Rauch in New York heute
: Waldbrände in Kanada hüllen die Metrople in gefährlichen Rauch

„Mars oder Manhattan?“: Waldbrände in Kanada haben Teile der US-Ostküste in dichten Rauch gehüllt. Das Weiße Haus spricht von einem „alarmierenden Beispiel“ für die Klimakrise. Die aktuelle Lage im Überblick.
Von
Philipp Staedele
New York
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Die Freiheitsstatue ist in Dunst gehüllt. Der Rauch zahlreicher schwerer Waldbrände in Kanada hat Teile der US-Ostküste eingehüllt und in der Millionenmetropole New York für die schlechteste Luftqualität seit Jahrzehnten gesorgt.

Yuki Iwamura/dpa

Der Rauch, der durch die verheerenden Waldbrände in Kanada entstanden ist, hat zu erheblicher Luftverschmutzung entlang der US-Ostküste geführt und Städte wie New York in eine apokalyptisch wirkende Dunstglocke gehüllt. Laut Angaben der US-Umweltbehörde EPA waren mehr als hundert Millionen Menschen in den USA von erhöhten Gesundheitswarnstufen aufgrund der Luftqualität betroffen. In Kanada wurden tausende Menschen evakuiert, um sie vor den Flammen in Sicherheit zu bringen.

Luftqualität ist im tiefroten Bereich

Angesichts der aktuellen Lage bezeichnete Gouverneurin Kathy Hochul den Zustand in New York als „Notfallkrise“ und kündigte an, eine Million Mund-Nasen-Masken zu verteilen. Es wird erwartet, dass dieser extreme Zustand noch mehrere Tage anhalten könnte, und die Menschen werden dazu aufgefordert, sich auf eine längere Zeit vorzubereiten. Stadtteilbürgermeister Mark Levine aus Manhattan berichtete, dass sich die Luftqualität rapide verschlechtert habe und der gemessene Wert mittlerweile mehr als doppelt so hoch sei wie der höchste Grad der Gesundheitsgefährdung auf der Skala der US-Regierung.

UN-Generalsekretär António Guterres teilte auf Twitter ein Foto von sich vor einer deutlich von Rauch eingehüllten New Yorker Skyline, aufgenommen im UN-Hauptquartier. Er betonte, dass sie dort die Verschlechterung der Luftqualität deutlich spüren könnten, da der Rauch von den Waldbränden in Kanada nach Süden ziehe. Guterres betonte die Dringlichkeit, das Risiko von Waldbränden angesichts des globalen Temperaturanstiegs zu reduzieren. Er betonte die Notwendigkeit, Frieden mit der Natur zu schließen und nicht aufzugeben.

New York ist zur Zeit in dichten Rauch gehüllt.

Michael Nagel/dpa

Veranstaltungen abgesagt, Menschen sollen drinnen bleiben

New Yorks Bürgermeister Eric Adams rief die Bevölkerung auf, Aktivitäten im Freien „so weit wie möglich“ einzuschränken. „Heute ist nicht der Tag, um für einen Marathon zu trainieren.“ Personen mit Atemwegsbeschwerden, ältere Menschen und Kinder sollten sich vorzugsweise in Innenräumen aufhalten.

Obwohl Schulen weiterhin geöffnet blieben, wurden alle Freiluftaktivitäten für Mittwoch abgesagt. Ähnlich verhielt es sich auch in Washington, wo Schulen ebenfalls sämtliche Außenaktivitäten gestrichen haben. Das beaufsichtigte Schwimmen an den Stränden der Stadt wurde eingestellt und Tierparks sowie Bibliotheken schlossen vorzeitig. Die für Mittwoch geplanten Baseball-Spiele zwischen den New York Yankees und den Philadelphia Phillies sowie das Basketballspiel der New York Liberty wurden verschoben.

Auf den Straßen war ein deutlicher Rückgang der Menschenmenge zu verzeichnen, wobei viele die Masken trugen, die bereits aus der Pandemie bekannt sind. In den Straßenschluchten nahm nicht nur die Sichtweite stark ab, sondern der Rauch war auch körperlich spürbar für Millionen von Menschen. In Erinnerung an die Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 kommentierte eine New Yorkerin: „Es riecht wie bei 9/11.“

Menschen machen Bilder von der in Rauch gehüllten Stadt.

ANGELA WEISS/afp

Rauch hat Auswirkungen auf Gesundheit der Menschen

Laut der EPA erstreckten sich die Warnungen über den weitesten Teil des Nordostens der USA und reichten nach Westen bis Chicago und nach Süden bis Atlanta. Die betroffenen Gebiete wurden auf die Stufe Orange oder höher eingestuft.

Die Warnstufe Orange deutet auf eine Luftverschmutzung hin, die potenziell Auswirkungen auf die Gesundheit sensibler Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen oder Kinder haben kann. Große Städte wie New York und Washington waren am Mittwoch von einer noch höheren, roten Alarmstufe betroffen, bei der die Luftqualität als ungesund für die allgemeine Bevölkerung eingestuft wird.

Eingeschränkter Flugverkehr an der Ostküste

Auch in der US-Hauptstadt Washington, die etwa 370 Kilometer südlich von New York liegt, war die Luft am Mittwoch trüb und verbrannt riechend. Wie in New York wurde auch hier eine Warnung aufgrund der schlechten Luftqualität ausgesprochen. Laut Airnow.gov, der offiziellen Website, erreichte die Luftverschmutzung zwischenzeitlich in New York die höchste Stufe: „Gefährlich“.

Die Flugsicherheitsbehörde FAA gab bekannt, dass der Flugverkehr zu und von den Flughäfen im Raum New York City und Philadelphia aufgrund der schlechten Sicht eingeschränkt wurde. Es kam zu erheblichen Verspätungen. Auch in Kanadas Metropolen Ottawa und Toronto sowie in den US-Bundesstaaten Minnesota und Massachusetts warnten die Behörden die Einwohner vor der schlechten Luftqualität. In Kanadas Westen wüten seit Wochen zahlreiche Brände, die sich mittlerweile auch auf den Nordosten des Landes ausbreiten. In der südöstlichen Provinz Nova Scotia hat sich die Lage zuletzt etwas beruhigt.

Das Weiße Haus teilte mit, dass Präsident Joe Biden über die Situation informiert wurde. Sprecherin Karine Jean-Pierre sagte: „Es ist ein weiteres alarmierendes Beispiel dafür, wie die Klimakrise unser Leben und unsere Gemeinschaften beeinträchtigt.“

Verheerende Waldbrände in Kanada sind Hauptursache

Die schweren Waldbrände, die seit Wochen in Kanada wüten, werden als Hauptursache genannt. Allerdings könnten auch lokale Schadstoffemissionen und Wetterbedingungen eine Rolle spielen.

In Kanada sind bereits seit Wochen verheerende Waldbrände ausgebrochen. In diesem Jahr wurden bereits über 2200 Brände registriert, bei denen rund 3,8 Millionen Hektar Wald vernichtet wurden. Die Rauchpartikel werden durch Winde in Richtung des südlichen Nachbarn, den USA, getragen. Experten zufolge haben sich die Häufigkeit und Schwere der Waldbrände aufgrund des Klimawandels erhöht.

Laut François Legault, dem Regierungschef der Provinz Québec, wurden bereits über 11.000 Menschen in der Provinz evakuiert, und weitere 4000 sollten folgen.

(mit Material von dpa)