Mit 103 Jahren: Margot Friedländer ist verstorben

Margot Friedländer, Zeitzeugin, Holocaust-Überlebende und Ehrenbürgerin von Berlin ist verstorben.
picture alliance/dpaDie Holocaust-Überlebende und engagierte Zeitzeugin Margot Friedländer ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 103 Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin. Das teilte die Margot-Friedländer-Stiftung am Nachmittag mit. Die Nachricht ihres Todes löste tiefe Betroffenheit in ganz Deutschland aus – und weit darüber hinaus.
Eine Stimme gegen das Vergessen
Margot Friedländer wurde am 5. November 1921 in Berlin geboren und überlebte den Holocaust unter dramatischen Umständen. Nach der Deportation ihrer Familie tauchte sie unter, wurde jedoch 1944 von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Sie war eine der wenigen Überlebenden ihrer Familie.
Nach dem Krieg wanderte Friedländer in die USA aus, wo sie Jahrzehnte lebte. Erst 2010 kehrte sie dauerhaft nach Deutschland zurück, um sich der Aufklärung über die NS-Zeit zu widmen – insbesondere in Schulen, Gedenkstätten und öffentlichen Veranstaltungen.
Unermüdlicher Einsatz für Erinnerungskultur
Margot Friedländer wurde zu einer der bekanntesten Zeitzeuginnen des Holocaust. Bis ins hohe Alter reiste sie durch das Land, sprach mit Jugendlichen und war eine eindrucksvolle Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. Ihre eindringlichen Worte – „Versucht, Menschen zu sein“ – sind vielen im Gedächtnis geblieben.
Noch zwei Tage vor ihrem Tod trat Friedländer bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin auf. In ihrer letzten öffentlichen Rede richtete sie einen eindrucksvollen Appell an die Zuhörenden:
„Für Euch. Seid Menschen. Das ist es, was ich Euch bitte zu tun: Seid Menschen!“
Zahlreiche Ehrungen und bleibendes Vermächtnis
Für ihr Engagement erhielt Margot Friedländer zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Ehrenbürgerwürde Berlins und den Walther-Rathenau-Preis. Die nach ihr benannte Stiftung setzt sich für politische Bildung und Erinnerungskultur ein – ihr Vermächtnis lebt somit weiter.
Eine Mahnerin ist gegangen – doch ihre Stimme bleibt
Margot Friedländers Tod hinterlässt eine große Lücke. Sie war eine der letzten lebenden Stimmen des Holocaust – eine Zeitzeugin, die die Schrecken der NS-Zeit nicht nur überlebte, sondern mit beeindruckender Kraft und Menschlichkeit gegen das Vergessen ankämpfte.
Die Bundesrepublik verliert mit ihr nicht nur eine herausragende Persönlichkeit, sondern auch ein moralisches Gewissen. Ihr Leben bleibt Mahnung und Inspiration zugleich.
Quelle: Tagesschau
