Neue Studie: Wie Influencer 196 isolierte Völker bedrohen

Unkontaktierte Völker, wie hier das Volk der Mashco Piro in Peru werden von Influencern bedroht. Der Grund? Videos von sogenannten Erstkontakten.
Collage: dpa/Survival InternationalRund um den Globus leben laut einer neuen Studie von Survival International noch mindestens 196 unkontaktierte Völker, davon 188 in Südamerika – die meisten im Amazonasgebiet. Diese Gemeinschaften meiden bewusst jeden Kontakt zur Außenwelt, um ihre Kultur und Unabhängigkeit zu bewahren. Doch eine aktuelle Untersuchung zeigt: Nicht nur Abholzung, Bergbau und Klimawandel bedrohen ihr Überleben – sondern zunehmend auch Influencer.
Eine wachsende Bedrohung
Die Studie warnt, dass fast die Hälfte dieser Völker in den nächsten zehn Jahren verschwinden könnte, wenn Regierungen und Unternehmen nicht handeln. Neben kriminellen Banden und Missionaren seien nun auch Social-Media-Akteure aktiv, die mit sogenannten „Erstkontakt-Videos“ Klicks und Geld verdienen wollen. Schon ein einziger Besuch kann Krankheiten einschleppen, gegen die die betroffenen Gemeinschaften keine Abwehrkräfte besitzen.
Ein gefährlicher Trend im Netz
Ein Beispiel ist der irische Influencer Dara Tah, der in Papua den Versuch filmte, Kontakt zu einem „Kannibalenstamm“ aufzunehmen. Er warf Salzpäckchen hinüber, kommentierte die Szene scherzhaft – und löste massive Kritik aus. Experten nannten die Aktion respektlos und lebensgefährlich. Die Begegnung war kein Abenteuer, sondern ein Risiko für beide Seiten.
Klicks auf Kosten von Menschenleben
Solche Clips erzielen Millionen Aufrufe, weil sie das „Verbotene“ zeigen. Doch sie verletzen die Rechte der Menschen, die sie darstellen. Wenn unkontaktierte Völker zum viralen Content werden, geht es nicht mehr um Neugier, sondern um Ausbeutung. Das Streben nach Reichweite verdrängt jedes Verantwortungsgefühl.
Schutz statt Sensation
Survival International fordert strengere Gesetze und Plattformrichtlinien, um unautorisierte Kontakte und Veröffentlichungen zu verhindern. Nur so können diese letzten isolierten Gemeinschaften geschützt werden – vor Profitgier, Ignoranz und der zerstörerischen Logik sozialer Medien.

