Nach Krankheitsfällen auf den Kapverden
: Mehr als 1.700 Urlauber klagen gegen Tui

Nach Berichten über zahlreiche Krankheitsfälle unter Urlaubern auf den Kapverdischen Inseln sieht sich der Reiseveranstalter Tui mit wachsendem juristischen Druck konfrontiert.
Von
Katrin Jokic
London
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TUI Group: ARCHIV - 02.09.2025, Niedersachsen, Hannover: Fahnen mit dem Logo wehen vor Zentrale des Tourismuskonzern TUI Group. (zu dpa: «Tui und Oman legen geplante Partnerschaft auf Eis») Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Fahnen mit dem Logo wehen vor der Zentrale des Tourismuskonzern TUI Group.

Julian Stratenschulte/dpa

Mehr als 1.700 britische Reisende haben sich laut Angaben der Kanzlei Irwin Mitchell einer Sammelklage gegen Tui angeschlossen. Die Anwälte sprechen gegenüber der BBC von einem ungewöhnlich umfangreichen Verfahren.

Den Juristen zufolge melden sich weiterhin neue Betroffene. Die Erkrankungen reichen zum Teil mehrere Jahre zurück. Nach Einschätzung der Kanzlei könnten mindestens acht britische Urlauber in diesem Zusammenhang gestorben sein.

Infektionen und Kritik an Hygienestandards

Viele Betroffene berichten von schweren Magen-Darm-Erkrankungen. Nach Angaben der Anwälte wurden unter anderem Infektionen mit E. coli, Salmonellen und Shigellen festgestellt. Auch parasitäre Erkrankungen wie Cryptosporidium seien aufgetreten. Teilweise seien auch kleine Kinder betroffen gewesen.

Hinweise auf eine erhöhte Zahl von Infektionen hatte bereits die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency geliefert. Seit Oktober 2025 wurden dort 112 Fälle von Shigellen und 43 Salmonellen registriert, die mit Reisen auf die Kapverden in Verbindung stehen.

Die genannten Erreger können Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber verursachen. In schweren Fällen sind auch kompliziertere Krankheitsverläufe möglich.

Zudem berichten die Anwälte von möglichen Mängeln bei den Hygienestandards in einzelnen Hotels. Bildmaterial, das der BBC vorliegt, soll unter anderem unhygienische Buffetbedingungen und Schimmel in Unterkünften zeigen.

Tui prüft Vorwürfe

Tui erklärte, die Vorwürfe würden untersucht. Eine abschließende Bewertung sei derzeit jedoch nicht möglich. Das Unternehmen verweist unter anderem auf einen noch nicht veröffentlichten Gesundheitsbericht zu den Kapverden, auf den bislang kein Zugriff bestehe.

Gleichzeitig betont der Reiseveranstalter, betroffene Gäste vor Ort unterstützt und medizinisch versorgt zu haben.

Beliebtes Reiseziel, wachsende Bedenken

Die Kapverden zählen mit ihrem milden Klima und den Stränden zu den gefragten Urlaubszielen. Tui hat nach eigenen Angaben seit 2022 mehr als eine Million Reisende in den Inselstaat vermittelt.

Die klagenden Anwälte sehen dennoch eine mögliche Verantwortung beim Veranstalter. Sollte es keine außergerichtliche Einigung geben, könnten Schadenersatzforderungen in erheblicher Höhe folgen.

Betreiber von Hotels weisen die Vorwürfe zurück. Die Hotelkette RIU erklärte, ihre Anlagen würden regelmäßig kontrolliert und entsprächen internationalen Standards.

Behörden beobachten Entwicklung

Bereits Anfang 2026 hatten britische Gesundheitsbehörden auf eine Häufung von Magen-Darm-Erkrankungen bei Kapverden-Reisenden hingewiesen. Auch das deutsche Auswärtige Amt berichtet von vermehrten Fällen, insbesondere in der Region Santa Maria. Seit 2022 wurden dort über 1.000 Infektionen bei Rückkehrern erfasst.

Die juristische Aufarbeitung könnte über den Einzelfall hinaus Bedeutung bekommen – insbesondere für die Frage, welche Verantwortung Reiseveranstalter bei Gesundheitsrisiken vor Ort tragen.