlten ihr zunehmend die Kraft und die Konzentration.
Trockenpflaumen und Abführmittel halfen nicht
Jenny hatte bereits vieles ausprobiert, um ihre Verdauung anzuregen. Sie nahm Trockenpflaumen, Öl und Apfelessig zu sich und griff zu Abführmitteln aus der Apotheke. Auch Einläufe und verschiedene Kräutermischungen brachten keine dauerhafte Besserung.
Bei den „Ernährungs-Docs“ wird deutlich, wie außergewöhnlich stark ihr Darm belastet ist. Laut der Sendung haben sich dort rund zwölf Liter Inhalt angestaut.
Eine so ausgeprägte Verstopfung kann gefährlich werden. Durch den anhaltenden Druck kann die Durchblutung der Darmwand beeinträchtigt werden. Im schlimmsten Fall drohen schwere Komplikationen wie eine Verletzung oder ein Riss des Darms.
Bei sehr starken Schmerzen, einem aufgeblähten harten Bauch, Erbrechen, Fieber oder Blut im Stuhl sollte deshalb umgehend medizinische Hilfe gesucht werden.
Zu wenig Ballaststoffe im Alltag
Ernährungs-Doc Viola Andresen nimmt Jennys Essgewohnheiten genauer unter die Lupe. Dabei zeigt sich: Jenny nimmt täglich nur etwa 15 Gramm Ballaststoffe zu sich.
Auf ihrem Speiseplan stehen häufig Weißmehlprodukte, Milchprodukte und Snacks. Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte kommen dagegen zu selten vor.
Dabei sind gerade Ballaststoffe für eine geregelte Verdauung wichtig. Sie können Wasser im Darm binden, das Stuhlvolumen erhöhen und die Darmbewegung unterstützen.
Jennys Ziel lautet deshalb: ihre tägliche Ballaststoffzufuhr schrittweise auf etwa 35 Gramm zu erhöhen.
Diese Lebensmittel sollen Jennys Darm helfen
Künftig soll Jenny verstärkt auf eine ballaststoffreiche Ernährung setzen. Dazu gehören:
- Gemüse und Obst
- Vollkornprodukte und Haferflocken
- Hülsenfrüchte
- Nüsse und Samen
- feste und regelmäßige Mahlzeiten
Besonders empfohlen werden ihr Lebensmittel mit sogenannten Fructo-Oligosacchariden, kurz FOS. Diese unverdaulichen Kohlenhydrate kommen natürlicherweise in verschiedenen Pflanzen vor und dienen bestimmten Darmbakterien als Nahrung.
Besonders reich an FOS sind unter anderem Chicorée, Zwiebeln, Lauch, Artischocken, Knoblauch, Pastinaken, Topinambur und Bananen.
Wichtig ist allerdings, die Ballaststoffmenge nicht schlagartig zu erhöhen. Wer plötzlich deutlich mehr davon isst, kann zunächst mit stärkeren Blähungen oder Bauchschmerzen reagieren. Zudem sollte ausreichend getrunken werden, sofern aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht.
Bewegung nach dem Essen bringt den Darm in Schwung
Neben der Ernährung soll Jenny auch ihren Alltag verändern. Nach den Mahlzeiten soll sie sich regelmäßig leicht bewegen. Schon ein Spaziergang kann dabei helfen, die natürliche Darmbewegung anzuregen.
Zusätzlich erhält sie physiotherapeutische Bauchmassagen. Diese sollen die Darmtätigkeit unterstützen und Verspannungen im Bauchbereich lösen.
Für Jenny bedeutet die Behandlung daher nicht nur, andere Lebensmittel zu essen. Sie braucht feste Abläufe, mehr Bewegung und Geduld. Denn ein Darm, der über Jahre kaum aktiv war, lässt sich nicht innerhalb weniger Tage umstellen.
Jenny kann wieder mehrmals pro Woche zur Toilette
Beim Abschlussgespräch zeigt sich eine deutliche Verbesserung. Jenny erreicht zwar noch nicht durchgehend die angestrebten 35 Gramm Ballaststoffe, steigert ihre Zufuhr aber im Durchschnitt auf rund 26 Gramm täglich.
Der Effekt ist für sie bereits enorm: Statt teilweise nur alle vier bis sechs Wochen kann sie ihren Darm nun zwei- bis dreimal pro Woche entleeren.
Jenny spürt wieder, dass ihr Darm arbeitet und in Bewegung kommt. Sie fühlt sich leichter und entlastet. Auch ihre Kreislaufprobleme haben nachgelassen.
Nach Jahren voller Schmerzen und Erschöpfung gewinnt sie damit ein großes Stück Lebensqualität zurück.
Der Fall zeigt, wie wichtig Ballaststoffe, Bewegung und regelmäßige Mahlzeiten bei Verstopfung sein können. Eine derart ausgeprägte chronische Obstipation sollte jedoch immer ärztlich untersucht werden. Hinter den Beschwerden können unter anderem Erkrankungen, Medikamente oder Störungen der Darmbewegung stecken.
Jennys Geschichte ist in Staffel 12, Folge 3 der „Ernährungs-Docs“ zu sehen. Der SWR zeigt die Folge am 5. August 2026 um 21 Uhr.
