Der Streaming-Boom in der Pandemie machte Netflix zum Krisengewinner, nun kriselt es beim Branchenpionier selbst. Erstmals seit 2011 sinkt die Nutzerzahl - und der Abwärtstrend dürfte sich noch verstärken. Wie stark ist die Aktie abgestürzt? Wie steht es um die Zahl der Abos?

Netflix-Aktie stürzt ab – Abo-Zahl zurückgegangen

Der Aktienkurs des US-Streamingdienstes Netflix ist am Mittwoch, 20. April 2022, beim Börsenstart in New York um mehr als 30 Prozent abgestürzt. Die Anleger reagierten damit auf die Veröffentlichung des Quartalsberichts am Dienstag: Demnach ging die Abonnenten-Zahl von Netflix erstmals seit zehn Jahren zurück.
Minuten nach Handelsbeginn krachte der Kurs um 31,2 Prozent nach unten auf 240 Dollar. Nach Berechnung von Factset verringerte sich der Börsenwert von Netflix damit um mehr als 40 Milliarden Dollar.

Ulm

Um welche Zahl gingen die Abos bei Netflix zurück?

Netflix hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die weltweite Zahl seiner Abonnenten im ersten Quartal um 200.000 zurückging. Diese ernüchternden Zahlen ließen die Netflix-Aktie bereits am Dienstag im nachbörslichen Handel in New York um 26 Prozent abstürzen.

Warum verliert Netflix an Abo-Kunden?

Netflix hatte eigentlich damit gerechnet, 2,5 Millionen weitere Abonnenten zu gewinnen - und die Analysten hatten sogar einen noch stärkeren Zuwachs erwartet. Das Management um Gründer und Co-Chef Reed Hastings verwies unter anderem auf „Faktoren außerhalb unserer Kontrolle“ wie den langsameren Anstieg des Anteils von Smart-TVs mit Internet-Anschluss, Russlands Krieg in der Ukraine und die Inflation.

Netflix Abo-Zahlen eingebrochen: Welche Folge hat das für Kunden?

Netflix will angesichts sinkender Kundenzahlen härter bei Nutzern durchgreifen, die ihre Zugangsdaten teilen. Auch ein Tabubruch zeichnet sich ab: Der Streaming-Marktführer arbeitet an einer günstigeren Version mit Werbung.
Vor allem sind Netflix aber die Kunden ein Dorn im Auge, die ihre Login-Daten mit anderen teilen. Der Dienst schätzt, dass mehr als 100 Millionen Haushalte so als Trittbrettfahrer unterwegs seien. Als das Wachstum noch hoch war, habe man ein Auge zugedrückt, sagte Hastings. Doch nun will Netflix nicht mehr tatenlos zusehen.
„Wenn sie etwa eine Schwester haben, die in einer anderen Stadt lebt und ihr Netflix-Abo mit ihr teilen wollen, ist das super. Wir versuchen nicht, das zu unterbinden“, sagte Produktchef Greg Peters. „Aber wir werden sie bitten, dafür etwas mehr zu bezahlen.“ Netflix kann zum Beispiel anhand der IP-Adressen feststellen, von wo Nutzer auf den Dienst zugreifen. Bis das System eingefahren sei und weltweit eingesetzt werde, könne es aber noch ein Jahr dauern, sagte Peters.