Nipah-Virus aktuell
: Das müssen Asien-Reisende jetzt wissen

Das Nipah-Virus tritt selten auf und ist häufig tödlich. Ein Ausbruch in Indien hat mehrere asiatische Länder in Alarmbereitschaft versetzt. Was Reisende jetzt wissen müssen.
Von
Nicole Züge
Berlin/Neu-Delhi
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24.05.2018, Indien, Kozhikode: Angehörige und Freunde tragen Schutzmasken und beten nach der Beerdigung eines Opfers, das aufgrund des Nipah-Virus verstarb. Beim Ausbruch des gefährlichen Nipah-Virus in Indien sind mehrere Menschen gestorben. Der Erreger kann bei Menschen Fieber, Atemwegserkrankungen und tödliche Hirnhautentzündungen verursachen. Es gibt weder eine Impfung noch eine wirkungsvolle Behandlung. Foto: K.Shijith/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bei einem Ausbruch des Nipah-virus im Jahr 2018 (Bild) gab es mehrere Todesfälle. Wie die aktuelle Lage in Indien und den Nachbarländern ist und was Reisende wissen müssen.

K.Shijith/AP/dpa

Das besonders tödliche Nipah-Virus breitet sich im indischen Bundesstaat Westbengalen aus. Nach offiziellen Angaben wurden bislang zwei Fälle bestätigt, kursierende Berichte über 15 Infektionen und sechs Todesfälle bezeichnet das Gesundheitsministerium als falsch. Dennoch hat das Land umgehend strikte Maßnahmen ergriffen. Auch andere asiatische Länder reagieren mit verschärften Kontrollen vor dem chinesischen Neujahrsfest.

Tödliches Nipah-Virus: Südostasien verschärft Gesundheitskontrollen

Thailand versichert, die Krankenhäuser seien auf die Behandlung von Nipah-Virus-Infektionen vorbereitet. Malaysia kündigte eine Verstärkung der Gesundheitskontrollen an den Grenzen an. Die internationalen Flughäfen von Singapur und der indonesischen Ferieninsel Bali führen strengere Gesundheitskontrollen ein, darunter Temperaturmessungen ankommender Reisender vorwiegend aus Indien.

In China haben die Gesundheitsbehörden mit Risikobewertungen begonnen, die Überwachungsmechanismen verstärkt sowie die Testkapazitäten und die Personalschulung ausgebaut, berichtete das Nachrichtenportal „China Daily“. Die Staatsmedien verbreiten Behördeninformationen, wonach von dem Virusausbruch in Indien derzeit keine besondere Gefahr für das Land ausgehe. Zugleich wurde zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Südostasien ist wegen der geografischen Nähe, der kulturellen Verbindungen, teilweise visafreien Einreise und des wärmeren Klimas eines der beliebtesten Reiseziele chinesischer Touristen während des chinesischen Neujahrsfestes. In diesem Jahr beginnt es am 17. Februar und dauert bis zum sogenannten Laternenfest am 3. März. Millionen von Menschen reisen während der Feiertage aus China ins Ausland.

Was ist das Nipah-Virus?

Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg ist die Nipah-Virus-Infektion selten, aber besonders schwerwiegend. Das Virus befällt Tiere und Menschen. In der Natur tragen primär Flughunde den Erreger. Von ihnen kann das Virus auf andere Tiere (z. B. Schweine) und auf den Menschen übergehen. Beim Menschen kann es eine Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent erreichen.

Welche Symptome verursacht das Nipah-Virus?

Die Symptome einer Nipah-Virus-Infektion fallen unterschiedlich aus. Der Krankheitsverlauf reicht von mild bis lebensbedrohlich. In leichten Fällen klagen Betroffene über Fieber, Husten sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Bei schweren Verläufen kommt es zu Gehirnentzündungen, Krampfanfällen und Koma. Diese Komplikationen können tödlich enden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Für eine Nipah-Virus-Infektion gibt es keine gezielte Therapie. Die Behandlung beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen und die Linderung der Symptome. In einzelnen Fällen kommen antivirale Medikamente zum Einsatz. Ihre Wirksamkeit gilt bislang jedoch als nicht ausreichend belegt.

Gibt es einen Impfstoff?

Derzeit gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen die Nipah-Virus-Infektion. Eine Reihe von Impfstoffen befindet sich nach Auskunft des Bernhard-Nocht-Instituts jedoch in der Entwicklung.

Wie wird das Nipah-Virus übertragen?

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei engem Kontakt durch Tröpfchen aus der Atemluft, Husten oder Niesen möglich. Die Viren können nach Angaben des Instituts auch durch den Verzehr von unzureichend gegartem Schweinefleisch oder anderen tierischen Produkten übertragen werden. Auch vom Trinken von rohem Dattelpalmensaft oder anderen Baumsäften, die mit Speichel, Kot oder Urin von Fledermäusen kontaminiert sein können, wird abgeraten. Tropenmediziner raten darum dazu, bei Reisen in asiatische Länder Folgendes zu beachten:

  • Kontakt mit Fledermäusen und anderen Wildtieren vermeiden
  • Schweinefleisch und andere tierische Produkte gründlich kochen/durchgaren
  • keinen rohen Palmensaft trinken
  • häufiges Händewaschen

Wie ist die Lage in Indien aktuell?

Seit Dezember gebe es zwei nachgewiesene Fälle im östlichen Bundesstaat Westbengalen, teilte das Gesundheitsministerium unter Berufung auf das staatliche Zentrum für Krankheitskontrolle mit.„Zwei Krankenschwestern in einem privaten Krankenhaus sind mit dem Nipah-Virus infiziert, eine von ihnen befindet sich in kritischem Zustand“, sagte Narayan Swaroop Nigam vom Gesundheitsministerium in Westbengalen zu The Telegraph.

Kursierende Berichte über weitere Infektionsfälle seien falsch. Als Reaktion auf die beiden Infektionsfälle seien die Überwachung, die Labortests und Vor-Ort-Untersuchungen verstärkt worden. Bei den infizierten Personen handelt es sich nach Berichten des indischen Senders NDTV um zwei Krankenpflegerinnen, die im Dezember zusammen in einem etwa 25 Kilometer nördlich von Kolkata entfernten Privatkrankenhaus gearbeitet haben. Es wird vermutet, das Virus könnte von einem ungetesteten Patienten, der gestorben sei, übertragen worden sein. Sie werden derzeit in einem Krankenhaus behandelt.

Gab es schon andere Nipa-Virus-Ausbrüche?

Vereinzelte Nipah-Ausbrüche gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden seit 1998 Ausbrüche in Asien, einschließlich Indiens, Bangladeschs, Malaysias, der Philippinen und Singapurs, gemeldet. Wie sieht es in anderen Ländern Asiens aus? In Japan riefen die Gesundheitsbehörden zu Wachsamkeit auf. An Flughäfen kommen Thermoscanner zum Einsatz. Reisende aus betroffenen Regionen mit Symptomen wie Fieber oder Atembeschwerden müssen mit einer Befragung durch den Quarantänedienst rechnen. In sozialen Netzwerken wurden zudem Sorgen laut, da die große Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest Mitte Februar bevorsteht.

Quellen: BNITMRKI (abgerufen am 29. Januar 2026)