„Nur ganz knapp an lebenslanger Freiheitsstrafe vorbei“, ordnete Richter Roland Kleinschroth sein Urteil gegen fünf Angeklagte wegen versuchten Mordes ein. Die erste Große Jugendkammer des Heilbronner Landgerichts verhängte Strafen zwischen 14 und sechs Jahren für „eine abscheuliche Tat“.Die fünf Männer im Alter von 20 bis 31 Jahren hatten einen angeblichen Verräter aus der Drogenszene bestrafen wollen, weil dieser Informationen an die Polizei weitergegeben haben soll, wie die Beweisaufnahme zeigte. Dass es sich bei dem Verdacht nur um ein Gerücht gehandelt hatte, konnte das Quintett nicht von dem Verbrechen „auf sittlich tiefster Ebene“ abhalten, stellte Kleinschroth in der zweistündigen Urteilsbegründung fest.

Drei Stunden lang bei Minusgraden durch den Wald gekrochen

Das 21 Jahre alter Opfer sei im Januar dieses Jahres in ein Waldstück bei Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall) gebracht worden. Dort sei es mit mehreren Stichen lebensgefährlich verletzt worden. „Es ist den Angeklagten klar gewesen, dass diese Abreibung auch tödlich enden könnte“, sagte der Richter. Die Täter seien mit einem Auto geflüchtet, hätten das blutende Opfer allein zurückgelassen.

Der Schwerverletzte war drei Stunden lang Frost von 8 Grad minus ausgesetzt. In Todesangst sei er 1,6 Kilometer weiter zu einer Bundesstraße „gerobbt“. Dort fand ihn eine Familie, die von dem Erlebnis noch so geschockt ist, dass sie psychiatrische Hilfe benötigt.

Die Körpertemperatur des Opfers war auf 30,4 Grad abgesunken. Er wurde durch mehrere Operationen gerettet. Doch neben Entstellungen im Gesicht erinnern ihn „ganz, ganz schlimme Narben“ und ein künstlicher Darmausgang an die Tat. „Welches Leben hat dieser junge Mensch noch vor sich“, fragte Kleinschroth, denn dessen Leben sei „komplett zerstört“.

Richter begründet sein Urteil: „Schlimmste, lebensverachtende Brutalität“

Die Angeklagten hätten bereits im pubertären Alter „ihr Leben verpfuscht mit Alkohol und Drogen“. Bei dem Verbrechen hätten sie „äußerste, schlimmste, lebensverachtende Brutalität“ bewiesen, betonte der Richter. Ihr Verhalten sei „von extremer krimineller Energie geprägt“. Trotz seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung musste auch Kleinschroth einräumen, „dies ist ein Fall, der die Vorstellungskraft von vielen Menschen sprengt“.

Alle fünf Männer stünden nun „am Tiefpunkt ihres Lebens“. Gleichwohl glaubt der Richter, dass sie nach der Haft „eine neues Leben ohne Alkohol, Drogen und Gewalt starten“ könnten. Dazu soll auch die Einweisung in eine Entziehungsanstalt bei den vier Ältesten beitragen. Beim Haupttäter, der bei den Misshandlungen mit der 13 Zentimeter langen Klinge eines Dolchs durch besondere Brutalität aufgefallen ist, hatte sich das Gericht allerdings die Sicherungsverwahrung vorbehalten.

Der Staatsanwalt hatte „Lebenslänglich“ für alle Angeklagten beantragt. Das Gericht entschied wegen verminderter Schuldfähigkeit und wegen des Jugendstrafrechts beim 20-Jährigen etwas milder. „Das ist eine absolute Gratwanderung gewesen“, erklärte Kleinschroth.

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