Musikindustrie
: Spotify führt neues KI-Badge für Künstler ein

Spotify führt ein neues „AI Persona Badge“ ein, das KI-generierte Künstleridentitäten kennzeichnet und deren Reichweite einschränkt.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Illustration Spotify: PRODUKTION - 02.12.2025, Sachsen, Dresden: ILLUSTRATION - Das Logo des Musik-Streaminganbieters Spotify ist auf einem Smartphone zu sehen. (zu dpa: «Spotify schränkt KI-Musik in Empfehlungen deutlich ein») Foto: Robert Michael/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Logo des Musik-Streaminganbieters Spotify ist auf einem Smartphone zu sehen.

Robert Michael/dpa

Spotify will ab Mitte September sogenannte „AI Personas“ auf seiner Plattform sichtbar kennzeichnen. Das neue Badge soll deutlich machen, wenn hinter einem Künstlerprofil keine reale Person, sondern eine KI-generierte öffentliche Identität steht. Ob bei der Musikproduktion selbst künstliche Intelligenz eingesetzt wurde, spielt für die Kennzeichnung dagegen keine Rolle.

Spotify führt eine neue Kennzeichnung für Künstlerprofile ein, deren öffentliche Identität mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt wurde. Wie der Streamingdienst mitteilt, sollen entsprechende Profile ab Mitte September schrittweise mit einem „AI Persona Badge“ versehen werden.

Gemeint sind damit Künstlerinnen und Künstler, die nach außen wie reale Personen auftreten können, deren Identität jedoch KI-generiert ist. Entscheidend ist dabei ausdrücklich nicht, wie die dazugehörige Musik entstanden ist. Ein menschlicher Musiker erhält also nicht automatisch ein solches Badge, nur weil er KI-Tools beim Schreiben, Produzieren oder Bearbeiten seiner Songs verwendet.

Künstler können sich selbst als AI Persona kennzeichnen

Bereits ab sofort können Künstler über „Spotify for Artists“ angeben, dass ihr Profil eine AI Persona repräsentiert. Spotify will sich allerdings nicht allein auf diese Selbstauskunft verlassen.

Zum Start überprüft das Unternehmen nach eigenen Angaben zusätzlich bestimmte Profile, die festgelegte Reichweitenschwellen erreicht haben und deren öffentliche Darstellung den Eindruck einer KI-generierten, fotorealistischen menschlichen Identität erweckt.

Betroffene Künstler sollen über eine solche Einstufung informiert werden. Anschließend können sie den Status bestätigen oder Einspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Badge erscheint auch in Suche und Playlists

Für Nutzer wird die neue Kennzeichnung zunächst in der mobilen Spotify-App sichtbar. Das Badge soll unter anderem direkt auf Künstlerprofilen, in Suchergebnissen und bei Songs innerhalb von Playlists erscheinen.

Wer auf die Kennzeichnung tippt, soll außerdem erfahren können, wie sie zustande gekommen ist – also ob ein Künstler sich selbst als AI Persona ausgewiesen hat oder ob Spotify das Profil nach einer eigenen Überprüfung entsprechend eingestuft hat.

Damit versucht der Streamingdienst, eine zunehmend schwierige Grenze sichtbar zu machen: KI-generierte Figuren können inzwischen mit Namen, Bildern, Biografien und Social-Media-Auftritten versehen werden und dadurch wie reale Künstlerpersönlichkeiten wirken.

Weniger Reichweite über Spotify-Empfehlungen

Die Kennzeichnung bleibt nicht ohne Folgen für die Verbreitung der Musik. Titel von als AI Persona gekennzeichneten Künstlern sollen laut Spotify standardmäßig nicht in redaktionellen oder personalisierten Empfehlungen auftauchen.

Eine Ausnahme gibt es, wenn Nutzer bereits aktiv mit dem jeweiligen Künstler interagiert haben – etwa indem sie dessen Profil folgen. Über die Spotify-Suche und direkt über die Künstlerprofile soll die Musik weiterhin auffindbar bleiben.

Damit geht Spotify über eine reine Information der Nutzer hinaus: Die Einstufung kann zugleich Auswirkungen darauf haben, wie leicht neue Hörer über algorithmische oder redaktionelle Empfehlungen auf einen Künstler stoßen.

Spotify baut Kennzeichnungen für KI-Inhalte aus

Das neue AI Persona Badge ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, mit denen Spotify nach eigenen Angaben mehr Transparenz auf der Plattform schaffen will. Dazu zählt der Dienst unter anderem bereits Kennzeichnungen für verifizierte Profile sowie Informationen zum Einsatz von KI bei Songs.

Mit der neuen Regelung trennt Spotify zwei Fragen bewusst voneinander: Wer oder was präsentiert sich als Künstler – und welche Werkzeuge kamen bei der Musikproduktion zum Einsatz?

Ein realer Musiker kann demnach umfangreich mit KI arbeiten, ohne deshalb als AI Persona zu gelten. Umgekehrt kann ein vollständig oder teilweise künstlich geschaffenes Künstlerimage gekennzeichnet werden, unabhängig davon, mit welchen Methoden die Musik selbst produziert wurde.

Für Hörer dürfte diese Unterscheidung künftig wichtiger werden. Denn mit zunehmend realistisch wirkenden KI-Personas wird nicht mehr nur die Herkunft einzelner Songs schwerer einzuschätzen, sondern auch die Frage, ob die vermeintliche Künstlerpersönlichkeit hinter der Musik überhaupt als reale Person existiert.