Ende September wurden die beiden Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 angegriffen. Bei einem Sabotage-Akt entstanden durch Explosionen mehrere Lecks in den Gasleitungen, die Erdgas von Russland nach Deutschland geliefert hatten. Dass es sich nicht um einen Unfall handelte, sondern eindeutig ein mit Absicht begangener Angriff war, stand innerhalb weniger Stunden schon fest. Damit musste auch die Schuldfrage geklärt werden: Wer war für die Sabotage an der europäischen Energieinfrastruktur verantwortlich?

Nord Stream: Hintergründe zu den Pipelines

Nord Stream 1 und 2 sind zwei Projekte der russischen Firma Gazprom, die das Ziel hatten, Gaslieferungen nicht mehr durch die Ukraine laufen zu lassen. Stattdessen wurde darüber Gas von Russland über den Meeresboden der Ostsee nach Deutschland transportiert. Nord Stream 1 wurde 2011 in Betrieb genommen und hat seitdem Gas nach Deutschland gebracht. Nord Stream 2 sollte eigentlich 2022 an den Start gehen, wurde aber nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine gestoppt.

Sabotage auf Nord Stream: Russland stand schnell unter Verdacht

Innerhalb kurzer Zeit nach dem Angriff gab es die ersten Anschuldigungen. Der Westen zeigte sofort auf Russland. Russland zeigte auf die USA. Zwischenzeitlich kamen auch Klimaterroristen ins Gespräch, wurden aber schnell als Tatverdächtige fallen gelassen. Um einen solchen Anschlag durchzuführen bräuchte es staatliche Mittel, stellen Ermittler fest.
Im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen und dem Energiekrieg, der zwischen Europa und Russland entfacht war, lag für viele im Westen Moskau als Täter besonders Nahe. Vermutet wurde, dass Russland die Sabotage nutzte, um den Westen zu erpressen, indem Millionen Menschen von Energielieferungen abgeschnitten werden sollten. Doch mit der Zeit scheint der zunächst logisch Täter Russland immer weniger logisch zu sein.
Es laufen Ermittlungen aus mehreren Staaten, daher gibt es noch kein abschließendes Ergebnis. Aber wie einige europäische Vertreter vor kurzem gegenüber der „Washington Post“ sagten, sieht es immer weniger danach aus, als ob Moskau wirklich hinter der Sabotage steckt. Nach Angaben der Zeitung gebe es auch keine geheimdienstlichen Informationen, die eine Schuld Russlands nahelegen könnten. Und es stellt sich immer mehr die Frage, welchen Vorteil Russland überhaupt von einer solchen Sabotage hätte. Eines der Instrumente, die Russland gegen Europa in der Hand hatte, waren Energielieferungen. Warum sollte Moskau diesen Vorteil aufgeben?

Sabotage auf Gas-Pipelines: Sind die USA verantwortlich?

Wenn es also nicht Russland war – wer ist dann verantwortlich? Während Beobachter im Westen vorwiegend einen russischen Angriff auf die nicht mehr genutzte Energieinfrastruktur vermuten, hat Moskau immer wieder den Westen und speziell die USA als Drahtzieher der Aktion bezeichnet. Auch Verschwörungstheoretiker und die AfD haben die USA als Verantwortliche in den Raum geworfen. Beweise gibt es laut Ermittler dafür aber keine. Öffentlich debattiert werden auch andere mögliche Verdächtige, die Interesse an der Zerstörung der Pipelines hätten. Dazu gehört auch die Ukraine, die ebenfalls Moskau ohne Beweislast beschuldigt.
Die schwedischen Ermittler, die an dem Krimi dran sind, halten bisher ihre Ergebnisse geheim – auch vor den westlichen Verbündeten. Ob und wann erste Ergebnisse präsentiert werden könnten, war zunächst unklar.