Am Freitag, den 14. Oktober um 13.24 Uhr war von einer Kölner Moschee erstmals der Muezzinruf zu hören. Zu hören war der Ruf zum Freitagsgebet nur in unmittelbarer Nähe der Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib. Der Ruf war rund fünf Minuten über zwei Lautsprecher zu hören.
Ab jetzt soll der Muezzin regelmäßig zu hören sein, zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen muslimischen Gemeinden. Daher wollen wir hier aufklären: Was genau sagt der Muezzin? Welche Vorgaben gibt es in Deutschland für den Muezzinruf? Und an welchen Moscheen wird er zu hören sein?

Muezzin ruft zum Gebet: Was der Muezzinruf auf arabisch bedeutet

Der islamische Gebetsruf „Adhan“ erfolgt in arabischer Sprache. Die Textverse mit Wiederholungen heißen übersetzt „Gott (Allah) ist groß“, „Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott“, „Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist“, „Kommt zum Gebet“, „Kommt zum Heil“, „Gott ist groß“, „Es gibt keine Gottheit außer Gott“.
Der Muezzin ist kein Imam, sondern gehört zum Personal der Moschee. Er wird aus verschiedenen Gründen gewählt: weil er besondere Charaktereigenschaften hat oder weil er eine schöne Stimme hat. In der Türkei gibt es sogar einen jährlichen Wettbewerb, um den besten Muezzin zu finden.

Wo gibt es den Muezzinruf in Deutschland?

Die Moschee in Köln ist nicht die erste in Deutschland, die den Muezzinruf einführen darf. Es ist aber die größte Moschee und in einer Großstadt, weshalb die Entscheidung der Kölner Oberbürgermeisterin so wichtig ist.
In rund 30 Moscheegemeinden ist der Muezzinruf bereits üblich, beispielsweise in Krefeld, im hessischen Raunheim oder in Oer-Erkenschwick am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. In Düren ruft der Muezzin sogar schon seit 1984. Vielerorts, etwa in München, Hannover oder Frankfurt am Main, rief er zeitweise während des ersten Corona-Lockdowns als Ersatz für Gottesdienste.
In Köln wird der Ruf zunächst für zwei Jahre immer wieder zu hören sein. Danach wird man wohl entscheiden, ob der Muezzinruf weitergehen darf.

Vorgaben in Deutschland: Die Regeln für den Muezzinruf

Deutschlandweit einheitliche Vorgaben für den Muezzinruf gibt es nicht. In Köln ist er zum Beispiel freitags zwischen 12 und 15 Uhr erlaubt und darf maximal fünf Minuten dauern. In Düren darf der Muezzin drei Mal täglich rufen, in Raunheim nur freitags vier Minuten lang. Während des Fastenmonats Ramadan ruft er in Raunheim ebenfalls täglich. Die Geräuschobergrenzen sind von Ort zu Ort unterschiedlich. In Köln darf der Ruf nur bis zu 60 Dezibel laut sein – also in etwa so laut, wie ein Gespräch zwischen zwei Personen.
In Oer-Erkenschwick ist der Muezzinruf freitags zwischen 12 und 14 Uhr für maximal 15 Minuten erlaubt. Dort klagte ein Anwohnerehepaar dagegen, weil es sich in seiner freien Religionsausübung eingeschränkt sah. Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht wies die Klage aber im Jahr 2020 ab. Es gebe „kein Recht darauf, von anderen Glaubensbekundungen verschont zu bleiben“, hieß es in der Begründung.