Mobilfunkmast wurde abgebaut
: Kurort im Schwarzwald seit Monaten im Funkloch

Ein Kurort im Schwarzwald ist seit Monaten teilweise vom Mobilfunknetz abgeschnitten. Die Gründe und wie sich das auf Touristen und die Bevölkerung auswirkt.
Von
Nicole Züge
Ulm
Jetzt in der App anhören
Blick über die Baumwipfel des Sommerbergs in Bad Wildbad. Im Hintergrund ist Calmbach, ein Stadtteil von Bad Wildbad, zu sehen. Wer im Schwarzwald unterwegs ist, sollte auf die Umwelt achten, auf Tiere Rücksicht nehmen und seinen Müll nach einer Picknickpause wieder einpacken. (zu dpa «Naturpark: Schwarzwald-Touristen im Umgang mit Natur sensibilisieren») +++ dpa-Bildfunk +++

Der Schwarzwald ist bei Reisenden beliebt. Wer den beliebten Kurort Bad Wildbad besucht, sollte aber den richtigen Mobilfunkvertrag haben, sonst droht ein unfreiwilliger „Digital Detox“.

Marco Krefting/dpa

10.388 Einwohnerinnen und Einwohner zählt der kleine Kurort im Schwarzwald. Dazu kommen jährlich unzählige Reisende, die hier nach Erholung suchen. Diese Erholung wird allerdings seit zwei Monaten durch einen - unfreiwilligen - „Digital Detox“ begleitet: Der Ort ist vom Mobilfunknetz abgeschnitten, zumindest für Kunden von Vodafone und O2. Vor allem die Anwohner sind mittlerweile verzweifelt. Zuerst berichtete der SWR über das Funkloch mitten im Urlaubsgebiet.

Kurort im Schwarzwald ohne Netz

Betroffen ist der idyllische Ort Bad Wildbad im Schwarzwald, nur 30 Minuten von Pforzheim entfernt. Hier leben rund 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner, viele von ihnen haben einen Mobilfunkvertrag mit einem der großen Mobilfunkanbieter Telefónica oder Vodafone. Das Problem: Der war an einem, zum Abriss bestimmten, Heizkraftwerk-Schornstein installiert und musste Ende Juni 2025 abgebaut werden. Das Problem: Der Mast wurde nicht wieder aufgebaut.

Stadt ist machtlos gegen Funkloch

Die Stadt selbst kann nach Recherchen des SWR und Angaben der Stadtvertreter nichts gegen die Funkstille tun, vielmehr sind Mitarbeitende der Stadt selbst betroffen. Netzabdeckung ist in Deutschland nicht staatlich oder gar kommunal geregelt, sondern unterliegt den Regeln der Privatwirtschaft. Warum die Mobilfunkriesen den Mast nicht an einem anderen Standort aufgebaut haben, kann nicht einmal die Bürgermeisterin von Bad Wildbad sagen. Sie vermutete gegenüber dem SWR, dass die Anbieter es entweder technisch nicht hinbekommen, einen geeigneten Standort zu finden oder es ihnen einfach aufgrund der Größe des Ortes nicht wichtig genug ist.

Auswirkungen auf das tägliche Leben sind enorm

Die Auswirkungen auf den Alltag sind unterdessen für die Betroffenen groß: Wer bei einem der Anbieter unter Vertrag steht, kann das eigene Mobiltelefon lediglich im WLAN nutzen. Eine kurze Nachricht von unterwegs, ein Anruf, Bezahlen an der Kasse mit dem Handy - das alles funktioniert seit Juni nicht mehr. Natürlich sind auch die Touristen betroffen: Wander-Apps, Online-Checkin und sogar die Notknöpfe in den Saunaanlagen der Hotels funktionieren nur über den Mobilfunk.

Auf Anfragen des SWR hin bedauern die Mobilfunkanbieter die Unannehmlichkeiten und wollen nach eigenen Aussagen für eine Ersatzlösung suchen. Die gestalte sich allerdings aufgrund der geografischen Gegebenheiten - Bad Wildbad ist umgeben von steilen Hängen und Wald - schwierig, so die Unternehmen. Immerhin hat einer der Anbieter versprochen, einen mobilen Mast als Zwischenlösung aufzustellen.