Norwegen: Königin Sonja wird aus Königshaus gestrichen

Königin Sonja von Norwegen
Stian Lysberg Solum/NTB/dpaJahrzehntelang war Königin Sonja eine der wichtigsten Repräsentantinnen der norwegischen Monarchie. An der Seite ihres Mannes König Harald V. stand sie seit dessen Thronbesteigung im Jahr 1991 im Mittelpunkt des royalen Geschehens. Doch seit Haralds Tod am 28. August 2026 gelten neue Verhältnisse. Und die spiegeln sich nun auch auf der offiziellen Website des Königshauses wider.
Dort wird Sonja nicht mehr unter den Mitgliedern des eigentlichen Königshauses aufgeführt. Stattdessen werden nur noch König Haakon VIII. (53), seine Ehefrau Königin Mette-Marit (53) und ihre Tochter Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22) genannt.
Königin Sonja zählt jetzt zu den übrigen Mitgliedern der Königsfamilie
Die Veränderung dürfte zunächst für Verwunderung sorgen. Schließlich hat Sonja über Jahrzehnte hinweg das Bild der norwegischen Monarchie entscheidend mitgeprägt. Tatsächlich steckt hinter der neuen Einordnung jedoch keine persönliche Entscheidung gegen die 89-Jährige, sondern die offizielle Definition des Königshauses.
Auf der Website wird ausdrücklich zwischen dem „Kongehuset“, also dem engeren Königshaus, und der „Kongefamilien“, der gesamten Königsfamilie, unterschieden.
Zum eigentlichen Königshaus zählen demnach der amtierende Monarch und dessen Ehepartner sowie die nächsten Thronfolger und gegebenenfalls deren Ehepartner. Weitere Angehörige des Monarchen gehören dagegen zur erweiterten Königsfamilie.
Damit hat sich Sonjas Stellung nach dem Tod ihres Mannes automatisch verändert. Während ihr Sohn Haakon nun König ist und Mette-Marit die Rolle der Königin übernommen hat, wird Sonja unter der Rubrik „Übrige Mitglieder der Königsfamilie“ geführt. Ihren Titel als Königin behält sie weiterhin.
Für Sonja beginnt ein neuer Lebensabschnitt
Die Änderung auf der Website verdeutlicht, wie einschneidend der Tod von König Harald für die norwegische Monarchie war. Mit dem Thronwechsel ist eine neue Generation in den Mittelpunkt gerückt. Für Sonja bedeutet das jedoch keineswegs, dass sie sich vollständig aus dem öffentlichen Leben zurückzieht.
Im Gegenteil: Die 89-Jährige nimmt weiterhin offizielle Verpflichtungen wahr. Erst am 12. Oktober stand für sie ein besonders emotionaler Termin im Nationalarchiv in Oslo auf dem Programm. Dort wurden ihr Briefe, Zeichnungen und andere Erinnerungsstücke gezeigt, die Menschen nach dem Tod ihres Mannes vor dem Königsschloss niedergelegt hatten.
Auch eine Auslandsreise steht bereits bevor. Am 29. Oktober wird Sonja im spanischen Málaga an der Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Edvard Munch und Pablo Picasso teilnehmen. Am darauffolgenden Tag besucht sie eine norwegische Schule an der Costa del Sol.
Kein Abschied von den royalen Pflichten
Dass Sonja nicht mehr zum engeren Kreis des Königshauses zählt, bedeutet also keineswegs einen Abschied von ihren Aufgaben oder gar einen Ausschluss aus der königlichen Familie.
Vielmehr ist die neue Einordnung eine Folge des Thronwechsels. Sonja bleibt die Mutter des amtierenden Königs, trägt weiterhin ihren Königinnentitel und kann auch künftig repräsentative Aufgaben übernehmen.
Dennoch markiert die Änderung einen bedeutenden Einschnitt: Nach mehr als 35 Jahren als Königin an der Seite von Harald ist Sonja nun nicht mehr Teil des offiziell definierten Königshauses. Ihre Rolle innerhalb der norwegischen Monarchie hat sich damit grundlegend verändert – auch wenn sie dem Land weiterhin als königliche Repräsentantin verbunden bleibt.


