Mitch Winehouse
: Amy Winehouses Vater muss fast eine Million an ihre Freunde zahlen

Winehouse hatte Freundinnen seiner verstorbenen Tochter verklagt. Das Londoner Gericht wies die Vorwürfe zurück und kritisierte sein Vorgehen deutlich.
Von
Katrin Jokic
Berlin/ London
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Mitch Winehouse, der Vater der verstorbenen Amy Winehouse, spricht 2014 mit Fans, Familienangehörigen und den Medien, nachdem im Stables Market, London, eine Statue seiner Tochter enthüllt wurde.

Mitch Winehouse, der Vater der verstorbenen Amy Winehouse, spricht 2014 mit Fans, Familienangehörigen und den Medien, nachdem im Stables Market, London, eine Statue seiner Tochter enthüllt wurde.

picture alliance / dpa | Hannah Mckay

Der Vater der britischen Sängerin Amy Winehouse muss nach einer gescheiterten Klage hohe Zahlungen an zwei frühere Freundinnen seiner Tochter leisten. Wie The Guardian und die BBC berichten, ordnete das High Court in London vorläufige Zahlungen von insgesamt rund 964.000 Pfund an Naomi Parry und Catriona Gourlay an.

Parry, die als Stylistin für Amy Winehouse gearbeitet hatte, soll rund 570.000 Pfund erhalten. Gourlay wurden beinahe 400.000 Pfund zugesprochen. Die Zahlungen müssen innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Zudem muss Mitch Winehouse für die weiteren Prozesskosten der beiden Frauen aufkommen. Die endgültige Summe könnte deshalb noch höher ausfallen.

Streit um versteigerte Gegenstände

Mitch Winehouse hatte Parry und Gourlay vorgeworfen, ohne entsprechende Berechtigung Kleidung und andere persönliche Gegenstände seiner Tochter versteigert zu haben. Zwischen 2021 und 2023 kamen insgesamt 155 Objekte unter den Hammer.

Dazu gehörten Kleidungsstücke, Schuhe, Handtaschen, Schmuck und Kosmetik sowie ein Kleid, das Amy Winehouse während ihrer letzten Tournee im Jahr 2011 getragen hatte.

Die beiden Frauen erklärten, die Sängerin habe ihnen die Gegenstände geschenkt oder dauerhaft überlassen. Sie bestritten, den Verkauf vor ihrem Vater verborgen oder dabei unehrlich gehandelt zu haben.

Gericht weist Vorwürfe zurück

Richterin Sarah Clarke wies die Klage bereits im Frühjahr zurück. Nach ihrer Einschätzung wusste Mitch Winehouse von der geplanten Versteigerung. Erst nach dem Verkauf habe er begonnen, von den beiden Frauen Geld zu verlangen.

Die Behauptung, Parry und Gourlay hätten die Auktionen bewusst verheimlicht, sei nicht bewiesen worden.

Scharfe Kritik am Vorgehen von Mitch Winehouse

In der nun veröffentlichten Kostenentscheidung übte die Richterin scharfe Kritik am Verhalten des Klägers. Winehouse habe einen von Beginn an schwachen Fall „aggressiv und unerbittlich“ weiterverfolgt und dabei schwerwiegende, unbegründete Anschuldigungen erhoben.

Diese hätten den Ruf, die beruflichen Aussichten, die finanzielle Sicherheit und die Gesundheit der beiden Frauen erheblich beeinträchtigt.

Amy Winehouse 2009 zusammen mit ihrem Vater Mitch Winehouse am Westminster Magistrates’ Court. Damals musste sich Amy Winehouse selbst wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Amy Winehouse 2009 zusammen mit ihrem Vater Mitch Winehouse am Westminster Magistrates’ Court. Damals musste sich Amy Winehouse selbst wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

picture-alliance/ dpa | epa Andy Rain

Nach Ansicht des Gerichts hatte Winehouse das Verfahren bewusst zu einem umfangreichen und kostspieligen Rechtsstreit ausgeweitet, um die Beklagten wirtschaftlich unter Druck zu setzen und zu einer Einigung nach seinen Bedingungen zu bewegen.

Besonders schwer wiege, dass sich die Vorwürfe gegen zwei Frauen richteten, die Amy Winehouse und ihrer Familie über Jahre hinweg loyal zur Seite gestanden hätten.

Hohe Kosten für beide Seiten

Die Prozesskosten von Parry wurden im April auf rund 715.000 Pfund geschätzt, die von Gourlay auf etwa 487.000 Pfund. Das Gericht entschied, dass diese Kosten auf einer sogenannten Entschädigungsbasis abgerechnet werden.

Bei dieser Form der Kostenentscheidung erhält die erfolgreiche Partei in der Regel einen größeren Anteil ihrer tatsächlichen Ausgaben zurück als in gewöhnlichen Verfahren.

Auch Mitch Winehouse selbst soll laut BBC durch das Verfahren eigene Anwalts- und Gerichtskosten von mindestens 950.000 Pfund verursacht haben.

Schon früher Kritik an Mitch Winehouse

Die deutlichen Worte des Gerichts treffen Mitch Winehouse nicht zum ersten Mal. Bereits zu Lebzeiten seiner Tochter wurde wiederholt darüber diskutiert, ob er zu offensiv mit Amys persönlichen Problemen an die Öffentlichkeit gegangen sei. Während sich ihr gesundheitlicher Zustand sichtbar verschlechterte, gab er zahlreiche Interviews, trat in Fernsehsendungen auf und betrieb zeitweise ein eigenes Onlineformat. Gegenüber dem Guardian räumte er später selbst ein, einige seiner damaligen Entscheidungen zu bereuen. Er habe seine Tochter schützen wollen, die Situation dadurch aber teilweise verschlimmert.

Die Debatte verschärfte sich 2015 durch Asif Kapadias später mit einem Oscar ausgezeichnete Dokumentation „Amy“. Darin wurde unter anderem thematisiert, dass Mitch Winehouse einen frühen Vorschlag abgelehnt hatte, seine Tochter wegen ihres Alkoholkonsums in eine Entzugsklinik zu bringen. Er widersprach dieser Darstellung und erklärte, seine Aussage sei verkürzt worden: Er habe lediglich gesagt, Amy habe „zu diesem Zeitpunkt“ noch keine stationäre Behandlung benötigt. Die Familie bezeichnete den Film insgesamt als irreführend.

Amy Winehouse starb 2011

Amy Winehouse war im Juli 2011 im Alter von 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung gestorben. Die britische Sängerin wurde mit ihrer markanten Stimme und Liedern wie „Rehab“ und „Back to Black“ weltweit bekannt.

Das Gericht verwies in seiner ursprünglichen Entscheidung auch auf ihre außergewöhnliche Großzügigkeit gegenüber Freunden und teilweise sogar kaum bekannten Personen.