Die weitreichende Lockerung der Corona-Auflagen in Nordrhein-Westfalen stößt auf Skepsis. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach stufte die Schritte am Donnerstag als verfrüht ein: „Wir sind in einer Phase, in der die Fallzahlen wieder steigen und sich der Impffortschritt verlangsamt. Der Zeitpunkt der Lockerungen hat mich überrascht, ich hätte einen späteren Zeitpunkt besser gefunden“, sagte er im Radioprogramm WDR 2.

Ab Freitag an gilt eine neue Corona-Schutzverordnung

Angesichts der aktuell niedrigen Corona-Zahlen unternimmt Nordrhein-Westfalen einen großen Schritt in Richtung Normalität: Von diesem Freitag an gilt eine neue Corona-Schutzverordnung, die eine weitgehende Öffnung vieler Lebensbereiche vorsieht. Erlaubt sind dann wieder Diskotheken, Sportveranstaltungen, Musikfestivals und Volksfeste. In vielen Bereichen fallen zudem Kontaktbeschränkungen, Masken- und Nachverfolgungspflichten.

Im Herbst größere Gefahrenlage zu befürchten

Möglich macht das eine neue „Inzidenzstufe Null“, die Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt hatte. Die Stufe greift, sobald Kreise oder kreisfreie Städte an fünf Tagen hintereinander höchstens zehn Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen aufweisen. Lauterbach reagierte reserviert: „Ich hätte mich gefreut, wenn wir mit dem Impfen weiter gewesen wären. Nun werden wir im Herbst eine größere Gefahrenlage haben.“ Auf die Frage, wie man sich nun am besten verhalte, sagte er: „So viel wie möglich draußen machen und drinnen vorsichtig sein: Maske tragen und Abstand halten.“

Vierte Welle wird kommen

Am Donnerstagmorgen lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen bei 5,7 und damit um 0,1 niedriger als am Vortag, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Laumann appellierte dringend an die Menschen, sich impfen zu lassen. „Die vierte Welle wird auf uns zukommen“, sagte er im WDR. Natürlich mache auch ihm die Delta-Variante Sorgen. Laut RKI ist diese besonders ansteckende Corona-Variante inzwischen auch in Deutschland zur vorherrschenden geworden.